Filmkritik: Irresistible – Unwiderstehlich (USA 2020)

In den USA stehen die Präsidentenwahlen an, Zeit noch eine Politsatire in die Kinos zu bringen – trotz Corona.

Als Donald Trump 2016 die Wahlen gewann, war der Schock beim politischen Gegner groß. Im traditionell den Demokraten zugeneigten Hollywood muss er sogar so groß gewesen sein, dass erst jetzt eine ordentliche Politsatire herauskommt, die sich des Themas annimmt. Und mit Irresistible – Unwiderstehlich ist es sogar ein Film geworden, der sich um das Problem an sich kümmert, also nicht versucht einen politischen Gegner zur Strecke zu bringen.

Der überraschende Wahlsieg Donald Trumps sitzt dem Politstrategen und Demokraten Gary Zimmer (Steve Carell) noch in den Knochen, da beschließt er zu handeln. Er will das ländliche Amerika für die Demokraten zurückholen, und als ihm das Youtube-Video eines Ex-Marines zugespielt wird, der sich auf einer Gemeindeversammlung für die Belange von illegalen Migranten einsetzt, sieht er seine Chance gekommen. Er bricht in die Kleinstadt irgendwo in Wisconsin, einem der Swing States, die Trumps zum Sieg verholfen hatten, und will aus Colonel Hastings (Chris Cooper) den nächsten Bürgermeister machen, und ihn gleichzeitig als demokratischen Kopf im Herzland Amerikas bekannt machen. Sein Wahlkampf ist noch nicht richtig angelaufen, da taucht die für die Republikaner arbeitende Strategin  Faith Brewster (Rose Byrne) in der Stadt auf, um den Wahlkampf für den republikanischen Amtsinhaber zu führen.

Und schon entwickelt sich der Wahlkampf in der amerikanischen Kleinstadt zu einem großen Stellvertreterkrieg von Demokraten und Republikanern, bei dem alles aufgefahren wird, was der moderne Wahlkampf zu bieten hat – inklusive reicher Spender, die im ganzen Land gesucht werden, denn das gute alte Deerlaken ist seit Schließung des dortigen Militärstützpunktes nur noch eine weitere, sich im sterben befindliche Kleinstadt irgendwo abseits von New York oder Los Angeles.

Was Irresistible – Unwiderstehlich als Politsatire so stark macht, ist die Tatsache, dass sich der Film nicht über angebliche Hinterwäldler lustig macht, sondern jenes Herzland von Amerika in seinem melancholischen Niedergang darstellt. Regisseur Jon Stewarts Film hinterfragt sogar jenes Weltbild, das wohl nicht nur in Hollywood vorherrschen dürfte. Wenn der schlichte Ex-Marine auf eine LGTB-gerechte woke Demokratenspendenparty in New York Wahlgelder eintreiben soll, könnte man den Ort genauso gut für eine Hollywoodparty handeln. Für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt zwar das auf die Schippe genommene Fernsehen, dem man den Fox-Stempel nicht nur der blonden Moderatorinnen wegen deutlich ansehen kann, in einer sich zunehmend radikalisierenden Gesellschaft, in der jede Seite das Bemühen um Ausgeglichenheit schon als Verrat an der eigenen Sache wahrnimmt, ist ein Hollywoodfilm wie Irresistible – Unwiderstehlich geradezu erfrischend und macht Hoffnung.

Dafür, dass sich der Zuschauer auch amüsieren kann, sorgt vor allem Steve Carell als typisches Gewächs des politischen Establishments. Generalstabsmäßig bereitet er sich auf seine Aufgabe mitten in der Provinz vor, und zeigt doch schon mit der simplen Bestellung eines Burgers und Biers, das er überhaupt keine Ahnung hat wo er hier gelandet ist. Er stolpert durch die Stadt, versucht WLAN-Passwörter zu bekommen, wo man sich noch mit dem Surren eines Modems einwählt, und versucht Kühen Regieanweisungen zu geben. Die Einwohner sehen es ihm nach, oder besser spielen mit, denn gegen Ende des Films hat Regisseur Stewart noch eine überraschende Wende parat. Ohne spoilern zu wollen, es ist eine jener Wendungen, die man zwar als unrealistisch einordnet, die aber dennoch so gut in die Geschichte passen, dass man es zu diesem Zeitpunkt den Film gerne nachsieht.

Bis dahin hat einen Irresistible – Unwiderstehlich und seine sympathisch-skurrile Figuren bereits überzeugt. Dazu zählen nicht nur Steve Carell oder seine Gegenspielerin Rose Byrne, sondern zum Beispiel auch nicht mehr ganz Nachwuchsstar Mackenzie Davis, die als eher unscheinbares Mädchen von Lande doch das eigentliche Master Mind des Plots spielt.

Insgesamt ist Irresistible – Unwiderstehlich keine Meisterwerk, aber doch eine gelungene Politsatire. Mit der Botschaft, dass Dollars die Wahlen gewinnen und sich Politiker nach den Wahlen nicht mehr blicken lassen, die so einfach, wie wahr ist und von der realen Politik so ignoriert wie eh und je.


Irresistible – Unwiderstehlich ab dem 06. August 2020 in den deutschen Kinos

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