Die Geschichte, die ich dir jetzt erzählen werde, ist wahr. Bitte denk daran, wenn du sie zu Ende gelesen hast. Ich sage das, weil ich mich manchmal selbst gefragt habe, ob meine Erinnerung an die Ereignisse von damals, korrekt sind, oder vielleicht doch das Ergebnis des erlittenen Traumas. Doch etwas in meiner Seele sagt mir, dass alles genau so passiert ist, wie es eigentlich gedacht war, und so habe ich mich dazu entschlossen, die Wahrheit als das zu akzeptieren, was sie ist.

In einer bitterkalten Nacht im November 2009 beendeten meine Freunde und ich unser Abendessen in meiner winzigen Zweizimmerwohnung vor den Toren Roms, und brachen dann ins Stadtzentrum auf. Ich war 21, und erst kurz zuvor nach Rom gezogen, um einen Punkt auf meiner Wunschliste abzuhaken, nämlich Lehrerin in einem fremden Land zu werden. Meine Freunde waren eine weitere junge Amerikanerin, und ein Italiener, mit dem ich mich damals sofort anfreundete, und der überzeugt war, mich dem italienischen Ehemann vorstellen zu können, für den ich immer bestimmt war.

Wir kamen an unserem Ziel an, einer sehr überfüllten und edlen Mojito-Bar, und ich muss sagen, dass ich mich nach einem kurzen Scan meiner Umgebung sehr enttäuscht erinnere, dass ich meinen zukünftigen Mann nicht sofort entdeckt habe. Wir fanden unsere Plätze an der Bar, und die Nacht begann. Wir wechselten noch öfter die Lokalitäten, und nach einer der besten Nächte, die ich je erlebt hatte, war es Zeit für uns, nach Hause zu fahren.

Nach zähen Verhandlungen, und dummen Ideen, stand ich schließlich hinter dem Steuer der Vespa meiner Freundin. Unser italienischer Freund wollte mit meiner Freundin vorausfahren. Ich war schon mal einen Motorroller gefahren, und dachte, es sei bequem – und dumm, wie ich war, stimmte ich zu los zu fahren. Ich weiß nicht, ob du jemals in Rom warst, oder was noch wichtiger ist, wie du fährst, aber lass uns einfach sagen, dass die Filme die Realität über den italienischen Straßenverkehr ziemlich genau zeigen. Stell dir die leidenschaftlichen Italiener vor, die durch Gassen kurven und ausweichen, schreien und hupen und dir den Vogel zeigen, während ein junges und sehr dummes amerikanisches Mädchen verzweifelt versucht, sich an ihren Freunden auf der Vespa vor ihr zu orientieren und sie nicht zu verlieren. Und schon bald nachdem wir mit der Vespa losgefahren waren, ereignete sich mein schlimmster Alptraum: mein italienischer Freund war weg. Irgendwie, inmitten des ganzen Chaos, waren wir getrennt worden. Ich schaute so weit voraus, wie ich konnte, aber dort, inmitten von Dutzenden von Autos und Motorroller, war ich ganz allein. Und es waren die Tage vor dem iPhone und der 123-Navigation, zumindest für mich. Dies waren die Tage von Vodafone und der Pay-as-you-go-Nutzung, also war es nicht so, als könnte ich mein Ziel in die Tasche stecken und aufbrechen. Ich war verloren. Völlig verloren, auf einer Vespa wusste ich kaum, wie man sich aufrecht hält, geschweige denn sicher fährt, und ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte.

Nachdem ich stundenlange in Rom umhergeirrt war, kam ich wie durch ein Wunder in meiner eigenen Nachbarschaft an. Und dann geschah es. Das Ereignis, das mein Leben und meinen Weg für immer verändern würde. Ich kam in eine scharfe Kurve in einer Straße mit einem Geländer, das eine zweispurige Straße trennte. Dann stand vor mit eine mindestens 7 Meter hohe Ziegelmauer. Ich weiß nicht mehr, ob auf der Straße Öl ausgelaufen war, oder ob ein Rad blockierte, aber als ich verzweifelt versuchte zu lenken, fuhr die Vespa nur geradeaus und ich knallte direkt in die Ziegelwand.

Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf der Straße, die Vespa völlig demoliert ein paar Meter von mir entfernt. Ich konnte meine Beine nicht bewegen, meine Augen waren weit offen, aber ich konnte nichts sehen, weil aus einer riesigen Wunde auf der Stirn das Blut über meine Augen hinwegfloss. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich dort in der Mitte der Straße lag, völlig starr vor Angst und die Eiseskälte der Straße durchdrang meine Knochen, und plötzlich fühlte ich, wie jemand meine Hand hielt. Dort waren keine anderen Autos, ich lebte in einem kleinen Dorf vor Rom. Dort lebten quasi nur Italiener. Niemand, und ich meine, niemand von meinen Nachbarn sprach Englisch. Aber jetzt hörte ich die Stimme eines Mannes, der mit mir in perfektem Englisch mit italienischem Akzent sprach. Der Name dieses Mannes war Michele, Michael auf Englisch, und er war bei mir, hielt meine Hand und sagte mir, dass alles in Ordnung sein würde. Ich konnte meine Augen wieder schließen und brauchte keine Angst zu haben, denn Hilfe sei auf dem Weg und er würde mich nicht verlassen. Ich drückte seine Hand etwas fester und wurde wieder ohnmächtig, es war wie eine große Erleichterung.

Ich wachte auf, als Sanitäter sich um mich kümmerten. Ich wurde auf eine Trage gelegt und in den Krankenwagen geladen, Michele hielt noch immer meine Hand. Als sie die Trage in den hinteren Teil des Krankenwagens hoben, begann mein Arm sich immer mehr zu strecken, ich versuchte Micheles Hand zu halten, und die Kraft, mit der seine Hand aus meiner herausgerissen wurde, war fürchterlich. Ich kann immer noch spüren, wie sich unsere Hände trennten. Ich versuchte alles, um wieder nach ihm zu greifen, aber es war zu spät. Sie schlossen die Türen und brachten mich ins Krankenhaus.

Am nächsten Tag wachte ich in einem katholischen Krankenhaus auf, wo sich Nonnen um mich kümmerten, was an sich schon fürchterlich war. Nachdem ich schon einige Zeit wach war, kam ein Mann mit meinen Sachen in mein Zimmer. Es stellte sich heraus, dass er einer der Sanitäter war, die auf meinen Unfall reagiert hatten. Nachdem er mir die Sachen gegeben hatte, fragte ich ihn, ob er zufällig die Kontaktinformationen von Michele bekommen habe, denn ich sei ihm so dankbar für das, was er für mich getan hatte, indem er mich nicht allein gelassen und mich getröstet hatte, bis der Krankenwagen dort angekommen war. Der Sanitäter sah mich verwirrt an und lächelte. Es gäbe niemanden, der noch an dem Unfall beteiligt gewesen sei. Ich sagte ihm, dass es einen Zeugen des Unfalls oder einen Fußgänger gegeben haben muss, der angehalten hat. Ich wusste nichts über ihn, aber ich wusste, dass er bei mir war, bis der Krankenwagen dort ankam. „Nein, Signora, Sie waren allein, als wir ankamen. Bei Ihnen war niemand“, sagte er.

Bist du verwirrt? Weil ich es danach noch jahrelang war. Es stellte sich heraus, dass ich nicht dazu bestimmt war, das romantische italienische Leben zu leben, das ich in meinem Kopf hatte. Der Unfall beendete meinen Aufenthalt in Italien und veranlasste mich, nach Hause zurückzukehren, um das Leben zu bekommen, das ich jetzt als Frau, Mutter und Krankenschwester lebe. Ich habe öfter über dieses lebensverändernde Ereignis nachgedacht, als ich zählen kann, und ich habe daraus gelernt: Es gibt einige Dinge, die wir nicht erklären können.

Ich glaube, dass sich unsere Wege manchmal ändern müssen. Manchmal haben wir einen Weg eingeschlagen, der einfach nicht für uns bestimmt war. Manchmal brauchen wir eine kleine Wegbiegung, um unsere Richtung zu ändern, und manchmal brauchen wir eine Mauer. Egal wie fest wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wir haben ein höheres Schicksal, das sich erfüllen wird, und die große Kraft um uns herum gestaltet unseren Weg. Es ist okay, nicht zu wissen, was das nächste richtige Ding ist oder in welche Richtung man gehen soll. Mach dir keine Sorgen. Schnall dich einfach an. Hilfe kommt auf dem Weg dorthin.

Allie Barrera

Allie Barrera erhielt ihren Bachelorabschluss in vergleichender Weltliteratur und begann ihre Karriere als Englischlehrerin in Rom, Italien. Kurz danach erhielt sie ihren Master in Krankenpflege und praktiziert derzeit als Krankenschwester und Stillberaterin in Südkalifornien. Am wichtigsten ist ihr jedoch, dass sie eine Frau und Mutter von drei schönen Jungen im Alter von 7,6 und 10 Monaten ist. Allie genießt Reisen, Literatur und verbringt Zeit mit ihrer Familie.
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