Am 16. Oktober 2010, gegen 9 Uhr morgens stehen mein Chef, Nabil und ich mit unserem Fahrzeug am „Main Gate“, um unseren Gast, Batuz, abzuholen. Er wird von einem ehemaligen General der Freiheitskämpfer, General Wasiq, begleitet. Batuz ist Gründer der „Société Imaginaire“, eine „kulturelle Antwort auf die Globalisierung“. Bekannt auch durch sein Anti-Mauer-Projekt in Berlin im Jahr 1984 sowie durch ein länderverbindendes Kunstprojekt zwischen Deutschland und Polen 2002. Und schließlich das Projekt „no más fronteras“ein grenzüberschreitendes Kunstprojekt im Jahr 2007.

Damals, als ich den Auftrag bekommen hatte, dachte ich für mich, „Wow, was für ein spezielles und untypisches Vorhaben hier in Afghanistan“. Ich konnte mir unter seiner Kunst noch nichts Konkretes vorstellen, da ich bis zu dieser Zeit ihn bzw. seine Arbeiten nicht kannte.

Was ich erst zu einem späteren Zeitpunkt wirklich verstanden habe ist, dass die Mitteilungen von Batuz an die Menschen durch seine Kunst wirklich einzigartig sind.

Die erste Installation des gigantischen Werks von Batuz mit einem Ausmaß von 5,50 Meter x 11,30 Meter, wurde mit Helmen von toten Soldaten gestaltet und war, wie alle seine Werke, dem Frieden gewidmet. Doch diese Informationen erhielt ich erst viel später, als Batuz bereits im Camp eingetroffen war.

Als wir bei seiner Ankunft so vor dem Tor des Camps stehen und auf den Besuch warten, stelle ich die Frage in die Runde, wie unser Gast wohl auf unser Leben im Camp Einfluss nehmen werde. Nabil und Cheffé halten sich mit ihren Meinungen zurück und zucken nur mit den Schultern. Ich hingegen bin gespannt, wer da auf uns zukommt. Da ich sein Gesicht schon aus dem Internet kenne, stellt sich mir gerade nur die Frage, sieht er in Wirklichkeit noch genauso aus oder hat er sich schon sehr verändert? Und das Wichtigste ist, was kann ich für ihn tun, um dabei zu helfen, seinen Traum zu verwirklichen?

Bevor ich Groß darüber nachdenken kann, kommt besagter Gast auch schon vor dem Tor an. Die Fahrertür öffnet sich und General Wasiq steigt aus seinem Geländewagen aus und läuft um das Auto herum, um Batuz beim Aussteigen behilflich zu sein. Nach der Begrüßung lade ich das Gepäck in unser Fahrzeug um und bitte dann Batuz einzusteigen. Wir fahren direkt zu seiner Unterkunft damit er sich von der langen Fahrt ausruhen und frisch machen kann.

Nach ca. 1,5 Stunden hole ich ihn dann zum Abendessen ab und zeige ihm den Speisesaal, in dem die Mahlzeiten von allen Soldaten, außer den amerikanischen, eingenommen werden. Wir betreten den großen Speisesaal und ich erkläre ihm kurz den Ablauf der Essensausgabe. Mit dem Essen auf den Tabletts gehen wir zu einem Tisch, an dem bereits ungarische Kameraden über ihrem Essen sitzen und nehmen bei ihnen Platz. Während des Abendessens stelle ich mich etwas ausführlicher vor und berichte von meinen, denn schließlich sollen wir ja für eine Weile zusammenarbeiten. Er hört mir sehr interessiert zu und ich bin erstaunt, wie schnell ich einen Bezug zu ihm herstellen kann. Mir wird schnell klar, dass er ein sehr weiser Mann ist, der in seinem bisherigen Leben viele schwierige Zeiten durchstehen musste. Umso mehr beeindruckt mich jetzt auch, dass er fast immer seine Ziele, die er sich bisher gesetzt hatte, auch erreichen konnte. Er ist ein Mensch, der trotz aller Hindernisse, die sich ihm in den Weg gestellt haben, an Lebensfreude nichts verloren hat, und das ist für mich ziemlich beeindruckend. Und ich bin mir eigentlich jetzt schon sicher, dass die nächsten Tage und Wochen bestimmt sehr interessant werden.

Gleich am nächsten Morgen sitzen wir erneut zusammen und besprechen den Ablauf und die Aufgaben für den heutigen Tag. Ich stelle schnell fest, dass Batuz sehr perfektionistisch veranlagt ist. Er macht von allem, was ihm gerade in den Sinn kommt, sofort ausführliche Notizen und arbeitet sie später im Detail weiter aus. So auch sein Vorhaben, wie wir Leute für das Projekt begeistern und auf unsere Seite ziehen können. Egal, ob es ein deutscher, ein polnischer oder norwegischer Kamerad ist. Wichtig ist in dieser ersten Phase, dass wir viele Helfer und Unterstützer nicht nur aus den eigenen Reihen bekommen, sondern auch von afghanischen Mitarbeitern. Letztere sind besonders wichtig, da die künstlerische Performance in erster Linie auf die Freiheit des Landes bzw. der Bevölkerung aufmerksam machen soll.

Um dieses Projekt im Lager publik zu machen, erstellen wir zuerst einen Entwurf von einem Plakat, das als Aufruf für das Projekt am 4. November dienen soll und in verschiedenen Sprachen wie Englisch, Deutsch, Dari die Nachricht verkündet. Dieses Plakat wird dann an allen markanten Punkten im Lager platziert, damit möglichst viele Kameraden es sehen können. Überall, wo sich Kameraden aus allen Nationen aufhalten und ihre Zeit miteinander verbringen, soll ein Plakat angebracht werden.

Batuz zeigt mir in seinem Buch seine bisherigen Kunstwerke, die das Thema „No màs fronteras“, auf Deutsch: „Keine Grenzen mehr“ beeindruckend darstellen und wie er dieses Thema mit dem Projekt Afghanistan verbinden möchte. Als Hintergrundbild für das Plakat nehmen wir ein Bild aus seinem Buch, das die Grenze an einem Berghang und eine Grenzstruktur auf einer rauen Oberfläche wiederspiegelt. Es soll sinnbildlich das Thema „Grenzen überwinden“ wiedergeben.

Nachdem die ersten Schritte des neuen Projektes Afghanistan angelaufen sind, versuche ich jetzt mit Hilfe unseres Baubüros eine Skizze zu entwerfen, anhand der dort eingefügten Angaben wir später die Grenzlinien auf den afghanischen Boden aufzeichnen. Nach dem Einscannen wird über einen großen Plotter auch schon der Plan ausgedruckt, der uns bei der Vermessung der Grenzlinie helfen wird. Außer dem Plan benötigen wir noch Maßbänder, Paketschnur, Leuchtspray und schwarze Tücher für die Teilnehmer, die dann die Grenze darstellen werden. Das meiste kann ich über unseren Baumarkt bekommen. Die Tücher werden wir draußen auf dem afghanischen Markt von einem unserer afghanischen Sprachmittler besorgen lassen. Was jetzt noch fehlt sind Leute, die uns bei der Vorbereitung und Durchführung des Projekts Afghanistan helfen. Das soll sich allerdings als schwieriger herausstellen, als anfangs gedacht. Es ist nicht ganz so einfach wie ich es mir vorgestellt hatte, für das Projekt Interesse oder gar Zustimmung zu erhalten, weil viele darüber nur schmunzeln und offensichtlich den Sinn und Zweck dieser Aktion überhaupt nicht verstanden haben.

An einem Abend sitzen Batuz und ich im Atrium in der Oase unserer Bar zusammen, trinken etwas und sprechen über dieses und jenes. Da kommt ein ungarischer Hauptmann auf uns zu und setzt sich neben uns auf das Sofa. Er begrüßt uns freundlich und obwohl wir eigentlich durch die Sprache etwas voneinander getrennt scheinen, beginnt Batuz sofort ein Gespräch mit dem ungarischen Hauptmann in seiner Landessprache. Und schon ist der Bann gebrochen und von Abstand keine Rede mehr. Zumindest nicht auf Seiten des Hauptmanns und Batuz, denn ich konnte beim besten Willen kein Wort verstehen. Kurz nachdem das Gespräch beendet ist, erzählt er mir, dass der ungarische Hauptmann uns fünf Kameraden zur Unterstützung für die Vorbereitungen stellen wird. Und damit haben wir unser Vorkommando zusammen: Stephan, Nabil, ich, die fünf ungarischen Kameraden und der Künstler. Insgesamt sind wir jetzt neun Personen, die das Projekt auf den Weg bringen können. Und auch vom Baubüro kommt das OK, dass ein Kamerad zumindest am Anfang mithelfen und uns unterstützen kann. Damit ist jetzt schon einmal der Grundstein gelegt; was noch fehlt ist der Platz, an dem das Ereignis stattfinden soll.

Um ausreichend Interesse bei den Medien zu bewirken, wäre natürlich ein Ort ideal, der möglichst viel Aufmerksamkeit erregen würde. Und ein solcher Platz wäre in jedem Fall außerhalb des Lagers zu finden, allerdings ist ein solches Vorhaben in dieser kriegerischen Gegend natürlich nicht realisierbar. Aufgrund der Sicherheitslage wird deshalb auch der Wunsch von Batuz, an den Ausläufern des Hindukusch eine Menschenkette zu stellen, verwehrt. Im persönlichen Gespräch mit Generalmajor F. wird ihm mitgeteilt, dass die geplante Aktion nur innerhalb des Lagers stattfinden kann, und auch nur mit den im Lager befindlichen afghanischen Mitarbeitern. Als Batuz von diesem Gespräch mit dem General zurückkehrt, ist er leicht verunsichert, ob das Projekt Afghanistan so überhaupt medienwirksam genug sein kann. Er hatte sich ein großes Aufgebot von verschiedenen Medienvertretern aus allen Herren Länder gewünscht, die die Bilder in die ganze Welt transferieren sollten, damit die Friedensbotschaft möglichst weit verbreitet würde. Mit der Beschränkung auf die Grenzen des Lagers ist das nun in dieser Art nicht mehr möglich.

Er scheint ziemlich enttäuscht darüber zu sein und ich verstehe ihn sehr gut, denn wenn man so eine große Idee im Kopf hat, ist es nicht immer leicht, sich auf kleinere Formate reduzieren zu müssen. Doch auf der anderen Seite verstehe ich auch unsere Führung, denn schließlich sind sie für die Leben der Soldaten – und auch für das Leben von Batuz – verantwortlich. Es ist schwer, hier beiden Seiten gerecht zu werden. Ich versuche, ihm die Umstände zu erklären und natürlich sieht er die Notwendigkeit der Sicherheit aller Beteiligten auch ein. Trotzdem verspreche ich ihm, dass wir das Beste aus der Situation machen werden.

Am nächsten Morgen treffen wir uns nach dem Frühstück vor dem Schelter, so nennen wir die Container, in denen wir wohnen, bei herrlichem Wetter. Die Sicht auf den Hindukusch ist wieder einmal atemberaubend. Hohe Berge, die heute wieder ganz anders aussehen als gestern. Am Tag zuvor lag noch ein heller Nebel über der Bergkette und heute leuchten sie wie aus purem Gold. Man könnte meinen, es wäre goldener Sand, doch es ist echtes Gestein. Als ich am Schelter ankomme, sitzt Batuz schon wieder über seinen Unterlagen und ist fleißig dabei, sich Notizen darüber zu machen, welche Aufgaben noch alle erledigt werden müssen. Vom Einkaufen der Stoffe bis hin zu noch nicht erledigten Telefonaten mit allen möglichen Leuten. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert darüber, was für weit verzweigte Kontakte dieser Mann hat. Es ist interessant ihm zuzuhören, wenn er zu erzählen beginnt, wo und zu welcher Gelegenheit er diese oder jene Person kennengelernt hat, insbesondere im Bereich des Militärs. Und genauso gern, wie ich ihm zuhöre, bemerke ich, dass es ihm gefällt und auch guttut, davon zu erzählen.

In der Zwischenzeit sind Stephan und Nabil dabei, das Werkzeug, das wir später noch brauchen werden, zu beschaffen. Zuerst werden wir heute versuchen, einen passenden Platz zu lokalisieren, wo wir dann am 4. November die Menschenkette platzieren werden. Dazu fahren wir mit dem Auto in den äußeren Bereich des Lagers, wo schon die ersten Baumaßnahmen für die Umsiedlung der Amerikaner aus Bagdad, der Hauptstadt des Iraks nach Mazar-e Sharif in vollem Gange sind. Von dort aus hat man einen guten Blick auf den Hindukusch, der später den Hintergrund der Fotos ausfüllen soll. Bis wir dann aber den optimalen Platz gefunden haben, wird es noch ein wenig dauern, denn Herr Batuz ist sehr wählerisch, was mir spätestens nach 1,5 Stunden Suche sehr deutlich bewusst wird. Aber wir geben nicht auf und werden endlich auch fündig. Wir markieren den Platz sofort mit dem mitgebrachten Absperrband, sodass die Abgrenzungen gut sichtbar sind.

Jetzt haben wir also eine Location gefunden und können die nächsten Tage mit dem Vermessen und Anzeichnen der gedachten Grenzlinie beginnen, auf der die Menschen eine Kette bilden sollen, die zeigt; Wie Frieden verbinden kann zu verdeutlichen.

Inzwischen rückt der Tag „X“ immer näher.

Es ist inzwischen Montag, der 1. November. Um 9 Uhr trifft das gesamte Hilfspersonal auf dem Platz ein, das uns bei den Vorbereitungen helfen wird. Mit Kartenmaterial, Trassier-Band und jeder Menge Sprühdosen machen wir uns an die Arbeit, die geplante Grenzlinie auf den afghanischen Boden zu zeichnen. Auch die ungarischen Kameraden sind vor Ort und unterstützen uns tatkräftig. Der Anfang ist etwas schwierig, denn wir sind uns nicht ganz über den Beginn des Verlaufs der Grenzlinie einig. Aber so wie darüber Klarheit herrscht, läuft es schnell immer besser und am Ende des ersten Tages kann man sogar schon sehen, worauf unsere Bemühungen hinauslaufen sollen. Am Ende des zweiten Tages ist unser Werk dann vollbracht und ich meine, es kann sich sehen lassen. Jetzt fehlen nur noch die Menschen, die sich entlang der gedachten Grenzlinie aufstellen sollen. Batuz ist ebenfalls sichtbar erleichtert, dass die Arbeit so unkompliziert beendet und alle Vorbereitungen ohne weitere Probleme abgeschlossen werden konnten.

Nun kann er kommen, der Tag des Experiments „Menschenkette in Afghanistan“. Ziemlich zufrieden mit unserem Werk sitzen wir am Abend alle noch ein wenig zusammen bei einem Trink in der OASE und hoffen, dass der nächste Tag von Erfolg gekrönt sein wird. Und vor allem, dass genügend Soldaten und afghanische Mitarbeiter kommen werden, um eine geschlossene Menschenkette bilden zu können.

Der große Tag des Experimentes ist gekommen

Es ist der 4 November 2010 in Afghanistan. Der große Tag ist da! Ich bin heute Morgen schon früh im Büro, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Stephan und Nabil sind auch bereits eingetroffen. Wir sind echt gespannt, wie viele Leute heute kommen werden, um die Menschenkette zu stellen. Trotz der anfänglich eher kritischen Haltung dem Projekt gegenüber, haben sich inzwischen doch einige Leute gemeldet, die das Projekt unterstützen wollen. Sogar General K. hat sich mit seinen Stabsdienst-Offizieren angesagt, sodass wir uns der Unterstützung aus der Führungsebene sicher sein können.

Die letzten beide Tage waren für alle Beteiligten auch im Lager noch sehr arbeitsintensiv. Nachdem die Vorbereitungen an unserer festgelegten Location abgeschlossen waren, mussten wir noch in Zusammenarbeit mit den afghanischen Lagerarbeitern mehrere 100 Meter Stoffrollen zusammenschneiden. Für jeden Soldaten und afghanischen Mitarbeiter ist ein Stoff-Stück von einem Meter vorgesehen, welches er dann später über seinem Kopf und den Schultern tragen soll. Jetzt geht es los und es wird sich zeigen; Ob sich das alles gelohnt hat.

Um 9 Uhr haben wir eine kurze Einweisung mit unserem Chef. Nach der Einweisung fahre ich mit Nabil gemeinsam los, um den Künstler abzuholen. Stephan und der Chef fahren direkt auf den Platz. Als wir vor der Unterkunft von Batuz ankommen, bietet sich mir ein etwas ungewöhnliches Bild. Er ist gar nicht mehr so gelassen und ruhig, wie ich ihn sonst kenne, sondern man merkt ihm seine Aufregung deutlich an. Ich versuche, ihn zu beruhigen mit der Aussicht, dass alles gut werden wird. Aber ich glaube, das bringt im Moment nicht viel. Ich bin ja selber ziemlich aufgeregt und gespannt, sodass ich ihm seine Nervosität auch nicht verdenken kann. Naja, ein Versuch war es trotzdem wert.

Heute kommen noch weitere Gäste ins Lager, die Batuz zur Performance eingeladen hat, wie beispielsweise General Wasiq. Er bringt Körbe voller frisch gebackener, weißer Fladenbrote mit, die später als Zeichen der Freundschaft verteilt werden und die Überwindung von Grenzen zwischen den Menschen darstellen soll.

Als wir an dem vorbereiteten Platz ankommen, bietet sich uns ein tolles Bild. Es sind schon zahlreiche Soldaten und zivile Mitarbeiter sowie Beamte der Polizei eingetroffen und mit dem Camp-Shuttle kommen immer mehr Leute. Batuz begrüßt die Menschen mit einem Megaphon, so können ihn auch alle gut hören, was er zu sagen hat. Nach einer kurzen Begrüßung beginnen wir dann auch schon damit, die Leute entlang der markierten Grenzlinie aufzustellen und statten jeden mit einem schwarzen Tuch aus. In der Zwischenzeit kommen auch die ersten afghanischen Mitarbeiter mit dem Bus an, die wir gleich in die Kette integrieren.

Etwa eine Stunde später steht schließlich die Menschenkette für die Luft- und Bodenaufnahmen bereit. Über das Megaphon werden die Aufgaben vermittelt und genaue Instruktionen ausgegeben, wie die Menschen in der Kette dastehen sollen. Ohne Tuch, mit Tuch über dem Kopf ausgebreitet, dann den rechten und linken Nachbarn an die Hand nehmen.

Alle sind bereit, nur leider steht der Hubschrauber, der die Luftaufnahmen machen soll nicht bereit. Der konnte wegen schlechter Sicht in Termez heute Morgen erst gar nicht starten und steht daher für den heutigen Tag nicht zur Verfügung. Aber wie immer macht Not bekanntlich erfinderisch. Und deshalb nehmen wir jetzt einfach den San-LKW, der ja sowieso vor Ort steht, um für einen eventuellen Einsatz bereit zu sein. Wir platzieren einen Kameramann im Fahrerhaus, der aus der Dachluke heraus filmt, während der LKW an der Menschenkette vorüberfährt. Ein zweiter Fotograf schießt Bilder vom Boden aus.

Nachdem die ersten laufenden Bilder und Fotos im Kasten sind, kommt das Fladenbrot ins Spiel. Es soll sinnbildlich darstellen, wie aus Feinden Freunde werden können. Der eine bricht das Brot und reicht es seinem Nachbarn. Später die Umarmung und das gemeinsame Essen des Brotes. Diese friedvollen Bilder live vor Ort zu sehen ist schon sehr eindrucksvoll, vor allem, wenn man die Situation der Afghanen draußen auf dem Lande und in der Stadt kennengelernt hat.

In diesem Moment kann ich nur daran denken, warum es nicht überall auf der Welt so sein kann. Menschen, die zusammenarbeiten und leben, ohne dass sie durch Intoleranz oder irrationalen Hass voneinander getrennt werden. Dann gäbe es keine Kriege oder Gewalt gegen Minderheiten mehr. Einfach ein Zusammenleben ohne Konflikte. Zu schön, um wahr zu sein? Nun, zumindest heute, bei diesem Projekt haben wir es geschafft!

Zum Abschluss des Experimentes richtet General K. noch einige Worte an den Künstler und an alle, die dieses Projekt ermöglicht bzw. vorbereitet haben. Damit ist ein weiteres Projekt „no más fronteras“ in Afghanistan erfolgreich durchgeführt und für die Ewigkeit dokumentiert worden. Und ich freue mich innerlich, dass trotz der kleineren – und manchmal auch größeren – Hindernisse, das Projekt doch so reibungslos abgelaufen ist.

Ein paar Tage später verlässt uns Batuz wieder. Er bedankt sich bei mir für die tolle Unterstützung und meint, dass er einen weiteren Freund in seinem Leben gefunden habe. In der Hoffnung auf ein Wiedersehen, lädt er mich nach Berlin ein, und sehr gern nehme ich diese Einladung an. Ich fühle mich sehr geehrt, diese Worte aus dem Mund eines solch motivierten und erfolgreichen Mannes zu hören und freue mich jetzt schon darauf, der Einladung bald zu folgen.



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Das Buch „Sterben kann man an jedem Tag“ von Andreas Meyer erschien 2016 im tredition Verlag. Ein deutsches Hörbuch, sowie eine englische Übersetzung des Buches ist derzeit in Arbeit.

Mehr über den Autor und das Buch erfahren Sie unter der Internetadresse:
sterbenkannmanjedentag.jimdo.com