Das Journalistenherzen links schlagen, ist keine Neuigkeit

Das Journalistenherzen links schlagen, ist keine Neuigkeit

Das Problem ist nicht, dass Journalisten heute linker wären als damals, sie haben nur die Grundsätze des Journalismus verlernt.

Hinter uns liegt ein etwas anderer Politischer Aschermittwoch, so anders, dass man an vielen Stellen nicht umhin kam einen Rückgriff in die „gute alte Zeit“ zu machen, als an diesem Tag noch richtig draufgehauen wurde. Und – man mag über ihn denken was man will – tatsächlich konnte das niemand anderes besser, als Franz Josef Strauß. Gestern war aber auch der Tag, an dem ich ein interessantes Interview mit dem Kommunikationswissenschaftler Christian Hoffmann in der NZZ gelesen habe. Titel: Schlägt das Journalistenherz links? Tja, und da wären wir wieder bei Franz Josef Strauß, der wusste es nämlich schon damals, wie sein legendärer Auftritt in der ARD-Sendung Monitor zeigte:

Im besagten Artikel werden viele gute Gründe angeführt, warum die Journalisten heute (wie damals) mehrheitlich links sind. Sie entstammen häufiger einem Akademikermilieu oder achten weniger als konservativ eingestellte Menschen auf Einkommen und Sicherheit. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich das durchaus bestätigen. Ja, man kann auch vom Journalismus leben, aber oft nur wenn man sich schnell einen Namen macht oder sicher beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterkommt. Gerade am Anfang aber ist „irgendwas mit Medien zu machen“ eine der brotlosen Künste. Ich erinnere mich noch an das erste halbe Jahr meines Volontariats, da passten Monatsdauer und Gehalt noch weniger zusammen als während meiner Zeit als Student. Und auch danach konnte man von seinem Gehalt zwar leben, aber man scheute tunlichst die Vergleiche mit alten Bekannten aus Studientagen. Diese Zeit ist nun etwas über zehn Jahre her. Und ja, auch ich bin den konservativen Weg gegangen, um mein Gehalt aufzubessern.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit

Nun würde ich im Rückblick sagen, die Redaktion, in der ich gelernt habe, war nicht stramm-links. Ja, wir hatten sogar einen Kollegen, den wir immer witzelnd als FDP-Wähler nach seiner Meinung gefragt haben. (Was eher eine Zuschreibung war, wo er wirklich sein Kreuz am Wahltag gemacht hat, war schließlich seine Sache.) Aber meine Chefredakteurin war schon eine Grüne, ohne Parteibuch, und ohne politisches Sendungsbewusstsein, aber gemerkt hat man es schon. Allerdings nie in dem was sie beruflich tat, welche Entscheidungen über die Sendung sie traf und welche Beiträge sie selbst als Journalistin erstellte. Und genau das ist mein Punkt! Welche politische Einstellung man als Journalist hat, war damals noch das eine, was man aber in seiner Eigenschaft als Journalist veröffentlichte, dass andere. Da steckt viel von dem alten Bonmot der Fernsehlegende Hanns Joachim Friedrichs drin, nachdem sich ein guter Journalist mit keiner Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten Sache. Journalismus bedeutet die Ereignisse einzuordnen, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bei vielen Journalisten liegen die Nerven blank

Spricht man Journalisten heute auf eine der eigenen Ansicht nach links-tendenziöse Berichterstattung an, bekommt man oft zu hören, aber man ordne die Sache ja nur ein, dass sei schließlich der Job. Aber irren wirklich so viele, die eben ganz anderer Ansicht sind?

Mit vielen heutigen Journalisten reden kann man darüber kaum noch. Exemplarisch erinnere ich mich an eine äußerst kurze Diskussion mit einem mir bekannten Journalisten über die von Sachsen-Anhalt gestoppte Erhöhung der Rundfunkgebühren. Kurz, weil als Gegenargument nur kam, man würde sich gemein mit der AfD machen.

“Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.”

Hanns Joachim Friedrichs

Die Nerven liegen blank, seit Jahren ist klar, Journalismus braucht ein neues Geschäftsmodell. Viele altehrwürdige Zeitungen wie die Zeit, die Süddeutsche oder auch die Frankfurter Allgemeine suchen inzwischen ihr Heil in einer Anbiederung an einen linken Mainstream, den sie ausgerechnet auf Twitterniveau zu finden glauben. Man bettelt um Klicks und biedert sich an, indem man möglichst „woke“ publiziert. Den Sturzflug der Abonnentenzahlen konnte das allerdings kaum stoppen. Die wachsen eher in Publikationen die man – ist man gut gelaunt – als alternativ bezeichnet, in der Regel aber als rechtspopulistisch brandmarken will. Nicht wenige Journalisten die sich dem Wokeness-Trend widersetzen sind inzwischen zur Persona non grata erklärt.

Rundfunkgebühren setzen die Gesetze des Marktes außer Kraft

Die wachsende Kluft zwischen Medien und Rezipienten sieht auch Kommunikationswissenschaftler Hoffmann. Es ist auch zu offensichtlich, dort wo der Markt regiert, haben sich besonders woke Plattformen wie bento aus dem Spiegelverlag wieder aus der Öffentlichkeit verabschiedet, andere wurden zur Kategorie des Muttermediums degradiert. Die Schlussfolgerung: das wollte einfach keiner lesen, und nur von linken Hardcore-Twitterern kann man nicht leben. Als Jugendpublikation verkleidete woke Angebote können nur dort überleben, wo die Gesetze des Marktes außer Kraft gesetzt sind. Man blicke nur auf das funk-Angebot, dass mit Rundfunkgebühren finanziert wird und wohl noch einige Zeit in den luftleeren Raum funken kann.

Nun ist aber auch bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht alles einer linken Agenda untergeordnet. Es gibt sie schon noch, die echten Journalisten, die ihr Handwerk noch gelernt haben und ARD und ZDF davor bewahren tatsächlich zu einem linken Propagandasendenetzwerk zu werden, als das sie die echten Rechtspopulisten schon heute sehen. Allein, und das ist auch meine Befürchtung, wird das nicht mehr lange so bleiben. Zurecht warnt Hoffmann ja davor, dass man die linke Tendenz auch deshalb erst einmal anerkennen müsse, weil die echten Aktivisten gerade erst in die Medien drängen. Selbst in der Welt, heute wie damals wie die BILD ein Hassobjekt der Linken, finden sich schon rot-grüne Mehrheiten. Man merkt es nur nicht, weil die Spitze noch einen anderen Kurs fährt.

Ausgewogenheit ist heute schon ein Abfall von der reinen Lehre

Aber es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Aktivismus der Totengräber des Journalismus werden wird. Nämlich dann, wenn diese junge Elite, die kaum Kontakt zum echten Leben des Gros der Bevölkerung hat und es sich in der eigenen Blase gemütlich gemacht hat, selbst die Spitze übernimmt.

Ich bin da wenig optimistisch. Die Medienwelt wird eine Spaltung vollziehen, wie sie sich auch in der Gesellschaft bereits abzeichnet. Es werden zwei unterschiedliche Medienwagenburgen entstehen, die sich gegenseitig bekriegen und intern bestärken. Die eine Seite wird dabei nur auf eine längere Geschichte zurückblicken können. Und dabei einen peinlichen Eiertanz aufführen, weil sie zwar diese lange Geschichte für sich als Argument sieht, sie freilich aber das eigene Archiv am liebsten abfackeln würde. Dort finden sich nämlich zahlreiche Belege dafür, das Journalismus einst auf Ausgewogenheit achtete. Doch Ausgewogenheit ist heute bereits gleichbedeutend mit einem Abfall von der reinen Lehre.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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