DenkZeit Filmkanon: Die glorreichen Sieben (USA 1960)

Die glorreichen Sieben befriedigen die zeitlose, aber in manchen Zeiten noch stärkere Sehnsucht nach dem einsamen Helden.

Wer über Die glorreichen Sieben spricht, beginnt natürlich damit, dass es sich dabei um ein Remake handelt. Bei Akira Kurosawa waren es jedoch noch sieben Samurai gewesen. Und schon immer waren gerade von Hollywood gedrehte Remakes, na ja, nie auch nur annährend so gut wie die Originale. Die meisten entwickelten nicht einmal ein Eigenleben.

Nun mag man den Film von John Sturges und Akira Kurosawa am besten gar nicht vergleichen, man muss es auch nicht, denn Die glorreichen Sieben gehört zu den wenigen Ausnahmen, die ein Eigenleben entwickelt haben und komplett für sich alleine stehen.

Das Westerngenre lässt sich vielfach unterteilen, nicht nur in Hollywood oder Italo-Western. Oft kann man die Unterteilung auch nach seiner Entstehungszeit ablesen. So hatten etwa Western ihre Zeit, in der ihre Helden auf Rachefeldzüge gingen, weil man ihre Familie und Farm ausgelöscht hatte. Andere waren einsame Desperados, die ausgestoßen aus der Gesellschaft durch den Westen zogen und sich einen Dreck um jene gesellschaftlichen Strukturen scherten, auf die sie noch trafen. Um was es sich bei Die glorreichen Sieben handelt, macht Sturges gleich beim ersten Auftritt von Yul Brynner und Steve McQueen klar. Obwohl sich die beiden Figuren nicht kannten, steigen sie gemeinsam auf einen Leichenwagen um einen Indianer auf den örtlichen Friedhof zu bringen. Von den Einheimischen hatte dies keiner gewagt, weil am Eingang des Friedhofs bewaffnete Männer warteten, die einen Indianer nicht einmal auf einem Friedhof für Verbrecher beerdigen lassen wollen.

Obwohl ihrer sieben, gehört der Film in jene Kategorie, in der ein einsamer Held sich ganz in den Dienst der Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwachen stellt – auch wenn die Gesellschaft entweder nicht willens oder fähig ist diese, ihre Aufgabe zu erfüllen. Das mag pathetisch klingen, aber dazu muss man wissen, das in Hollywood die McCharty-Ära noch im Ausklingen war, in der man sich auch dort munter an der Hexenjagd auf Kommunisten beteiligte. Gerade Autoren waren davon betroffen und selbst in diesem Fall wurde im Abspann nur einer der drei am Drehbuch beteiligten Männer genannt. Filme wie Die glorreichen Sieben spiegeln insofern auch die Sehnsucht nach Charakteren wider, die selbst in einer Atmosphäre der Hexenjagd aufstehen und ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohl für die gerechte Sache eintreten.

Die Handlung der glorreichen Sieben

Es ist die oben beschriebene Friedhofsszene, die die drei Männer aus einem mexikanischen Dorf beeindruckt, die auf der Suche nach Waffen und Schutz sind, weil ihre Heimat regelmäßig von dem Banditen Calvera (Eli Wallach) heimgesucht wird. Chris (Yul Brynner) ist auch schnell gewonnen, und auch Vin (Steve McQueen) ist dabei. Mal abgesehen von dem jungen Revolverhelden Chico (Horst Buchholz) sind die restlichen Männer jedoch nicht so schnell an Bord. Der Film widmet sich mal mehr, mal weniger intensiv den Motiven der anderen Männer. Da ist etwa Harry (Brad Dexter), der bis zuletzt vermutet Chris sei so schnell bei der Sache dabei gewesen, weil dort mehr dahinterstecken würde – Gold. Robert Vaughn hingegen spielt einen Gentleman-Desperado, der von der Angst getrieben wird es nicht mehr lange zu schaffen. Sein Motiv, John Sturges arbeitet es leider nur vage aus, ist es zumindest noch bei einer guten Sache zu sterben. Andere, geradezu atypische Westerndarsteller, wie Charles Bronson oder James Coburn, hingegen ähneln am Ende in ihren Motiven mehr dem Anführer der Sieben.

Am Ende entwickeln sich allerdings wohl alle Figuren zu diesem Grundtypus des Helden, der die richtige Sache um ihrer selbst willen angeht. Deutlich wird das vor allem dann, wenn sich die Helden dafür entscheiden zurück ins Dorf zu reiten, um es mit den Banditen aufzunehmen, nachdem ihnen große Teile der Menschen dort in den Rücken gefallen sind, weil sie das kleiner Übel – das Ausgeplündert werdend durch die Banditen – gewählt hatten. Sie tun das auch in der Gewissheit, am Ende diesen Tages nicht mehr zu siebt zu sein.

Und tatsächlich endet der Film mit dem einsamen Ritt von Yul Brynner und Steve McQueen in die Prärie, nachdem sie auch der junge Chico (Horst Buchholz), der dritte Überlebende, verlässt, um in dem mexikanischen Dorf sein Glück zu suchen.


Dieser Film ist Teil des DenkZeit-Filmkanons, als einer der 99 besten Filme aller Zeiten!