Er ist jung, er ist fleißig und obendrein ist er auch noch sehr charmant. Daniel Alvarez Jacobsen, bekannt als der Wurstkönig von Kolumbien, hat Charisma und das kann nicht schaden, wenn man sich darum bemüht aus dem Nichts ein Alles zu schaffen.

„Nenn mich Dani“, sagt er zur Begrüßung an der Tür und reicht mir die Hand. Dann bringt er mich direkt auf die Terrasse seiner Wohnung, im vornehmen Norden von Bogota. Ein elektrischer Grill von der Größe eines Kleiderschrankes glüht sich warm und ich nehme Platz und packe zwei eisgekühlte Flaschen Köstritzer Bier aus meiner Reisetasche aus. Während Dani ein paar Bratwürste vorbereitet für den Grill, reiche ich ihm zwei weitere Flaschen Köstritzer, damit er sie in den Kühlschrank stellt. Das Bier habe ich bei „Carulla“ gekauft. Ein nobles Feinkostgeschäft an der Ecke, bekannt für seine importierten Lebensmittel und Getränke aus Europa. Hier ist alles sündhaft teuer. Die vier Flaschen Köstritzer haben mich glatte € 22,- gekostet, wenn ich die kolumbianischen Pesos in unsere Währung umrechne. Egal. Bevor ich hierherkam, um Daniel Alvarez Jacobsen zu interviewen, habe ich ihn angerufen und gefragt, welches Bier er gerne trinkt und wie aus der Pistole geschossen kam: „Köstritzer“. Das hat seinen Grund: Der siebenunddreißigjährige Kolumbianer hat mehr als zehn Jahre lang in Deutschland gelebt. Und dort das Köstritzer Bier zu seinem Getränk erster Wahl erkoren. Er erzählt mir, dass er seine schönste Zeit in Berlin verbracht hat, im Hotel Adlon. Nicht als Gast, nein als Auszubildender. Im Adlon hat er den Beruf des Kochs erlernt. „Das ist eine lange Geschichte“, wiederholt er sich und für einen Moment wird er nachdenklich. Dann stoßen wir an und benetzen unsere Lippen mit dem hellbräunlichen Schaum leckeren Köstritzer Dunkelbiers.

„Prost Dani“, Prost Arthur“.

Danis Geschichte ist wahrhaft etwas Besonderes und ja, sie hat ein Happyend. Aber lassen sie mich ganz von vorne anfangen, liebe Leser und ihnen der Reihe nach erzählen, wie es dazu kam, das fast alle bekannten Fernsehkanäle in Deutschland diese Geschichte auf den Bildschirm gebracht haben:

Dani stammt aus einer oberen Mittelklasse Familie. Sein Vater war Offizier bei der kolumbianischen Marine und ging noch vor dem fünfzigsten Lebensjahr in Pension. Er war noch jung genug, um sich selbstständig zu machen. Kurzerhand gründete er eine Fabrik die Kunstdärme herstellt für Wurstfabriken im großen Stil und großen Mengen. Sein Erfolg war einschlagend und ermöglichte ihm einen hohen Lebensstandard. Davon profitierte sein Sohn Dani seit seiner Kindheit. Dani wuchs wohlbehütet auf, machte das Abitur in der deutschen Schule von Bogota und als er siebzehn war, packte er die Gelegenheit beim Schopf und ging für ein Jahr nach Deutschland zum Schüleraustausch. Während dieser Zeit lebte er in Wiesbaden, bei Gasteltern und er sagt heute noch, er habe kolumbianische Eltern in Bogota und deutsche Eltern in Wiesbaden.

Während der Zeit des Schüleraustausches suchte sich der Gymnasiast einen Studentenjob und fand ihn auch sofort. Zuerst als Putzhilfe in einem Metzgerladen in der Stadt. Danach fand er Arbeit in einem italienischen Restaurant am Kurpark. Dort wurde er als Kellner eingestellt. Zwanzig Jahre später behauptet er, dass die Arbeit des Kellners und der Kontakt mit den Menschen eine wunderschöne Erfahrung für ihn gewesen ist. Charisma, erinnern Sie sich, muss er schon damals gehabt haben, denn die Gäste beim Italiener kamen nach einiger Zeit immer öfter ins Restaurant, um nur von ihm bedient zu werden. Diese Bestätigung war sein Ansporn und als er zurück nach Kolumbien reiste, um dort zwei Jahre später seinen Schulabschluss im Colegio Andino von Bogota zu machen, hatte er sich bereits entschlossen in Deutschland eine Ausbildung im Hotelfach zu absolvieren. Mit zwanzig kam er zurück nach Deutschland und trat eine Ausbildung als Hotelfachmann an. Er lernte alle Sparten eines Hotelbetriebes kennen. Am besten gefiel ihm die Küche. Dani entdeckte für sich eine Leidenschaft, die er bis dahin nicht kannte. Aus hochwertigen Lebensmittelprodukten ein leckeres Gericht zu zaubern, das wollte er lernen. Aber vorher musste er noch nach Kolumbien reisen, denn sein Vater wollte ihn darauf vorbereiten in die Fabrik einzusteigen. Als wohlerzogener gehorsamer Sohn befolgte er den Wunsch des Vaters und betätigte sich für einige Zeit in der Fabrik. Schnell musste er erkennen, dass ihm das keinen Spaß machte. Er wollte schmackhafte Gerichte kochen und nicht im Büro der Fabrik Abläufe delegieren. Also reiste er wieder zurück nach Deutschland.

In den Zeitungen und Gastgewerblichen Journalen machte er sich schlau auf der Suche nach einer Lehrstelle als Koch. Dabei stieß er auf ein Inserat des Weltberühmten Hotel Adlon in Berlin. Fix griff er zum Telefon und erkundigte sich. Nachdem man ihm erklärt hatte was zu machen sei, bewarb er sich formell und wurde eingeladen nach Berlin zu kommen für ein Vorstellungsgespräch. Als er erfuhr, das man ihn als Auszubildender Koch einstellt, vollführte er einen Freudensprung. Geholfen hat ihm dabei die Ausbildung als Hotelfachmann und nach drei Jahren im Adlon machte er seine Gesellenprüfung als Koch, die er mit Erfolg bestand. Jetzt war er ein mit Urkunde bestätigter Küchengeselle, der im berühmtesten Hotel Deutschlands seine Ausbildung abgeschlossen hatte.

Aber Danis Vater wartete schon sehnsüchtig in Bogota auf ihn, denn er wollte ihn in der Fabrik einstellen, um sich selbst zu entlasten. Dani folgte dem Vater und er ging für viele Monate jeden Tag in die Fabrik, das Geschäft des Vaters zu erlernen. Wieder wurde er beeinflusst vom Tagesablauf in der Fabrik. Von der Eintönigkeit den ganzen Tag im Büro zu verbringen. Zu delegieren und nicht mit den Händen arbeiten zu können. Dabei wollte er nichts sehnlicher tun als ein Handwerker sein. Jemand, der mit den Händen etwa schönes kreiert, etwas schafft und herstellt zur Freude der Menschen.

Mit der Einwilligung seines Vaters ging Dani nun zum dritten Mal nach Deutschland und suchte sich eine Lehrstelle als Metzger. Bei seinen vorhergehenden Jahrelangen Aufenthalten im Land, hatte er die vielen qualitativen Wurst- und Metzgereiprodukte kennengelernt. So etwas wollte er auch können. In Kolumbien, so sagt er, gibt es eine „deutsche Wurstlücke. Zutaten und Qualität der Wurst Produkte in Kolumbien sind vom Geschmack und von der Verarbeitung her völlig anders. Mehr kann man dazu nicht sagen“. Jedenfalls war unser junger Gastro-Handwerker motiviert genug in Deutschland das Metzgerhandwerk zu lernen. Er schrieb einen Brief aus Kolumbien an den Metzgereiinhaber in Wiesbaden, der ihn Jahre zuvor als Putzhilfe eingestellt hatte. Dessen Vater betrieb noch eine traditionelle Schlachterei in Ingelheim. Tatsächlich kam wenige Wochen später ein Brief aus Wiesbaden zu Dani nach Bogota mit der Nachricht, „komm, du hast eine Lehrstelle bei meinem Vater in Ingelheim“.

Dani strahlt noch heute über das ganze Gesicht, wenn er davon erzählt. Sein Traum – eine Metzgerlehre in Deutschland absolvieren, die Gesellenprüfung machen, danach noch die Zeit für die Meisterprüfung investieren und bestehen, damit er den für ihn wertvollen deutschen Meisterbrief mit seinem Namen in der Hand halten konnte – war jetzt auf dem Weg der Erfüllung.

All das hat er in über zehn Jahren gastronomischer Ausbildung in Deutschland geschafft. Jetzt war wieder die Zeit gekommen zurück nach Kolumbien zu gehen. Zwischenzeitlich stand für Dani fest, dass er von nun an seine eigene Karriere in der Gastrobranche machen würde. Und so war es dann auch. Die Leidenschaft als Artesan, als Handwerker mit den Händen leckere Sachen herzustellen hat gesiegt. Heute ist der „Wurstkönig von Kolumbien.“ nicht nur berühmt für seine zigtausend Bratwürste, die er im Jahr auf Festen und Veranstaltungen verkauft, sondern er wird auch von der deutschen Botschaft im Catering Service als „der“ Zulieferer schlechthin geschätzt und exklusiv beauftragt. Ausserdem hat er eine Marke kreiert, die unter dem Namen „Jacobsen Salchichas“ in ganz Bogota Berühmtheit erlangt hat. In der Calle 65 No. 3B-53 betreibt er seit einiger Zeit das Lokal „Jacobsen Salchichas Alemanas“. Von dort aus bietet er auch sein internationales Catering-Service an, unter der Telefonnummer: 3175164728

Als ich mich von diesem beeindruckenden jungen Mann in Bogota verabschiede, sagt er mir, das er seinen Eltern sehr dankbar dafür ist, das sie ihren eigenen Wunsch an ihn, sich dauerhaft und fest in der Kunstdarmfabrik zu betätigen, zurückgestellt haben und ihren Sohn dabei unterstützten ein Meister des deutschen Gastro-Handwerks geworden zu sein. Und der Sohn, Dani sagt, jetzt, wo er erfolgreich geworden ist auf seine eigene Art und Weise, will er auch wo es geht, dem Vater zur Seite stehen in der Fabrik.

Das, darüber bin ich mir sicher, wird er auch schaffen. So, wie er alles was er sich in seinem jungen Leben vorgenommen hat, durch seinen Fleiß und sein Charisma geschafft hat.

Weiter so Daniel Alvarez Jacobsen!