Der Advent – Fürchtet euch nicht

Der Advent – Fürchtet euch nicht

Dürfen Sie Weihnachten im Familienkreis feiern, oder wollen Sie das vielleicht gar nicht? Gedanken unseres Chefredakteurs zum anstehenden Fest.

„Und der Engel sagte zu ihnen: fürchtet euch nicht; siehe, ich verkünde euch große Freude, welche dem ganzen Volk widerfahren wir.“

In diesen Stunden entscheiden Bundesregierung und die Länderchefs wie wir Weihnachten verbringen. Die Entscheidungen sind noch nicht gefallen, und dem Autor bleibt nur zu spekulieren. Aber ein Blitzlockdown scheint wahrscheinlich, vielleicht ist es nur die Frage ob die Geschäfte gleich am Montag schließen müssen oder eine Galgenfrist bis zum Mittwoch bekommen. Allein darum geht es eigentlich nicht, meine Frage ist, wie werden wir Weihnachten feiern? Und da ist es eigentlich egal, ob man in den nächsten Tagen seine Geschenke nun noch in den Läden oder doch komplett online bekommt. Die Geschenke sind mir an sich auch nicht wichtig, denn Weihnachten ist mehr als deren Austausch.

Mir stellt sich die Frage wie wir Weihnachten selbst feiern. Dürfen die Familien im Land zusammenkommen? In manchen Bundesländern, wie etwa Thüringen dürfte das für Familien die aus mehr als zwei Haushalten bestehen schon unmöglich geworden sein. Fünf Personen hin, Kinder unter 12 oder 14 Jahren her, sobald sich Geschwister und ihre Eltern unterm Baum treffen wollen, ist ein Weihnachten wie es immer war in diesem Jahr, na ja, vielleicht nicht unmöglich, aber zumindest verboten.

Und wenn ich mir den besonders lauten Teil des Volkes so ansehe, scheinen viele das auch zu wollen. In den Sozialen Netzwerken trendet schon seit Tagen #Lockdownjetzt. Es ist Spekulation, aber vielen von jenen ist Weihnachten und sein Fokus auf Familie ohnehin suspekt. Es dürfte kein Zufall sein, dass auch der Begriff “Familismus” dort inzwischen die Runde macht. Mit einem Klang, der dem Begriff “Faschismus” nicht unabsichtlich sehr ähnlich ist. Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft, und da die Gesellschaft für jene mehr als nur latent faschistisch ist, ist es aus deren Betrachtungsweise ganz folgerichtig die Familie anzugreifen. Aber am Ende ist das nur eine kleine, aber laute Minderheit. Hinter dem für die andere Hälfte der Bevölkerung masochistisch wirkenden Ruf nach einem harten Lockdown steckt größtenteils nur eines: Furcht!

Corona ängstigt uns, die Coronapandemie jagt uns Furcht ein. Sicher, die Ansteckungszahlen sind hoch, die Todeszahlen nicht minder. Jeder Angesteckte und noch mehr jeder Tote ist ohne Zweifel einer zu viel. Aber – auf die Gefahr hin jetzt als einer dieser Querdenker verleumdet zu werden – es ist auch durchaus Sinn der Sache immer nur absolute Zahlen zu nennen, in Relation gesetzt sind sie bei Weitem nicht so wirkmächtig. Die reale Gefahr sich zu infizieren ist relativ gering, noch geringer wenn man sich an die vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen hält. Sie liegt nicht bei Null, und da wird sie auch niemals liegen, solange wir die Coronapandemie – hoffentlich gegen Herbst 2021 – hinter uns gebracht haben. Aber eines gilt eben doch, wer seine Kontakte auf das Notwendige reduziert, seine Maske trägt und unnötige Menschenansammlungen meidet, ist keine tickende Zeitbombe für seine Großeltern unterm Weihnachtsbaum.

Ich glaube diese einfache Erkenntnis ist gerade in diesen Tagen wichtig, denn sie ist ein Mittel gegen die Furcht, die uns alle ergriffen hat.

Die Gewissheit sich nicht fürchten zu müssen ist meiner Ansicht nach auch eine viel zu oft übersehende Botschaft der Bibel. Schon im Alten Testament nimmt Mose diese Worte in den Mund, um sich, mit Gott im Rücken, an das Volk Israels zu wenden: “Fürchtet euch nicht”. Und in der Weihnachtsbotschaft nach Lukas sind es die Engel, die dem Menschen zurufen: “Fürchtet euch nicht!”

Gerade in Tagen wie diesen sollten wir uns auf diese Zusage besinnen und auf sie vertrauen. Und es liegt eine gewisse Ironie darin, dass diese Zusage uns dabei helfen kann mehr Rationalität in die aktuelle Debatte um Corona zu bringen. Denn wer allein auf zugespitzte wissenschaftliche Aussagen vertraut, die er nicht hinterfragt oder auch nur in ihrem vollen Umfang kennen (möchte), verhält sich so, wie er es den Gläubigen vorwirft – irrational und nur durch Furcht bestimmt.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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