Der Advent – Stille Nacht, Heilige Nacht als Provokation

Der Advent – Stille Nacht, Heilige Nacht als Provokation

Dieses Weihnachten wird für viele stiller als sonst. Das wird schwer in einer Gesellschaft, die Stille kaum mehr ertragen kann.

Stille Nacht! Heil’ge Nacht!
Alles schläft, Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigen Haar;
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!

Über 200 Jahre ist „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ nun schon alt, und dabei so bekannt, dass es oft schon genügt „Das Lied“ zu sagen. Und auch in diesem Jahr wird es wohl zu den meistgespielten Weihnachtsliedern gehören, auch wenn es an einer entscheidenden Stelle vielerorts fehlen wird: am Ende der Christmetten

Dabei wirken Text und Melodie heute fast ein wenig wie ein Fremdkörper in unserer durchkommerzialisierten Adventszeit, in der es vielen nicht laut und bunt genug zugehen kann. Es ist ein beständiger Weckruf daran, auf was diese Zeit tatsächlich zuströmt. Nicht auf große Geschenke oder wilde – dieses Jahr unterbleibende – Weihnachtspartys, sondern auf eine für heute regelrecht ärmlich wirkende Szene in der Krippe. Der Kontrast könnte wohl nicht viel größer sein.

2020 ist diese Erinnerung aber nicht nur ein Widerspruch zur Lebenssituation der meisten Menschen in der westlichen Welt geworden, sondern auch ins Kreuzfeuer der um sich greifenden Ideologie. Die Krippe ist zur Provokation geworden, in vielfacher Hinsicht. Begnügte man sich noch bis vor kurzem einen Patchwork(un)sinn in die Heilige Familie hineinzuinterpretieren, war Josef doch „nur“ der Ziehvater des Gottessohnes, ist es heute nicht mehr allein die binäre Normalität von Vater-Mutter-Kind, an der sich die schöne neue Welt stört. Heute sind sich selbst auf evangelisch, wie katholischer Seite die Ideologen nicht deppert genug am menschlichen Geschlecht des Gottessohnes zu zweifeln. Das Gendersternchen hat Einzug gehalten. Man kann sich nicht entscheiden, ob dahinter allein ideologische Verblendung steht, oder eine erworbene Blindheit gegenüber der christlichen Botschaft. Eine Blindheit, die zur Angst geführt hat, Jesus sei nicht für alle Menschen, unabhängig biologischer oder erdachter Geschlechter, geboren und am Ende ans Kreuz geschlagen worden. Ein Gendersternchen am Jesuskind ist auch ein Mahnmal für die verlorene Glaubensstärke aufgrund eines nicht mehr vorhandenen Glaubenswissen. Und darum ist es leider mehr als nur ein Schwachsinn zeitgeisthöriger Verbandschristen, sondern ein Menetekel an der Wand, ein Vorzeichen dafür, dass die Zeiten für glaubenstreue Christen noch härter werden dürften.

Das mag für Christen keine beruhigende Weihnachtsbotschaft sein, aber sie ist erwartbar gewesen. Mir kommt bei diesen Gelegenheiten immer der Roman Der letzte Feind des Schweizer Autoren Giuseppe Gracia in Erinnerung, in dem er einen Terroranschlag auf ein Konzil im Vatikan beschreibt, dem ein Großteil der Kardinäle, konservative, wie progressive, zum Opfer fallen. Nur der Papst überlebt den Anschlag und in den folgenden Monaten stellt seine Umgebung fest, dass in ihm Zuversicht und Mut wächst. Man ist irritiert, weil man eigentlich Trauer und Depression erwarten würde. Aber der Papst hat die ungewollte Botschaft der Hintermänner der atheistischen NGO verstanden. Die Gegner der Kirche haben mehr als so mancher in der Kirche selbst begriffen, dass das Christentum trotz all seiner inneren Schwächen und seiner von außen zugebrachten Niederlagen der letzte Feind ihrer schönen neuen Weltordnung geworden ist.

Die Botschaft des Christentums ist stark und sie widersteht den Anfeindungen dieser Welt, gleichgültig wie einflussreich es in ihr ist – oder wie stark es bekämpft wird. Zu allen Zeiten haben Christen den Anfeindungen der Gesellschaft, des Staates, selbst irrenden Kirchenfürsten standgehalten. Sie haben Strafen erduldet, sie sind gar in den Tod gegangen, weil sie auf die Botschaft vertraut haben, die mit einem kleinen Knaben mit lockigem Haar in diese Welt getreten haben. Und sie haben nie das Vertrauen darauf verloren, dass mit ihm die Rettung der Welt geboren wurde.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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