Menschliche Werkzeuge zur Verlängerung des Lebens: eine Art ewige Erinnerung.

Vor einigen Wochen stieg ich in Würzburg in der Nähe des Museums am Dom eine Treppe hinauf, und traf auf eine Figur aus Metall. Ein Mensch, mit Seilen gefesselt und unfähig sich zu bewegen, war sein Blick in den Himmel gerichtet. Gerade dieser Blick bewegte auch mich stark.

Ich konnte die Ohnmacht jener Bürger wahrnehmen, die, während sie in Nazi-Deutschland lebten, nicht Teil des Regimes von Adolf Hitler waren, und doch von Bomben der Alliierten getroffen wurden, Nationen, die zerstörten, ohne auf die Ideologie zu achten. Das war damals mein geistiger Eindruck. Die Szene am Ende der Treppe, meinen Spaziergang fortsetzend, an meiner Seite, zwischen diesen nachdenklichen Augenblicken, mein Freund Arthur, der von allem berichtete. Die Geschichte Deutschlands, die kleinen Details, die von den Geschichtsbüchern nicht erzählt werden, diese Anekdoten darüber, dass er ein Sohn und Bewohner dieses Landes ist. Wie könnte ich ihm nicht zuhören, wenn dieses Thema, das mehr als eine halbe Welt überspannt hat und mit ihm Hunderte von Geschichten brachte, voller Präzision, die von einem Leser und Beobachter erzählt werden.

In dem Moment, in dem ich innehielt, um mir die menschliche Gestalt anzusehen, erzählte er mir aber, wie die Glühbirne entstand, und wie zum ersten Mal der Ton aufgenommen und dann wieder ausgegeben wurde. Es ist all das, das mich dazu veranlasst hat, über die Machbarkeit der Auferstehung nachzudenken, die von den Christen in ihrer Schöpfungsgeschichte und der Rückkehr des Erlösers berichtet wird.

Ich sagte zu Arthur: Mein Freund, ich glaube in diesem Moment, dass die Auferstehung möglich ist, nicht nur in der Fantasie, sondern vielleicht durch die Wissenschaft. Er drehte sich um, und seine Augen sahen mich erwartungsvoll an, er musste wissen, was ich für Unsinn reden würde, – ich sage Unsinn, weil ich kein Mann der Religion und noch viel weniger der Wissenschaft bin, nur ein Individuum, das Informationen gegenüberstellt und eine reine Meinung preisgibt.

Er lud mich ein, am Würzburger Markt vorbeizugehen, und später betraten wir eine traditionelle Kneipe dieser Stadt, um ein Weizenbier zu trinken, Arthur bestellte sich ein großes Glas Apfelmost. Wie wir da so saßen, wiess ich daraufhin, wenn es möglich war die Energie der Stimme einzufangen, sei eine Wiederauferstehung, so wie die Christen sie anstreben, in ferner Zukunft durchaus möglich. Tatsächlich gibt es einen Satz von Carl Sagan, an den ich mich sehr gut erinnere: „Die Vorstellungskraft wird uns oft in Welten führen, die es nie geben wird. Aber ohne sie werden wir nirgendwo hingehen.“ Arthur nahm einen Schluck von seinem Apfelmost, sah sich um und sagte: „Interessant, erzähl mir ein wenig mehr.“

Nun, Arthur, die Idee ist folgende: Im Laufe der Menschheitsgeschichte, zumindest durch die Geschichtsschreibung, die vor dem Brand der Bibliothek von Alexandria gerettet wurde, ist es dem Menschen gelungen, bei der Kontrolle der Natur immer weiter voranzukommen. Heute wissen wir zum Beispiel, dass die Befruchtung einer Eizelle eine Vielzahl von Zellen erzeugt, die zur Bildung eines Menschen führen. Wir wissen auch, dass das Genom, das alle Merkmale dieses Lebewesens enthält, noch weit tiefgründiger ist; außerdem wissen wir, dass der menschliche Körper eine Zusammensetzung hat, die mit dem Periodensystem der Elemente verglichen wird. Diese Entdeckungen der Wissenschaft basieren, wie du weißt, auf handfesten Beweisen. Im Gegensatz zur Metaphysik, die über das Physische, das Greifbare, das Reale, die Entdeckung des Seins aus sich selbst und seiner Umgebung hinausgeht – die Philosophie. Wissenschaft basiert auf dem Vorangegangen, das letztendlich wesentlich ist, aber immer noch keine Grundlage für das hat, was ich zu erklären versuche, die Möglichkeit der Auferstehung aus wissenschaftlicher Sicht und nicht magisch, wie es Christen erzählen.

Wenn wir – theoretisch – aus Elementen bestehen, die sich alle auf der Erde befinden, können wir sagen, dass wir zyklisch wiederherstellbar sind, solange die Elemente die Erde nicht verlassen. Es ist so, wie mit dem Wasser, es nimmt verschiedene Zustände an. Es ist festes Eis, wird flüssig und geht schließlich in Gas über. Es hört jedoch nicht auf, Wasser zu sein. Alles innerhalb dieser, nennen wir es irdische Blase, ist wiederherstellbar, nichts geht verloren, alles durchläuft eine Transformation. Es ist auffallend, wie der Mensch in der Lage ist, die Elemente, die auf dem Planeten eingesetzt werden, zu transformieren. Um ein Beispiel zu nehmen, Glas ist Sand, im Sand finden wir Gold, Eisen und andere Metalle, um Gold zu finden, verwendet der Mensch ein anderes Element des Periodensystems, bekannt als Quecksilber. Vor einigen Jahren gab es den dokumentierten Fall des Klonschafs Dolly, dessen DNA derjenigen seines Vorfahrens entsprach, oder zumindest aus einer identischen Zelle entstand. Und jetzt lass mich noch etwas anderes erzählen. Religionen berichten von dem Vorhandensein der Seele, das Immaterielle, es ist ein Art Energie, nicht zu sehen, aber da, wie das Licht einer Glühbirne.

Ich lachte ein wenig, weil diese Analogie nicht ausreicht – Arthur rief den Kellner und bestellte um eine weitere Runde Bier, diesmal begleitet von einer Currywurst mit Schwarzbrot. Draußen schlug das Wetter um, ich sah, dass es kälter wurde, weil das Fensterglas in seinem Holzrahmen langsam undurchsichtiger wurde und ich in der Ferne verzerrte Lichter und den einen oder anderen Schatten sehen, der über das Glas huschte.

Arthur sagte: Wir haben schon ein paar Biere getrunken, ich hoffe, wir kommen rechtzeitig zum Bahnhof, um den Zug nach Frankfurt zu nehmen, Martha (Arthurs Frau) wartet auf uns, aber ich möchte das Ende deiner Pseudotheorie kennen, die als Katholik meine Aufmerksamkeit erregt.

Keine Sorge, wir sind fast am Ende.

Also, mein Freund, was ist, wenn es möglich ist, sich vorzustellen, dass das, was in Staub umgewandelt wurde, in Feststoff umgewandelt werden kann, und die Essenz, die in dieses Wesen injiziert wird, so etwas ist, wie das Sammeln in der irdischen Blase jedes Energiecodes. Erinnere dich, dass nichts verschwindet, alles verwandelt wird. Es ist kein verrückter Gedanke, denn vor hundert Jahren war es noch undenkbar, Bild mit Ton in kleinen Kunststoffzellen, wie z.B. Handys, festzuhalten. Wenn wir heute diese Computer sehen, die Bilder in Echtzeit und asynchron reproduzieren, sehen wir sie natürlich, und wir erinnern uns nicht einmal daran, was es vor 100 Jahren noch unmöglich war. Ich erinnere mich in diesem Moment an einen Autor, den Schriftsteller Jules Verne, der im Jahr 1828 geboren und 1905 gestorben ist und der in Erzählungen viele Erfindungen vorausgesagt hat, die wir heute verwenden, und die damals wirkten, als seien sie an den Haaren herbeigezogen. Mit anderen Worten, unmöglich. Ganz ähnlich ist es mit den Filmen, die im Kino, Fernsehen oder im Internet zu sehen sind. Ich erwähne eine von Netflix‘ neueste Produktion „Alternate Carbon“. Es ist diese Science-Fiction-Reihe, die uns auf die nächste Ebene führt und, wie Verne, die Möglichkeit des Austauschs von Körpern voraussagt, wenn diese beschädigt oder gealtert sin, als Beweis für die Chance, ewig zu leben, unter der einzigen Bedingung, die Erinnerung an der Person müssen in einer Art Chip gespeichert sein. Man tauscht also nur die Hülle aus, die Essenz des Menschen bleibt in diesem Chip erhalten. In meiner Pseudotheorie, wie du Arthur sie nennst, gibt es keinen Chip. Denn wenn wir Elemente des Periodensystems sind und wir die individuelle Energie sehen, könnte die Essenz Seele genannt und gefunden werden. Ich weiß nicht, ob Lichtjahre in der Zukunft, diese Partikel wieder zusammenkommen und in einen Körper zurückwandelt werden – und sie dann in Essenz, Seele oder Energie zurückkehren.

In der Kneipe wurde es ruhig. Arthur zahlte die Rechnung, nahm seinen Mantel und wir eilten hinaus zum Bahnhof. Wir erreichten noch unseren Zug, trafen später Martha in Frankfurt. Sie sah mich an, lächelte und fragte, was mit mir passiert sei, ich sehe so traurig aus. Ich stimmte ihr zu, und fragte, was sie von dem Satz „Wissenschaft ist nicht nur mit Spiritualität vereinbar, sie ist eine tiefe Quelle der Spiritualität“ halte? Er ist von Carl Sagan …