Editorial – Heimat

Im Deutschen wird ganz klar zwischen Vaterland, Heim und Heimat unterschieden.

Das Vaterland ist, wie der Name sagt, das Land der Väter; ursprünglich war damit das zu bebauende Land gemeint, welches dem Vater gehörte, später wurde es als Übersetzung des lateinischen Wortes patria benutzt und so bekam es die Bedeutung, die das lateinische Wort umfasst. Patria wiederum entsteht aus dem Adjektiv patrius-a-um, was von den Vätern stammend, väterlich oder des Vaters bedeutet. Das Heim kann sich im Vaterland befinden, aber auch ganz woanders. Das Heim ist das Haus, praktisch das Dach unter dem man wohnt, wo das eigenen Bett steht und dessen Herd man nutzt. Heim ist ein germanisches Wort und bedeutet Wohnort, oder Wohnplatz.

Heimat jedoch, das ist ein ganz eigenes Konzept, das gar nicht so alt ist. Noch die Gebrüder Grimm schrieben in ihrem Deutschen Wörterbuch, dass Heimat drei Arten der Benutzung habe: Als Bezeichnung für das Land, in dem man geboren ist, um den ständigen Wohnsitz zu bennenen und um auf das elterliche Haus und Besitztum zu verweisen. In der Rechtssprache wurde der Begriff Heimat noch um 1900 als Gemeindeangehörigkeit definiert. Doch Heimat ist heute wesentlich mehr. Heimat bezeichnet einen Ort zu einer bestimmten Zeit, in der eine bestimmte sozio-kulturelle Entwicklung stattfand, zu der man sich zugehörig fühlt. Heimat kann also für einige einen Ort bedeuten, den sie bloß wenige Augenblicke, Minuten, Tage erlebten, andere bezeichnen mit diesem Wort einen großen Landstrich, dem sie sich ihr ganzes Leben lang verbunden fühlen, weil sie dessen Traditionen und Kultur ausüben. Manchmal ohne jemals dort gewohnt zu haben.

In unserer heutigen globalisierten Welt, in der Genzen überwunden werden und Entfernungen schrumpfen, vergessen wir oft, dass unsere Welt aus einem Konglomerat aus mehr als sieben Milliarden Heimaten besteht. Jeder Mensch definiert Heimat anders, es mag für manche ein Geruch sein, ein Lied, ein Essen, mancher definiert Heimat über den Anblick eines Berges, oder den von frisch gebackenen Waffeln der Großmutter. Oder Heimat ist das einzig bekannte und alles andere das große Unbekannte.

DenkZeit verschreibt sich in diesem Monat der Erkundung dieser vielen verschiedenen Facetten von Heimatsorten, wir spähen in die Herzen unserer Autoren und erkunden deren Kindheitserinnerungen, elterliche Häuser und Farmen, und versuchen mit denen zu fühlen, die ihre Heimat verloren haben. Wir kochen und schmecken, wir reisen und spüren, wir tauchen ein in uns fremde Heimaten anderer.

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