Ein Substantiv das jeden betrifft. Entziehen können wir uns der Verantwortung, aber das bleibt nicht ohne Folgen. Es ist ein Begriff, dem keiner entkommt.

Täglich werden wir damit konfrontiert. Sei es in direkter Form bei uns selbst, im Tagesablauf, oder bei anderen Menschen, mit denen wir ständig zu tun haben.

Dabei scheint es erwiesen, dass Handlungen, die den Sinn der Verantwortung ausmachen und sich an Normen und Wertung der Ethik orientieren, überwiegend mehr kritisiert werden beim nächsten, als bei sich selbst. Will heißen, dass wir – wie so oft – zwar über die Verantwortungsweise der Mitmenschen urteilen, aber wenn es uns persönlich betrifft, haben wir schnell eine Ausrede parat. Und so wird die Verantwortung zur Schuldzuweisung an die anderen. Und damit sind wir auf dem Sprung, indem wir jede Verantwortung sofort von uns weisen.

Die Ausrede: „Sie ist etwas“, so sagte mir einmal ein Freund, „die jeder bei sich trägt und nicht vermag sich von ihr trennen“. Als ich ihn fragte, was es denn sei, dass wir alle mit uns tragen? antwortete er mir: “Ein Arschloch. Es ist angeboren. Das hat jeder von uns. Sich davon trennen geht auch nicht. Ausreden sind die Arschlöcher der Rechtfertigung. Ein jeder hat etwas parat, womit er sich der Verantwortung entzieht. Das er aber damit Dünnschiss von sich gibt, wird ausgeblendet. Man zieht es vor, den anderen zu verdummen, solange man sich selbst einreden kann aus dem Schneider zu sein. Das ist Verantwortungslosigkeit und sie wird millionenfach praktiziert. Ich wette mit dir, wenn du mir deinen Tagesablauf im Berufsleben schilderst, dann kann ich dir sagen, wie oft du mit verantwortungslosen Menschen zu tun hast.“

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Und tatsächlich mache ich ständig die Erfahrung das keine Verantwortung übernommen wird. Lassen Sie mir ein Beispiel geben, das mich besonders ärgert:

Kürzlich wird meine Frau am Flughafen El Dorado, in Bogota, von einem Lufthansamitarbeiter gefragt, ob sie bereit wäre ihren Flug um einen Tag zu verschieben auf Kosten der Lufthansa, einschließlich dem Angebot einer Kompensation von € 600, – in bar, sowie die Kosten der Übernachtung mit Frühstück. Die Airline hatte ein Problem gravierender Überbuchungen. Meine Frau willigt ein, sie kommt auf eine Warteliste und nach fast 2 Stunden erhält sie die Nachricht, das Angebot habe sich erledigt, sie könne ihren normalen Flug nehmen und ins Flugzeug gehen, es wäre bereit zum Start. Etwas enttäuscht geht meine Frau zum Flugzeug und wird dort in die allerletzte Sitzbank gepfercht, weil der reservierte Sitzplatz, den wir für €50,- extra erworben haben besetzt ist. Proteste laufen ins Leere, sie muss nun 11 Stunden lang unbequem im Flug verbringen, obwohl sie für einen besseren Platz bezahlt hat.

Verantwortung! Wer übernimmt die jetzt? Im Flugzeug hat sie absolut niemand übernommen. Stewards und Chief Purser auf diesem Flug haben jede Verantwortung von sich gewiesen. Man solle in Frankfurt reklamieren hieß es.

Dort habe ich meine Frau empfangen und bin als erstes sofort zum Kundenbetreuungsschalter der Lufthansa gegangen. Da ging dasselbe Spiel weiter. Eine Mitarbeiterin hat mich an die zweite verwiesen, die hat mich angehört, mit unglaubwürdigen Blicken gemustert und an den Kollegen weitergegeben. Der hat mir einen Zettel in die Hand gedrückt mit einer URL (noch nicht mal mit einer mail Adresse) und wieder weggeschickt. Zuhause angekommen, habe ich sage und schreibe 2 Stunden lang im Internet nach einer Verbundsstelle für Reklamationen geschaut, die von einem lebenden Menschen betreut werden. Null Resultat. Am Ende habe ich eine LH-Seite gefunden, die ein vorgedrucktes Formular mit automatischer Zustellung anbot. Diese Chance habe ich genutzt und alles genau ausgefüllt. Das ist 4 Wochen her. Bisher kam noch nicht einmal die Bestätigung dafür, dass die E-Mail bei Lufthansa eingegangen ist.

Verantwortung einer Milliardenschweren Firma die den Ruf genießt, die beste der Welt zu sein…?

Ja es ist wahr, was mein Freund gesagt hat. Sei es in den fast 100 Hotels die ich im Laufe eines Jahres berufsbedingt besuche, in den vielen Restaurants, in die ich mit meinen Gästen einkehre, in den Museen, Attraktionen und Festhallen, den öffentlichen Transportmitteln, wo auch immer ich mich in meinem Beruf befinde und mit Menschen zu tun habe, gibt es Ärger. Kaum jemand ist heute noch geschult genug, um mit diesem Ärger umzugehen. Das einfachste Mittel sich Ärger vom Hals zu halten, ist die Schuldzuweisung. Es ist die schnellste Lösung, die Verantwortung von sich zu weisen. Es ist der Splitter im Auge des anderen, das uns missfällt, während wir den Balken im eigene Auge nicht sehen wollen.

Ihre könnt gespannt sein liebe DenkZeit Freunde, auf die Artikel unserer Autoren zu diesem Schwerpunktthema.

Schöne Grüße und einen guten Start in den Monat Mai.
Arthur Pahl

Arthur Pahl

Arthur Pahl wurde in Gladbeck/Westfalen geboren und wuchs in Würzburg auf. Nach einer Ausbildung im Hotelfach, absolvierte er ein Praktikum in der Schweizer Nobelgastronomie, arbeitete als Steward auf einem Ozeandampfer, lebte in den USA, Kolumbien, Kanada und Brasilien, war abwechselnd Reisbauer, Smaragdhändler, Taxifahrer, Grabsteinverkäufer und Börsenmakler, bevor es ihm gelang in Deutschland einen halbwegs sicheren Hafen anzusteuern, von dem aus er seither als Reiseleiter für internationale Reisegruppengruppen tätig ist. Arthurs Lebensmotto ist: „Schreiben ist Leben – lesen ist Leben verstehen.
Arthur Pahl