Im Alter von 13 Jahren wurde mir gesagt, dass ich nie Kinder bekommen würde. Meine Periode war nur unregelmäßig, ich schien hormonelle Probleme zu haben, also hatte man mich schließlich zu einem Arzt gebracht. Nach einer Reihe von Tests wurde mir gesagt, dass ich nie Mutter werden würde. Ich erinnere mich genau, dass der Arzt, der übrigens eine Frau war, mir sehr nonchalant sagte: „Es ist einfach nicht in den Karten für dich, Schatz.“

Damals fühlte ich mich nicht wirklich davon betroffen, wahrscheinlich weil ich zu jung war, um die Bedeutung wirklich zu begreifen, und meine Mutter sah auch nicht so aus, als wäre sie sehr davon getroffen. So blieb es dann auch, bis meine späten Teenagertage kamen und schließlich meine Jahre an der Uni, damals, als ich anfing mir über meine Zukunft Gedanken zu machen.

Im Alter von 13 Jahren wurde mir gesagt, dass ich nie Kinder bekommen würde.

Allie Barrera

Als ich mich im zarten Alter von 21 Jahren dem Ende meines Studiums näherte, beschloss ich, dass ich, da Kinder nicht in meiner Zukunft waren, eine Weltreisende werden würde. Mit europäischen Eltern, einem Vater, der in Deutschland lebte, verbrachte ich über die Hälfte meines Lebens in Übersee. Ich beschloss, dass ich nach meinem Abschluss in Englisch alles, was ich besaß verkaufen und nach Italien ziehen würde, um dort Englisch als Zweitsprache zu unterrichten, und genau das habe ich dann auch getan. Aber ein Unfall mit einer Vespa beendete meinen Aufenthalt in Italien vorzeitig, ich kehrte nach Kalifornien zurück und lernte meinen Mann kennen. Mit 22 Jahren bekam ich meinen ersten Sohn, und 15 Monate später wurde mein zweiter Sohn geboren. Wir scherzten immer, dass ich die fruchtbarste unfruchtbare Frau war, die wir je getroffen hatten.


Aber mein drittes Kind, das 6 Jahre nach meinem ersten geboren wurde, ist noch mehr ein Wunder als die ersten beiden, und da sollte diese Geschichte eigentlich wirklich beginnen.

Am 7. Juli 2017 wurde Brady geboren. 7-7-17. Es war der gleiche Tag, an dem der Bagger ankam, um unseren Pool zu graben. Meine zwei älteren Jungs und ich saßen im Wohnzimmer, und mit meinem dicken Bauch, saß ich da und beobachtete, wie der Bagger tiefer und tiefer in die Erde grub und erwartete all den Spaß, den wir haben würden, wenn der Pool erst fertig wäre. Und plötzlich merkte ich, dass ich das Baby an diesem Tag noch gar nicht gespürt hatte. Ich habe schon immer zu viel nachgedacht, also ging ich in den Badezimmerschrank und schnappte mir den Fetal-Doppler, mit dem man den Herzschlag eines ungeborenen Kindes abhören kann. Ich hatte ihn damals immer griffbereit.

Ich hielt das Gerät wie einen Zauberstab gegen meinen Bauch und suchte und suchte nach einem Herzschlag. Ich fand nichts. Ich versuchte mich erst einmal zu beruhigen, um zu entscheiden, was ich jetzt tun sollte. Und in diesem Augenblick bekam ich den Schupps in die Richtung, die mein Leben verändern und das meines Babys retten würde. Viele Leute haben die Intuition einer „Mutter“ schon kommentiert, aber die Stimme in meinem Kopf war so real, dass ich sie nicht einmal erklären konnte. Es war, als ob ich von einer Kraft außerhalb meiner selbst angesprochen wurde.  Die Stimme war so real, dass ich sie fast laut hören konnte.

Nachdem ich stundenlang im Krankenhaus gewesen war, entschied die Ärztin, dass sie einen Ultraschall machen wollte. Ich lag im Bett, als die Ultraschalltechnikerin, eine großmütterlich aussehende Frau mit einem sehr freundlichen Gesicht und einer fast niedlich wirkenden Aura, ihre Maschine nach getaner Arbeit wieder einrollte. Als Krankenschwester weiß ich, dass diese Art von Tests von einem Arzt interpretiert werden muss, bevor mit dem Patienten gesprochen wird. Aber ich stelle immer zu viele Fragen, als wollte ich es auch von ihr sofort wissen, was das Ultraschall ergeben hatte. Nachdem sie mir mehrmals gesagt hatte: „Es tut mir leid, Schatz, aber das kann ich dir nicht sagen“, hielt sie schließlich inne und fragte sehr ruhig: „Wer ist heute bei dir, Schatz?“ Ich sagte ihr niemand. Ich sei doch nur als Vorsichtsmaßnahme hier und eigentlich sei doch alles in Ordnung. Sie sah mich an und sagte sehr liebevoll: „Ich würde jemanden anrufen.“ In diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, mein Herz würde stehenbleiben.

Ich stand auf, um auf die Toilette zu gehen, draußen konnte ich sehen, wie mehrere Krankenschwestern mit der Ärztin zur Besprechung in ein Zimmer verschwanden. Als sie endlich zu mir kamen, eröffnete man mir, dass die Situation des Babys kritisch war und man sofort einen Kaiserschnitt machen wolle. Wir würden nicht lange warten können, weil sie sonst für nichts garantieren konnten. Also hatte ich nur noch Zeit, meinen Mann ins Krankenhaus zu rufen, während man um mein Bett herum schon die Operation vorbereitete. Sicher, ich hatte schon zwei Kinder, aber in diesem Augenblick hatte ich einfach nur Angst dieses hier zu verlieren. Sie fuhren mich zurück in die Notaufnahme und die Operation begann.

Ich erinnere mich an die hellen Lichter, die Übelkeit von den lähmenden Drogen, die sie dir geben, aber vor allem erinnere ich mich an die Angst. Ich hatte Angst um mein ungeborenes Kind. Ich wusste einfach zu viel. Plötzlich hörte ich die Ärztin rufen: „Wir haben einen echten Knoten.“ Da stockte mein Herz. Ich wusste, was das bedeutet. Wenn ein Arzt „Knoten“ sagte, informierte er die anderen im OP-Saal, dass sich die Nabelschnur verknotet hatte. Dann wussten die anderen, dass sie so schnell wie möglich alles für die Wiederbelebungsmaßnahmen für das Baby vorbereiten mussten. Und die Ärztin sagte es nochmal: „Wir haben einen echten Knoten“ und wieder „Wir haben drei echte Knoten!“ Plötzlich hörte ich Keuchen und „Oh, mein Gott „, als Krankenschwestern und Assistenten näher an den Operationstisch rückten, um zu sehen, wovon die Ärztin sprach. Ich wurde hysterisch. Ich konnte nur meinen Oberkörper bewegen. Ich reckte meinen Hals nach oben, um zu versuchen über den Vorhang zu sehen, aber ich sah mein Kind nicht.

Ich flehte Gott an, er würde mein Kind weinen lassen, nur ein Geräusch, irgendeines, wollte ich hören, um zu wissen, dass es ihm gut ging. Und dann hat er es getan. Er weinte. Er weinte laut und stark und es war der schönste Schrei, den ich je gehört hatte. Später erfuhr ich, dass er nicht nur drei Knoten in seiner Nabelschnur hatte, sondern dass sie sich auch zweimal um seinen Körper und um seinen Hals gewickelt hatte. Sein Leben, besonders das lebendige, gesunde, das es wurde, ist ein wahres Wunder.

Es gibt Zeiten als Mutter, in denen man überfordert ist. Mütter werden müde und manchmal gereizt, und es kann leicht sein, den monumentalen Segen aus den Augen zu verlieren, der ein anderes Leben ist. Ich bin nicht in einer traditionellen Familie aufgewachsen, obwohl ich mich verzweifelt danach sehnte. Ich wurde von einer alleinerziehenden Mutter in einer weniger als idealen Situation aufgezogen, so dass ich Familie immer durch eine dysfunktionale und oft sehr traurige Linse gesehen habe. An manchen Tagen sitze ich einfach da und beobachte meine Kinder. Ich sehe sie lächeln und spielen, und sich vor Lachen den Bauch halten, bis sie Tränen in den Augen haben – und dann erfüllt die Freude in ihren Gesichtern meine Seele. Ich sehe sie mit ihrem Vater spielen, was ich nie tun konnte. Ich sehe sie live, in echt. Das Wunder ihrer Existenz geht mir nicht verloren, und ich bin ihnen jeden Tag dankbar. Sie sind meine Liebe. Sie sind meine Wahrheit. Sie sind meine Familie.

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