Filmkritik: The Grand Budapest (USA 2014)

Einst eröffnete „The Grand Budapest Hotel“ die Berlinale, das war in besseren Zeiten. Sehenswert ist der Film auch heute noch.

Regisseur Wes Anderson ist in den letzten Jahren etwas gelungen, wofür sonst eigentlich nur Woody Allen bekannt ist: Seine Filme sind bis in die kleinste Nebenrolle mit Stars besetzt. In The Grand Budapest Hotel zeigt sich das etwa darin, das selbst Bill Murray, sonst, auch in Anderson-Filmen, immer für die Hauptrolle gut, hier nur in einer kleinen Nebenrolle als Portier eines anderen First-Class-Hotels zu sehen ist.

Da braucht es schon einen Ralph Fienes in der Hauptrolle, um nicht unterzugehen. Und Fienes kann durchaus glänzen, in der Rolle des Gustave H., dem Portier des Grand Budapest Hotels, dem die – bevorzugt ziemlich alten – Damen zu Füßen liegen. Man käme allerdings nicht der üblichen Vielschichtigkeit eines Wes Anderson Films gerecht, wäre es einfach dieses Figur, deren Geschichte erzählt wird. Stattdessen ist es die Geschichte des Millionärs Mr. Mostafa (F. Murray Abraham) die erzählt wird, als er noch Zero (Tony Revolori), der Lobby Boy des Grand Budapest war. Der wiederrum erzählt allerdings dem Autor (Jude Law) seine Erlebnisse gut 30 Jahre später, die wiederrum mehr oder weniger in der Jetzt-Zeit in einem Buch an einem Denkmal des Autors gelesen werden. Soweit, so verwirrend. Anderson unterstützt das alles, in dem er ein ganzes Land erfindet, in dem die Szenerie spielt. In einer Zeit, die wirkt wie eine Kombination aus dem Vorfeld des 1. Weltkrieges, den 1920ern und dem beginnenden 2. Weltkrieg. Das alles tut er mit so viel Liebe zu den skurrilsten Details, dass man The Grand Budapest Hotel schon allein deshalb das ein oder andere Mal mehr ansehen möchte.

Dabei ist die Grundstory an sich recht einfach. Portier Gustave H. bändelt gerne mit den älteren Damen unter seinen Gästen an, bis eine von ihnen – nicht in der Rolle zu erkennen: Tilda Swinton – ermordet wird. Sie hinterlässt ihm ein Gemälde, was den guten Gustave H. auf der Liste der Verdächtigen ganz nach oben befördert. Er landet auch prompt im Gefängnis, wo er allerdings, trotz all seiner Affektiertheit und Liebe zur Poesie, erstaunlich gut zurecht kommt. Und im mit seinen neuen Freunden sogar der Ausbruch gelingt. Und schon nimmt die Jagd nach dem wahren Täter Fahrt auf …

Wer nun allerdings glaubt es handle sich bei The Grand Budapest Hotel lediglich um eine rasante Komödie, kennt Wes Anderson allerdings schlecht. Der Film hat die Anderson eigene Melancholie, und dass das Happy End nicht allzu nachhaltig ist, kann sich der Zuschauer schon zu Anfang zusammenreimen, sieht er den einsamen Mr. Moustafa seine Geschichte in dem großen, leeren Speisesaal des Hotels erzählen.