Filmkritk: Der Grinch (USA 2000)

Filmkritk: Der Grinch (USA 2000)

Der Grinch mit Jim Carrey gehört für viele inzwischen ebenfalls fest zum Weihnachtsprogramm. Doch auch zurecht?

Es gibt Dinge, die, weiß man sie erst einmal, einem bei bestimmten Filmen immer in den Sinn kommen. Und jedes Mal wenn ich Der Grinch sehe, fällt mir auf wie wenig Jim Carrey sich über all die Jahre verändert hat. Also mal abgesehen davon, dass er nicht in jedem Film ein grünes Zottelfell trägt. Wer allerdings die kleine Taylor Momsen als Cindy Lou heute kennt, sieht doch eine kleine Veränderung. Aus dem kleinen süßen Mädchen wurde erst ein Gossip Girl und schließlich die Frontsängerin der Rockband The Pretty Reckless.

Kaum wieder zu erkennen, nicht wahr …


Die Geschichte um den Weihnachten hassenden Grinch ist fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur, war hierzulande allerdings bis 2000 eher weniger bekannt. Und auch wenn sich Regisseur Ron Howard erfolgreich darum bemühte die Atmosphäre des Comics und des Zeichentrickklassikers einzufangen, funktioniert die Geschichte an sich auch ohne große Vorkenntnisse. Der Grinch ist weniger de Geschichte eines Weihnachten hassenden Sonderlings, als die Frage was Weihnachten eigentlich bedeutet.

Auf einer Metaebene entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass beinahe jährlich ausgerechnet ein Hollywoodfilm die Frage nach der wahren Bedeutung von Weihnachten aufwirft, um zu dem Schluss zu kommen, dass dieser Sinn doch die Familie, die Gemeinschaft ist, und nicht der hemmungslose Konsum.

Ein weihnachtlicher Konsum, der in Whoville in seinem ganzen Wahnsinn ausgebrochen ist. Denn das der Weihnachtsmann auch nach Whoville die Geschenke bringt, hindert die Bürger nicht daran selbst Geschenke scheinbar gleich im Dutzend zu kaufen. Man ist so weihnachtsverrückt, dass die Rathausuhr nicht die 24 Tage bis Weihnachten misst, sondern gleich die Stunden herunterzählt. Whoville erscheint einem Besucher mit seinem ganzen Zuckerguss wie die riesige Weihnachtsabteilung eines Kaufhauses, das niemals schließt.

Ein wenig kann man den Grinch natürlich dann auch verstehen, ist er doch weit weg von diesem ganzen Wahn. Das heißt, so weit auch wieder nicht. Denn als er vom Bürgermeister von Whoville gedemütigt ist, hält er den Bewohnern in einem Wutanfall den Spiegel vor. Er könne sich, so der Grinch, an all den hässlichen Weihnachtskrawatten aufhängen. Denn wie der gesamte Müll der Stadt, landen auch die verkonsumierten Weihnachtsgeschenke auf der großen Müllhalde hinter seiner Hölle.

Und wäre da nicht die kleine Cindy Lou, niemand in Whoville würde sich die Frage stellen, ob der Grinch mit seinem Vorwurf nicht Recht hat.

Sicher alles in allem ist der Film, auch dank seiner Nähe zum Comic, für manche ein wenig zu bunt geraten. Aber am Ende ist er doch ein gelungener Unterhaltungsfilm. Auch dank eines Jim Carrey, der treffsichere Pointen liefert und dem Grinch, der sich am Ende doch wie alle Außenseiter danach sehnt in die Gesellschaft aufgenommen, angenommen und akzeptiert zu werden, trotz aller oscarprämierten Masken ein menschliches Gesicht gibt.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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