Wenn ich an dich denke, platzt eine Blase Kolibris in meinem Atem, gefiederte Galaxie aus Schillern und Lächeln. Du bist ganz Babel und jede Sprache, tot wie lebendig, spricht von deinen Augen und dieser libellenhaften Eindringlichkeit: inbrünstiger Blick im Kelch des zunehmenden Mondes. Du bist flatterhaft und ich habe keine Zweifel an deiner Fähigkeit, auf Wasser zu wandeln. Du bist es, die Engelsflügel mit Magie bestäubt, damit sie zurück in die unendlichen Höhen des Himmels fliegen. Du nährst mich mit Magie und erst durch dich werde ich großmütig.

Deine Haut ist zarter als der Hauch eines Gebets und deine Anmut das Wunderwerk eines Drachenweibs mit flammendem Herzen. Wenn du gehst, erheben sich die Steine und beugen sich dem Staub deiner nahenden Schritte. Und wollte ich von deiner Zartheit sprechen, liefe ich Gefahr, in Seufzern zu zerfließen und zu verschwinden; aber ich kann sagen, du spürst und lebst das Mark jedes Wortes und die Seele erzittert dir, aus deinem Inneren steigt eine Klarheit auf, die jedes Härchen deines Körpers sträubt und deine Augen werden göttlich wie zwei Mandalas, in denen Shiva und Agni Zeremonien abhalten und so erblühen die Riten in Sinn.

Und deine Lippen, gegossen aus Edelstein, röten sich im Schmelztiegel unter einer jahrtausendealten Prophezeiung und da erzittert die Erde ihre Gedichte, und das ist nichts anderes als der Weg, den sich die Kolibris am Tage bahnen, um die ganze Nacht für dich zu zwitschern.

Du bist rätselhaft, fast unaussprechlich, denn dein Name wird mit reinem Herzen gesagt, denn spricht man dich aus, entstehen unweigerlich prächtige, mit Träumen geschwängerte Blumen.

Du bist ein Mädchen aus tausend Ewigkeiten und verstehst es, dir Sonne und Mond zu Füßen zu legen, nicht zum Spielen, sondern um sie zu behüten. Du bist mein Tempel, mein Orient und Okzident, mein Nord und Süd, mein Zenit und mein Nadir. Und alle Sprachen Babylons, tote wie lebendige Sprachen Babels, reichen nicht, um alles zu beschreiben, was geschieht, wenn ich an dich denke.


Jorge Contreras Herrera
Ist Autor, Dichter und Essayist sowie als Herausgeber, in der Leseförderung und im Kulturmanagement tätig. Er leitet das Kollektiv Los Ablucionistas A.C. Salud y Felicidad a través del Arte y la Cultura, das interantioanle Poesiefestival Ignacio Rodríguez Galván sowie das Internationale Poesiefestival José María Heredia. Er hat die Anthologie Tributo a Sabines: he aquí que estamos todos reunidos zusammengestellt. Von ihm erschienen die Gedichtbände Inventario de caricias, ¿Quién soy otro sino tú?, Poemas del candor, Otro que fui und El espejo adecuado. Außerdem erschienen Texte von ihm in Zeitschriften wie Círculo de Poesía (Mexiko), La Raíz Invertida (Kolumbien), Electrón Libre (Marokko), Taqafat (Jordanien) sowie in La Revista de la Universidad de México. Seine Gedichte wurden ins Arabische, Italienische, Portugiesische und ins Englische übersetzt. Er war Juror für einige Literaturpreise wie den Premio Estatal de Poesía de Tabasco José Carlos Becerra, den Premio Nacional de Poesía Joven Josué Mirlo und den Premio Nacional de Literatura, der durch das Staatsinstitut für Sicherheit und Sozialsicherung der Arbeiter (Isste) 2016 ausgelobt wurde. Bei der 29. Feria Universitaria del Libro an der Universidad Autónoma del Estado de Hidalgo (UAEH) wurde er mit dem Universitätspreis zur Leseförderung Reconocimiento Universitario al Fomento de la Lectura Profesor Rafael Cravioto Muñoz ausgezeichnet.

Die DenkZeit-Redaktion dankt Christiane Quandt, die für uns die Übersetzung der Gedichte von Jorge Contreras Herrera geschrieben hat.

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