Kritik: Edison – Ein Leben voller Licht (2017)

Auch ein Benedict Cumberbatch kann mal einen mittelmäßigen Film machen, „Edison – Ein Leben voller Licht“ ist ein solcher Film.

Wo beginnt man mit einer kritischen Rezension am besten? Vielleicht am Anfang, oder in diesem Fall beim deutschen Titel. Statt ihn halbwegs treu zu übersetzen, etwa „Der Stromkrieg“, wählte man den Fokus auf Thomas Alva Edison, als wäre der Film ein Biopic über jenen legendären amerikanischen Erfinder. Vielleicht hat der Kopf hinter dieser Idee auch nur die ersten fünf Minuten des Films gesehen, die tatsächlich eher wie ein klassisches Biopic starten. Doch schon kurz darauf tritt der zweite Hauptprotagonist auf, George Westinghouse (Michael Shannon), den Edison (Benedict Cumberbatch) einfach am Bahnhof stehen lässt, weil er keine Lust auf das gemeinsame Geschäftsessen hat.

Edison – Ein Leben voller Licht stellt eine Episode im Leben jenes Mannes in den Mittelpunkt, der nicht nur für Amerikaner zum Prototypen des Erfinders wurde, in der Edison ausgerechnet den Kürzeren zog. Mit Recht übrigens, sonst könnte ich heute weder diese Kritik am Laptop schreiben, noch Du sie lesen. Der Film führt uns zurück in eine Zeit, in der Strom zum ersten Mal nutzbar gemacht wurde. Doch während Edison auf Gleichstrom setzte, setzte Westinghouse auf Wechselstrom. Edisons Methode hatte es schwer, zumindest dann, wenn man nicht jede Meile ein Stromkraftwerk bauen wollte. Dennoch hält Edison verbissen an seiner Lösung fest und liefert sich einen unerbittlichen Wettstreit mit Westinghouse darum, wer Amerikas Städte erleuchtet. Schließlich gipfelt alles in einen finalen Wettbewerb darum, wer den Strom für die Weltausstellung in Chicago liefern darf.

Wo bleibt das Positive?

Positiv an dem Film dürfte sein, dass er tatsächlich zwei Widersacher zeigt und die Aufmerksamkeit gleichmäßig auf beide verteilt. Dabei kommt freilich ein Dritter zu kurz, ohne den die Geschichte ebenfalls anders verlaufen wäre: Nikola Tesla (Nicholas Hoult) Erst Teslas Erfindungsgeist machte es möglich Wechselstrom nicht nur für Glühbirnen nutzbar zu machen, sondern auch für andere Maschinen. Damit dürfte er zu jenen Geistern der Menschheitsgeschichte gehören, die einen zentralen Punkt einnehmen, ohne den alles, aber auch wirklich alles anders verlaufen wäre. Hoult spielt den Immigranten aus Europa in seiner ganzen Spleenigkeit, und setzt damit wohl auch den schauspielerischen Höhepunkt von Edison – Ein Leben voller Licht. Michael Shannon steckt dahinter zurück, und Benedict Cumberbatch sieht man durchaus an, dass es sich dabei wohl nicht um eines seiner Lieblingsprojekte gehandelt hat. Sein Edison wirkt ständig genervt, von sich, der Welt, überhaupt von allem. Leben kann er der Figur auf diese Weise aber kaum einhauchen.

Handwerklich macht der Film einiges gut. So zeigt er etwa die Szene, in der Edison erstmals einen Stadtteil von New York erleuchtet, nicht direkt, sondern aus dem Blickwinkel des gerade in der Stadt angekommenen Tesla. Der sieht staunend, wie noch die Ausläufer des Lichtes durch die Hochhäuser drängen, als Vorbote einer neuen Zeit, deren Teil er werden wird. Überhaupt kann der Film mit einigen opulenten Bildern aufwarten, allein besteht das gleiche Problem wie mit Cumberbatch, handwerklich in Ordnung, aber ohne Lebendigkeit zur Folge zu haben. Am Ende kann man fast dankbar sein, dass der Film nicht allzu lange geraten ist, er also zumindest auch als leicht verdaulich bezeichnet werden kann.

Bewertung: 2 von 5