Hört man in das von der Musikwelt lange erwartete 8. Studioalbum von Pink hinein, dann ist es irgendwie anders – aber trotzdem ziemlich gut.

Es ist schon eine Ewigkeit her, noch zu meinen Studienzeiten, kam einmal das Gespräch darauf, wer aktuell ein gutes Album rausgebracht hatte. Zusammen mit einem Freund votierte ich für Pink. „Try This“ war quasi frisch herausgekommen, ihr geniales Album „M!ssundaztood“ noch keine drei Jahre alt. Ein Dritter in der Runde gab ein abwertendes Geräusch von sich, das sich eher auf die Optik, als die musikalischen Qualitäten von Pink bezog. Wir haben nie wieder mit ihm über Musik geredet.

Pink war schon immer anders. Keine Disney-Entdeckung wie Britney Spears oder Christina Aguilera, die damals groß im Geschäft waren. Und sie stammt auch nicht aus guten Verhältnissen wie Billie Elish, schon gar nicht aus reichem Hause wie eine Taylor Swift, die heute gut im Geschäft sind. In „M!ssundaztood“ kann das heute noch jeder nachhören, schonungslos offen berichtet sie in den Songs von einer Jugend voll Ärger und Drogen, und der Notwendigkeit die Kurve erst einmal zu kriegen.

Das hat Pink heute offensichtlich geschafft, trotz des Titels „Hurts 2B Human“ klingt das neue Album deutlich nach einer Musikerin, die ihre Ausgeglichenheit gefunden hat. Nicht zuletzt wohl auch, weil sie inzwischen zweifache Mutter ist. Auch das kann jeder nachlesen, bzw. nachwischen, wirft er etwa einen Blick auf den Instagram-Account der Musikerin. Wer mit dem Namen Pink nichts anfangen kann, und bei Instagram zufällig über ihre Fotos stolpert, würde dahinter nie eine Musikerin vermuten, die Gold und Platin sammelt, wie unsere Großeltern Briefmarken gesammelt haben. Kein Hochglanz, sondern im besten Sinne stinknormale Familienfotos.

Ehrlich zu sein, dabei ist sich Pink auch bei „Hurts 2B Human“ treu geblieben. Wenn sie gleich im ersten Song „Hustle“ nicht nur einen ordentlichen Rhythmus vorgibt, sondern mit dem Refrain „Don’t hustle me, don’t fuck with me!“ auch sicherstellt, dass das Album einen „Parental Advisory“-Vermerk bekommt – falls der Titel noch nicht ausgereicht hätte. Hymnisch dagegen kommt die Single-Auskopplung „Walk me home tonight“ daher.

Walk me home in the dead of night
I can’t be alone with all that’s on my mind, mhm
So say you’ll stay with me tonight
‚Cause there is so much wrong going on outside

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Auch das kann Pink und wie bei vielen Stücken auf dem Album geht es letztlich auch hier um Geborgenheit, genauer, um die Sehnsucht nach Geborgenheit. „Walk me home tonight“ ist aber auch jener Song, der am deutlichsten zeigt, wie sehr sich die Sängerin mit diesem Album gewandelt hat. Es ist kein harter Rock mehr, aber wie Pink selbst dazu kommentierte, „ich bin ruhiger geworden“. Fast schon 40, ist die Sängerin jetzt vielleicht im besten Alter, um zu belegen, wie gut ihre Musik wirklich ist. Die wilden Zeiten sind vorbei, anders als so manch anderer, hat Alecia Moore, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, diese Zeiten überlebt. Als Künstler, wie auch als Mensch … Das gefährliche Alter, in den man seinen Zenit überschritten hat und nur noch von mitgealterten Fans, die ihren Kindern längst peinlich geworden sind, bejubelt wird, ist noch einige Jahre entfernt.

Mit anderen Worten, es gibt noch genügend Möglichkeiten für Pink weiter so gute Alben vorzulegen. Ich bin zuversichtlich.


„Hurts 2B Human“ von Pink, erschienen bei Warner/Chappell Music

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.
Thomas Matterne