Vorausdenken hat uns schon immer beschäftigt. Unser Vorausdenken impliziert stets ein Leben voller „Vereinfachungen“. Zugegeben, wir würden doch gerne immer mehr Verantwortung abgeben. Das Auto lenken, ohne zu denken – die Nahrung kaufen und Sport treiben ohne zu laufen.

Wir würden gerne ein umfangreiches Wissen erhalten, aber bitte ganz easy und ohne Vokabeln zu pauken. Eine Stimme, die uns erfolgreich durch das Leben führt und Gesundheit, die niemals Schmerzen verspürt. Alles möge einfach und geregelt sein – so wäre das Leben herrlich und fein.

Sitzen wir nicht gerne inmitten der Stadt starren uns die vorbeieilenden Körper an. Vor kurzem schickte mir ein Künstler-Freund ein Bildchen zu. Eine Szene in monochromen Farben, die einen aus dem Fenster starrenden Mann seitlich zeigt. Die Worte, die ich dazu lesen durfte, ließen mich schaudern: „Ich habe diesen Kerl heute bei Starbucks gesehen, kein iPhone, kein Tablet, kein Laptop. Er saß einfach da und trank Kaffee. Irgendwie unheimlich.

Ich fühlte mich ertappt. Wie oft saß ich schon in der Stadt, irgendwo in einem Café, zog das Smartphone hervor, nur um in eine andere Welt einzutauchen. Dabei vergaß ich das Geschehen um mich herum. Weil es uninteressant ist? Weil es meine Sinne nicht verlangt? Trinke ich überhaupt Kaffee oder was schütte ich da in meine Kehle? Es gab eine Zeit, in der ging ich in Cafés, um zu schreiben. Ich hockte vor meinem Laptop und hämmerte Buchstabe an Buchstaben zusammen. Auch da war ich dem aktuellen Geschehen entflohen und ganz in meiner Welt der Phantasie und Erinnerungen. Ganz früher, noch als junges Mädchen hockte ich vor Kakao mit einem Buch.

Andere Male locken und verlocken die Gedanken an der Zeit drehen zu können. Wie wäre das? Könnten wir „schändlich Verlaufenes“ korrigieren oder dem verbalen Angriffes eines anderen Homo sapiens klüger behandeln? Oft fehlen uns bei verbalen Übergriffen emotional schlichtweg die passenden Worte? Was wäre es einfacher, wenn ein Implantat uns zum Optimum geleiten würde? Oder wie wäre es durch die Zeit zu hüpfen? Es wäre auch spannend ein Parallel-Universum zu erforschen? Unendlich viele Möglichkeiten würden sich bieten und das Leben optimieren! Jedenfalls denken wir so. Ein Geäst würde sich entwickeln – wenn Entscheidungen anstehen, die wir zögern zu wählen. Wir würden gerne in die Zukunft sehen können, die Kontrolle über alles und jenes besitzen und dazu mit einem möglichst wenigen Risiko! Wir würden gerne vertrauensvoll auf eine technisierte „Alexa“ hören, die uns zu einem erfolgreichen Leben mit weichen tonalen Hieben prügelt und wir ohne jegliche Verantwortung in den Wellen des Erfolges schwimmen könnten. Wenn alles so herrlich einfach wäre?

Schon jetzt können wir der Technik viel Verantwortung übertragen. Immer mehr zieht sie in unser Leben ein. Überwachung ist ein wichtiges Wort geworden, welches uns zwar erschreckt, aber schon lange nicht mehr schockt. Es stört uns nicht, sondern wird zum festen Alltagsbegleiter. Wie Ameisen rennen wir durch den Alltag, träumen von einem „einfachen Morgen“ und hadern mit Durchhaltevermögen und stecken voller Ängste. Werte, die ein soziales Gefüge aufrechterhalten, werden immer mehr und mehr in Frage gestellt. Negieren nicht stets die alten Menschen die „technischen Entwicklungen“? Wird es irgendwann einen Stillstand geben? Das Ende der Fahnenstange – wird es das jemals geben? Und wenn ja, wissen wir dann überhaupt Bescheid?

Nicole Frischlich

Nicole Frischlich ist im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen. Erste berufliche Schritte begannen in der Reise-Touristikbranche und führten vor dem 30. Lebensjahr in die Selbstständigkeit. Die Fotografie hat sie ihr ganzes Leben begleitet, ebenso wie das Schreiben von Lyrik und Geschichten - bevorzugt in Kombination. Seit 2018 lebt sie in einem kleinen Warftendorf an der Nordseeküste und ist journalitisch freiberuflich für die Emder Zeitung neben ihrer gewerblichen Arbeit (Giclee-Druck) tätig.
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