Rezension: Über den Dächern von Nizza (USA 1955)

Rezension: Über den Dächern von Nizza (USA 1955)

Eigentlich spielte Über den Dächern von Nizza nie in Nizza, aber das hat dem Klassiker mit Cary Grant und Grace Kelly nicht wirklich geschadet.

Wer heute nach Nizza fährt, um die Drehorte von Alfred Hitchcocks Klassiker Über den Dächern von Nizza mit eigenen Augen zu sehen, wird wohl arg enttäuscht sein. Nicht dass es das Hotel oder den Strand nicht mehr gibt, es liegt nur beides nicht in Nizza sondern in Cannes. Dort ließ Hitchcock den gesamten Film spielen, und rund um Cannes befinden sich auch die traumhaften Straßen, die Grace Kelly in einem derartigen Ralleytempo nimmt, dass dem alten Haudegen Cary Grant schon ein wenig Bange wird.

Die Filmfestspiele von Cannes gab es damals bereits, bei der Filmpremiere dort sollte Grace Kelley Fürst Rainer von Monaco kennenlernen, kaum ein Jahr später hatte sie ihre Filmkarriere beendet und war zur Fürstin von Monaco geworden. Doch während Cannes heute mindestens ebenso bekannt ist wie Nizza, verlegte die deutsche Synchronisation die Handlung im Titel doch lieber in das damals bekanntere Nizza. Und wer kein exquisiter Kenner französischer Bedachungen ist, der wird den Unterschied in den zahlreichen Szenen, in denen Hitchcock die südfranzösischen Dachziegel ins Bild setzt, am Ende auch nicht bemerken.

Tatsächlich prägt Über den Dächern von Nizza die Cote d’Azur bis heute in zweifacher Weise. Die ikonischen Bilder der südfranzösischen Küste haben sich ebenso tief in das Gedächtnis der Menschen eingeprägt, wie das Leben in den Hotels und an den Stränden. Dazu trägt die Region und auch das Hotel Carlton, in dem Hitchcock drehte, natürlich noch immer bei. Noch heute ist es für Hochzeitsreisende schwer eine Nacht in der nach Grace Kelly benannten Suite zu ergattern. Und die Zahl der dort seit 1955 gemachten Heiratsanträge dürfte kaum noch zu fassen sein.

Übrigens, es gab im besagten Hotel in der Realität nur einen einzigen Juwelendiebstahl. 2013 erbeutete ein Dieb Juwelen im Wert von 103 Millionen Euro aus einer Ausstellung im Hotel.

Der Stil von John Robbie (Cary Grant) war das allerdings nicht. Als die Katze zog er es vor über die Dächer zu klettern, durch die Fenster einzusteigen und dort in der Nacht die Damen um ihre kostbaren Juwelen zu erleichtern. Damit wurde er zur Legende, oder man könnte auch sagen, sein Ruf hing ihm derart nach, dass er sofort in Verdacht gerät, als seine Taten plötzlich kopiert werden. Seinen Ruhestand als Besitzer eines kleinen Weinguts kann er so vergessen, also beschließt er selbst auf die Jagd nach dem neuen Dieb zu gehen. Und wie könnte man ihn besser fangen, als dadurch seine Beute im Auge zu behalten. Ausgestattet mit einer Liste der wertvollsten Juwelen in der Gegend, stößt er dabei auf ein amerikanisches Mutter-Tochter-Gespann der exzentrischen Art. Wobei die gute Frances (Grace Kelly) schnell als John Robbie identifiziert. Was sie aber zuerst als großes Abenteuer sieht, erst als die neue Katze den Schmuck ihrer Mutter stiehlt, und sie die alte Katze für den Täter hält, ändern sich ihre Gefühle.

Die Dinge spitzen sich zu, als die Polizei einen Toten als Juwelendieb präsentiert. Der jedoch hinkend mit einem Holzbein wenig geeignet gewesen wäre über die Dächer zu huschen. Für Robbie jedoch ist klar, wohin die Spur wirklich führt. Zu seinem alten Kumpanen, die ihm bisher, wenn auch widerwillig geholfen haben. Er beschließt ein Maskenfest zu nutzen, die wahre Katze zu überführen.

Rückblickend drückt Grace Kelly Über den Dächern von Nizza als stilbildende Ikone ihren Stempel auf. Sie war Wunschbesetzung Hitchcocks, der sie schon in drei Filmen zuvor als Hauptdarstellerin auserkoren hatte. Doch während sie dort ihre Präsenz regelrecht verbergen musste, konnte sie sich in diesem Film fast selbst spielen. Eine amerikanische Prinzessin, Kelly kam aus reichem Hause, in einem nach dem Krieg noch einmal zu altem Glanz gewonnen Europa. Liest man die Schilderungen von Zeitzeugen, muss diese Präsenz schon damals enorm gewesen sein. Fügt man aber noch die sich anschließend im realen Leben abspielende Realität der Fürstin Gracia Patricia von Monaco hinzu, dürfte dies so manche Geschichte des Kinos sogar noch übertreffen. Noch heute quillt deshalb die amerikanische Popkultur vor Geschichten über, in denen sich Mädchen aus den ur-demokratischen USA ihren Prinzen erträumen – wahrscheinlich sogar zahlreicher als im alten Europa.


Über den Dächern von Nizza (USA 1955) Regie: Alfred Hitchcok – Darsteller: Cary Grant, Grace Kelly, John Williams, Brigitte Auber

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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