Rezension: Wer hat Daigoro Tokuyama ermordet? (JP 2016)

Rezension: Wer hat Daigoro Tokuyama ermordet? (JP 2016)

Eine japanische Schulklasse findet eines Morgens ihren Lehrer erstochen vor. Doch statt die Polizei zu rufen, begeben sie sich selbst auf die Mörderjagd.

Was passiert, wenn die Schulklasse einer Mädchenprivatschule eines Morgens zum Unterricht erscheint und ihren Lehrer tot auf einen Stuhl sitzend vorfindet? Nun, sie beginnen erst einmal erschrocken zu kreischen. So weit so gut, aber dann ändert sich die erwartbare Dramaturgie doch ein wenig, denn statt die Polizei zu rufen glauben die Mädchen bereits so tief in die Sache verstrickt zu sein, dass sie beschließen erst einmal den toten Daigoro Tokuyama im Sprint einer schwänzenden Klassenkameradin zu verstecken.

Wer hat Daigoro Tokuyama ermordet? ist ein wilder Genre-Mix in 12 Folgen aus Japan. In westlichen Maßstäben beschrieben vielleicht so etwas wie eine Mischung aus Alle Mörder sind schon da, eine Verfilmung des Brettspiels Cluedo, und Immer Ärger mit Bernie, in der zwei Angestellte immer wieder die Leiche ihres Chefs verstecken (oder zum Leben erwecken) müssen. Aber das wäre ein wenig zu kurz gegriffen, und würde die typischen japanischen Aspekte zu kurzkommen lassen.

Da wäre zum Beispiel der J-Pop/Idol-Punkt, denn die Schülerinnen, die allesamt unter ihrem echten Namen auftreten, sind allesamt Mitglieder der Gruppe Keyakizaka46. Diese typisch japanische Subkultur zu erklären wäre allerdings Aufgabe eines ganzen Essays, oder vielleicht sogar eines Buches. Allerdings muss man mit dieser Subkultur nicht ganz firm sein, um Wer hat Daigoro Tokuyama ermordet? folgen zu können. Ein paar der Feinheiten merkt man schnell, etwa die Obsession vieler Japaner für Schulmädchen.

Es sind aber auch die negativen Aspekte, die man über das japanische Schulsystem kennt. Auch wenn das Thema Mobbing nur in einer weichgespülten Variante als einer der vielen Nebenaspekte zur Sprache kommt.

Unter Führung von Yurina Hirate beginnen die Mädchen selbst den Mörder zu jagen, was freilich in einem Verwirrspiel endet, bei dem Hirate selbst in Verdacht gerät. Allerdings mangelt es an Verdächtigen nicht, denn nicht nur unter den Schülerinnen selbst gibt es zahlreiche Motive. Da wäre etwa der Direktor, der Bestechungsgelder annimmt, falls eine der Schülerinnen ihre Tests nicht besteht. Und der, wie das gesamte Führungspersonal der Schule, unter der Knechtschaft eines absurd schwitzenden Hausmeisters steht. Als graue Eminenz scheint er das Mörderspiel zu leiten, ohne selbst wirklich darin verstrickt zu sein.

Wer hat Daigoro Tokuyama ermordet? ist für Amazon Prime Video-Abonnenten gratis verfügbar. Liegt aber nur im japanischen Original mit deutschen Titeln vor. Es ist also im Großen und Ganzen vor allem für Genrefans interessant. Die dürften an der Serie aber durchaus ihre Freude haben.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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