Der Untergang der Habsburger hatte ein historisch kaum bekanntes Nachspiel. Für die Herrscherfamilie selbst war es freilich eher ein Trauerspiel, und so gab Eugen Banauch seinem Theaterstück „Des letzten Kaisers letzte Schlacht“ auch den Untertitel „Ein politisches Trauerspiel in fünf Akten“.

Als mit dem Ende des 1. Weltkrieges nach dem russischen Zaren, dem deutschen Kaiser auch der letzte Herrscher der Donaumonarchie ins Exil fliehen musste, zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Österreich wurde Republik, Ungarn allerdings blieb Königreich bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Freilich ein Königreich ohne König, denn an seiner Spitze stand mit Admiral Miklós Horthy ein Reichsverweser, der statt Karl I das Land regierte. Zwei Mal versuchte Karl I sich die Stephanskrone zurück zu holen, beide Male scheiterte er.

Bereits 1989 schrieb Eugen Banauch über den missglückten zweiten Versuch der Habsburger ihre ungarische Krone zurückzuerlangen einen Fünfakter. Die Zeit schien günstig, um einen Verlag für die Veröffentlichung zu finden, hatte der Tod der Kaiserin Zita doch kurz zuvor selbst dem Republik verliebten Österreichern ein letztes Mal den alten Glanz der Monarchie in ihr früheres Herz Wien gebracht. Im Wiener Stephansdom erklang ein letztes Mal, 70 Jahre nach dem Ende der Monarchie, die Kaiserhymne. Dennoch erschien „Des letzten Kaisers letzte Schlacht“ lediglich im Selbstverlag, erst im März 2019 veröffentlichte der Patrinomium Verlag diese Erinnerung an einen österreichischen Kaiser, wie er es verdient hätte länger zu regieren.

Karl, 2004 von der Katholischen Kirche seliggesprochen, war wie der letzte deutsche Kaiser vom Gottesgnadentum des Monarchen überzeugt. Anders als Wilhelm aber leitete er dabei keinen absolutistischen Herrschaftsanspruch ab, sondern die Verantwortung seinem Volk – seinen Völkern – zu dienen. Banauch gelingt es in diesem Stück diesen Charakterzug Karls hervorzuheben, ohne dabei den Kaiser selbst auf ein Podest zu heben. Im Gegenteil, in einem Theaterstück, in dem allein die Kaiserin eine weibliche Teilnehmerin ist, wirkt Karl als militärischer Führer seltsam deplatziert. Er ist eine innerlich zerrissene Figur, der weiß er kann sich seiner Verantwortung nur militärisch stellen, obwohl ihm das Blutvergießen zuwider ist. (Hatte er doch zum Missfallen der deutschen Verbündeten auch während des drei Jahre vor diesen Ereignissen zu Ende gegangen Krieges versucht einen Frieden zu schließen, sobald er dem greisen Kaiser Franz-Joseph auf dem Thron gefolgt war.) Am Ende mag es der Verrat gewesen sein, der das Unternehmen zum scheitern brachte, aber man kann darüber streiten, ob ein Monarch ohne Rücksicht auf das Leben der ihm ergebenen Soldaten dennoch erfolgreich gewesen wäre. Karl, durchaus ein Militär, übte die Verantwortung über die von ihm befehligten Soldaten allerdings eben nicht skrupellos aus, wie viele Generäle es in den Generalsstaben taten (und tun), für die die Truppe nur ein Symbol auf einer Karte ist. Ein Bauer, der bedenkenlos geopfert werden kann, wenn es am Ende den Sieg bringt.

Banauch zeichnet einen Kaiser, der tief im Glauben verwurzelt ist, aber nicht zum Fanatismus neigt. Immer wieder spielt der Gottesdienst eine zentrale Rolle. Auch der Verlag wählte für den Einband eine historische Szene, auf der der Leser einen Priester die Messe auf dem Feld zelebriert, im Hintergrund sieht man die Soldaten, neben dem Altar knien Kaiser und Kaiserin. Es scheint fast so, als könne man die Last sehen, die Karl in diesem Augenblick auf seinen Schultern trägt. Er trägt sie, wie man ein Schicksal trägt, nicht phlegmatisch, sondern in dem man seine Pflicht erfüllt. Daran ändert sich nichts, als der vierte Akt zu Ende geht, die Niederlage besiegelt ist und der Kaiser und König von den Siegern des Krieges endgültig ins Exil gezwungen wird, wo er kaum ein halbes Jahr später starb.

Eugen Banauch lässt sein Stück damit noch nicht enden. Erst bekommen die Sieger ihren letzten Auftritt, die sich gegenseitig verachten, aber geeint sind durch den Willen zur Macht. Einer Macht, die sie bis zuletzt in den Händen halten werden.

Aber einem einfachen Ungarn ist das letzte Wort gegeben, während er einen Scheiterhaufen entzündet, der zwei Wochen zuvor noch als Signalfeuer hätte dienen sollen, um dem Flugzeug mit Kaiser und Kaiserin zur sicheren Landung zu verhelfen. Erst jetzt fängt der Scheiterhaufen Feuer, die Flammen züngeln …

„So endet denn die alte … uns’re Welt.
Das war des letzten Kaisers letzte Schlacht.“

Vorhang. Die alte Welt ist untergegangen


„Des letzten Kaisers letzte Schlacht“ von Eugen Banauch
ISBN 978-3-86417-116-1

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