Das Logo “RR” steht für die Marke “Rolls Royce“. Ein Markenzeichen, dass sich weltweit für Qualität, Zuverlässigkeit und einem guten Stil verbürgt. Die „Ikone“ des guten Geschmacks, so möchte man behaupten und damit ist bereits alles gesagt. Anstand voran – selbstverständlich mit inbegriffen.

Genau darum geht es mir wieder einmal, um den Anstand im Alltag und die Selbstverständlichkeit, mit der uns rücksichtslose Mitmenschen ohne jeglichen Anstand tagein – tagaus das Leben erschweren, indem sie uns zusätzlich in Gefahr bringen.

RRR – Die Rüpel-Rentner-Radler. Sie sind das Logo des schlechten Geschmacks. Das Anti-Logo der Luxuskarossen – ein Logo der Schande.

RRR ist dem doppelten RR nicht würdig

„Ja, die Fahrradfahrer“, werden einige sagen, „was will er denn?“ Fahrradfahren ist gesund, umweltfreundlich, Verkehrsentlastend und ausserdem bringt es sonst noch so einiges mit sich, das positiv gesehen werden muss. Gesund für den Körper ist es auf jeden Fall und obendrein spart es noch eine Menge Geld für Benzin jeden Monat. Der Kauf der Monatskarte für den öffentlichen Verkehr auf dem Weg zur Arbeit fällt aus und am Ende des Monats bleibt schließlich noch was übrig, für die Freizeitfahrten am Wochenende. Im großen Ganzen lohnt sich das Fahrradfahren allemal.

Also, warum das ganze Geschwafel? Fahrrad fahren ist „Gut“ und das schließt drumherum alles mit ein.

Wenn es nur so einfach wäre, dann hätten wir ein Paradies auf dieser Erde und alle wären gut zueinander. Sparen wir uns das – wir wissen, der Alltag ist leider anders und in der Realität meist bitter enttäuschend.

Über die Frankfurter Zeil, Einkaufsstraße und Fußgängerzone, flanieren jeden Tag ca. 15.000 Menschen pro Stunde, über eine Fläche von 1,2 km. Das sind 1.200 Personen verteilt auf 100 Meter. Mehr Menschen, als in ein Superjumbojet hineinpassen. (Etwa zwei Superjumbojets). Und mitten zwischen den Menschenmassen rasen die Rüpel-Radler mit der allergrößten Selbstverständlichkeit, schnell wie Pfeile, hindurch.

Kein Ordnungshüter weit und breit. Wenn Sie sich fragen warum, dann ist die Antwort schnell gefunden: Weil es grundsätzlich erlaubt ist mit Schrittgeschwindigkeit in Einkauf- und Fußgängerzonen auf dem Fahrrad zu fahren. Das Problem ist, das sich kaum einer daranhält.

Auf der meist besuchten Einkaufsstraße Deutschlands wird mit dem Fahrrad geflitzt und gejagt auf Teufel komm raus. Wäre es nicht so gefährlich, könnte man von einer unterhaltsamen Show reden, wenn man sich umschaut und sieht, was einem da so dargeboten wird.

Atemberaubende Flitzer – Aufgetakelte Senioren

Ich will mal mit den Fahrradfahrern beginnen, von denen wir erwarten, dass sie auf Grund ihres Alters den Alltag mit Anstand bewältigen. Die Rentner. Leider beobachte ich bei meinen Spaziergängen durch die Innenstadt immer wieder, dass bei der Generation der älteren „Jungbrunnen – Jünger“ oftmals eine größere Unvernunft herrscht, als bei den jugendlichen.

Asketischer Look ist modern geworden unter den älteren Herrn. Möglichst kein Gramm Fett auf der Hüfte, klappriges aussehen, aber zäh wie Hosenleder, das ist das Ziel, auch wenn es manche niemals erreichen.

„Drahtesel“ keiner möge es wagen dieses Wort jemals in den Mund zu nehmen. Die Fahrräder von manch einem Rentner sind oft teurer als ein Gebrauchtwagen. Ihre Marken heißen Utopia Velo, Rohloff, Patria, toutterain, Velotraum. Sie sind Speichenbruchsicher, haben 26 Zoll Räder, geschwungene Lenker, Ketten – und Nabenschaltung. Ihre Ergonomie ist auf Sitzriesen zugeschnitten, also auch für jene denen es nicht gelungen ist in der Rente zum Asketen zu werden, den 95 Kilo plus Rentner-Riesen.

Ihnen voraus leuchten grellste kunterbunte Farben, denn, gerade den Fahrrad-Rentnern ist die persönliche Sicherheit beim Fahrradfahren besonders wichtig, genauso wichtig ist ihnen auch das Geltungsbewusstsein, mit dem sie die Aufmerksamkeit der Passanten, gewissermaßen als Nebenprodukt ihrer auffälligen Kleidung, für das eigene Ego erzeugen. Am wichtigsten aber ist, dass ihnen selbst kein Haar gekrümmt wird. Und so zeigen sie sich in Trikots und Shorts, so bunt wie Pfaue. Von weitem leuchtet der Anorak, damit weder Autofahrer noch Fußgänger sie ignorieren können. Spikecross Schuhe vom feinsten. Modernste Sturzgeprüfte Fahrradhelme MIPS (Multi-Directional Impact Protection System) aus schimmernden Fiber Material, möglichst mit Visier und Mückengitter, für Sicherheit. Castelli Radhandschuhe für den Comfort und irgendwo auf der Brust ein deutlich erkennbares Ferrari-Etikett, aus reiner Baumwolle. Laufen fällt da schwer. Derart teuer gekleidet, wäre das Fahrradschieben eine Demütigung. Das ist die neue Rentnergeneration auf dem Fahrrad. Ihr Ziel vor den Augen, mindestens 110 Jahre alt zu werden, nach dem Motto: Ich allen voran. Mein Wohlbefinden an erster Stelle. Die um mich herum kümmern mich nicht, gehen bzw. fahren sie auch über Leichen, wenn es nicht anders möglich ist.

Ja, liebe Leserinnen und Leser, solche Rentner-Radler sind es an denen ich zweifle. Die jungen Rüpelhaften Radler und und viele Fahrradkuriere sind zwar auch nicht zu unterschätzen, aber sie sind die ausgewilderte Minderheit, die den Reisebusfahrern die Tür eintreten und den PKW Fahrern den Seitenspiegel verschandeln. Halbkriminelle gibt es immer in jeder Gesellschaft, auf jedem Niveau. Das kann keiner verhindern. Doch jene, die ein Vorbild für uns sein sollten und auf Grund ihres Alters auch eine solche Vorbildfunktion innehaben (so war es wenigstens in meiner Kindheit) sind die, die mich in Rage bringen.

Nicht selten ungezügelt, wie Teenager, preschen diese Rüpel-Rentner-Radler zwischen Erwachsenen, Kindern, (viele davon Kleinkinder an der Hand der Eltern oder im Kinderwagen), oft auch allein laufend, Schritte entfernt von den Eltern – rasant und munter hindurch. Egal wie, jedenfalls mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit. Sie wissen ganz genau, dass die Stadtverordnung nicht forciert wird, also nutzen sie den Freibrief.

Terrain ohne Gesetze

2017 wurden in Frankfurt rund 1.000 Verkehrsunfälle registriert, bei denen Radfahrer beteiligt waren. In mehr als der Hälfte aller Fälle waren die Radfahrer die Unfallverursacher. Dennoch sehen die Stadträte keinen Sinn darin, das Fahrradfahren in gewissen Teilen der Stadt zu regulieren, oder wenigstens die Fahrradfahrer dazu zu verpflichten, ihr Fahrrad zu schieben. Man fragt sich warum?

Allgemeinkontrollen der Polizei, die Routinemäßig durchgeführt werden, bringen (wenn überhaupt) sehr wenig. Es gibt nicht genug Polizisten, die man für diesen Dienst einsetzen kann. Im letzten Jahr wurden gerademal 3.000 Fahrradfahrer kontrolliert und verwarnt, das sind in einem Jahr so viele Fahrradfahrer, wie Menschen in einer Stunde auf 200 Meter flanierender Fläche verteilt, sich bewegen. Aufgemerkt: Ein ganzes Jahr gemessen an einer Stunde. Was für ein frustrierendes Unterfangen für einen Polizeibeamten und ja, auch für die Gemeinschaft der Stadt, die darunter leidet.

Kein Wunder, das es die Fahrradfahrer nicht kümmert. Es gibt ja keine forcierten Gesetze für Fahrradfahrer.

Letztes Jahr im Mai verletzte ein Rennradfahrer ein achtjähriges Mädchen schwer, mitten auf der Zeil und beging Fahrerflucht. Im August dieses Jahr, gab es zwei Tote und einen schwerverletzten ausgelöst von uneinsichtigen Fahrradfahrern. Leicht Verletzte, Raufereien, Gemeinheiten, uneinsichtiges Verhalten und Aufbegehren gegen die Ordnungshüter, alles an der Tagesordnung. Drohungen gegen Fußgänger und Autofahrer miteingeschlossen

Der ADFC (Allgemeiner deutsche Fahrrad Club) verteidigt vehement die Fahrradfahrer, beruft sich auf alte Regeln und Gesetze und wirbt natürlich im Stadtrat dafür, dass überall Fahrrad gefahren werden darf, ohne jegliche Einschränkung.

Dabei bin Ich noch gar nicht dazu gekommen davon zu berichten, wie es außerhalb der Fußgängerzone zugeht. An roten Ampeln halten? Ein Unding für viele Fahrradfahrer. Ampeln existieren einfach nicht. Fußgängerwege, Gehsteige, alles wird zur Rennbahn und das nicht selten. Der Weg, der gerade frei ist, wird genommen. Ist es der Gehsteig, rast man über den Gehsteig. Ist dort eine Ampel, rast man über die Straße und ist dort wiederum eine rote Ampel, geht es zurück auf den Gehsteig oder aber gleich mit vollem Pedal direkt durch die rote Ampel hindurch. Für Fahrradfahrer ist das ganze Land eine gesetzesfreie Zone geworden.

Aber nicht nur auf den Straßen, auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln nehmen sich Fahrradfahrer heraus, was ihnen gefällt. Sie zerren ihre dreckigen Fahrräder mit in die Busse, die U-und S-Bahn. Versperren oft zwei bis drei Sitzplätze auf einmal, so, dass sich alte Menschen, Gehbehinderte auf Krücken oder Frauen mit Kleinkindern nicht setzen können, weil ihnen ein Fahrrad den Sitz versperrt. Extra bezahlen muss ja keiner für den Fahrradtransport und auch nicht für die dadurch verlorengegangenen Sitzplätze. Eine unverständliche Behinderung, die geduldet wird, auf Kosten der anderen.

Konflikte überall

Liest man die Zeitung, dann sind meistens die Autofahrer daran schuld, wenn es eine Auseinandersetzung zwischen ihnen und den Fahrradfahrern gibt. Fragen Sie hingegen einen Reisebusfahrer, oder einen Lkw-Fahrer, wie oft er Haarscharf einer Katastrophe entkommen ist, weil er im toten Winkel seines Reisebusses oder Lkws. einen leichtsinnigen Fahrradfahrer in der Hitze des Gefechts fast übersehen hat, dann wird er ihnen so einiges aus seinem Alltag erzählen.

Anders ist es, wenn Fahrradfahrer mit Fußgängern zusammenprallen. Dann zieht der Fußgänger fast immer den Kürzeren

Innerhalb einer Woche habe ich diese Schlagzeilen in meiner Lokalzeitung gelesen:

„Radfahrer attackiert Fußgängerin mit Holzlatte“. „Kampfradler beschimpft Fußgänger“. „Rowdy-Radler ohrfeigt alten Mann in der Innenstadt“. „Fahrradkurier liefert sich Faustkampf mit Taxifahrer“. „Aggressiver Radfahrer wird handgreiflich“. Die darauffolgende Woche habe ich diese Schlagzeilen gar nicht mehr gelesen.

Was mich oft den Kopf schütteln lässt, sind Eltern, die ihre Kinder in Lastenräder transportieren. Ich weiß das es unter bestimmten Bedingungen nicht verboten ist und es gibt einen Bußgeldkatalog für diese Art von Transport. Aber was nützt denn der Bußgeldkatalog, wenn Kind und Eltern danach tot sind. Ich kenne kein westliches Land, wo so viele Kleinkinder in und auf Fahrrädern transportiert werden, wie in Deutschland. (außer natürlich in Holland). Kommt denn niemand auf die Idee, dass ein Auffahrunfall von hinten, völlig ohne jegliche Kontrolle des vorne fahrenden Elternteils, jederzeit zustande kommen kann und das Leben eines Kindes (ich denke erst gar nicht an den erwachsenen leichtsinnigen Elternteil) in Sekundenschnelle auslöschen könnte?

Wie immer im Leben, all diese Dinge, die wir täglich erleiden, sind vorübergehend geduldet aus anfänglich gutgemeinten und sinnvollen Überlegungen, dem Volk und der Umwelt gegenüber. Erst wenn eine Serie von Tragödien sich aneinanderreiht, wird die Aufmerksamkeit der Bevölkerung alarmiert und die Politik agiert. Dann werden die Kontrollen verschärft, neue härtere Gesetze entworfen und angewendet, der Druck auf die Gemeinschaft erhöht.

Da frage ich mich, warum können wir nicht mit ein wenig Anstand und Rücksicht füreinander, verhindern, was uns leid bringen wird, damit wir Morgen weiterhin unsere Freiheit behalten können?