Die Gedanken des französischen Philosophen Michel de Montaigne sind zeitlos. Das findet auch DenkZeit-Autorin Sarah Krampl, und widmet sich dem Franzosen intensiv.

Dadurch, dass ich ein Montaigne Fan im wahrsten Sinne des Wortes bin, habe ich mich entschlossen, in dieser virusbedingten Krisenzeit, jeden Tag ein Essai von Michel de Montaigne aufzunehmen. 107 Essais sind es bekanntlich insgesamt, die Montaigne verfasst hat.

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Durch mein druckfrisches Buch „Gedankensplitter. Die ewige Gegenwart des Lebendigen“, in dem ich mich ausdrücklich auf Michel de Montaigne und seine Art des Schreibens und Denkens beziehe, und ihn als großes Vorbild herangezogen habe, beschäftigen mich seine Gedanken und Essais noch um so vieles mehr.

In die Zeit von Montaigne einzutauchen, in seine Sprache, in seine verschachtelten Sätze, ist eine relativ große Herausforderung für uns schnelllebige Menschen, die die Muße zum Teil verloren haben, sich eingehendst mit einem Thema zu beschäftigen.

Die Essais von Michel Montaigne bestehen aus drei Bänden, die im 16. Jahrhundert geschrieben wurden. Dabei ist auffallend, dass die ersten Essais voll mit Kriegsgedanken und sehr in seiner eigenen Zeit verankert bleiben, während die späteren Essais immer allgemeiner und philosophischer werden. Montaigne gibt uns damit einen Einblick in seine eigene Zeit, in das Europa bzw. Frankreich der Religionskriege, aber auch in die Menschen und gesellschaftliche und politische Gepflogenheiten.

Über Michel de Montaigne

Michel de Montaigne auf einem zeitgenössischen Gemälde von Thomas de Leu (1560–1612)

Michel de Montaigne (28.2.1533 Schloss Montaigne – 13.9.1592 Schloss Montaigne in der Nähe von Bordeaux) – Michel Eyquem de Montaigne war der erstgeborene Sohn des wohlhabenden Kaufmanns, Parlamentsrichter und Bürgermeister von Bordeaux, Pierre Eyquem (1495-1568) und seiner Mutter Antoinette, die Pierre 1529 heiratet. Das Ehepaar hat insgesamt 8 Kinder, 2 Mädchen und 6 Buben. Die Kinder werden unkonventionell erzogen. Zunächst verbringt der Säugling Montaigne ein paar Monate zur Abhärtung bei einfachen Landleuten. Von seinem zweiten bis zum seinem sechsten Lebensjahr wird er von dem deutschen Lehrer Horst, der kein Wort Französisch versteht, in lateinischer Sprache erzogen. Sowohl der Lehrer als auch die Hausangestellten sprechen nur Latein mit Michel. Mit 6 Jahren besucht Montaigne das Collège de Guyenne in Bordeaux. Dort erfährt er eine humanistische Bildung und lernt die klassischen Texte der Antike kennen. Plutarch, Seneca und Tacitus werden später seine Lieblingsschriftsteller werden. Mit 13 Jahren ist seine humanistische Schulbildung beendet. Er beginnt in Toulouse Rechtswissenschaft zu studieren und beendet sein Studium mit 19 Jahren.

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Mit 21 Jahren übernimmt er ein juristisches Amt in Pèrigueux. Mit 24 arbeitet er als Parlamentsrat in Bordeaux. Mit seinem Amtskollegen, dem Schriftsteller Ètienne de la Boetie (1530-1563) schließt er eine lebenslange Freundschaft, die einzige Freundschaft, die er mit einem Mann haben wird. Montaigne liest Ètiennes kleines Werk „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“, ein Antimachiavellistisches Buch und schätzt es sehr. Als Ètienne an der Ruhr stirbt, verfällt Montaigne in tiefe Melancholie. Er unternimmt mehrere Reisen nach Paris und Rouen um am königlichen Hof zu wirken.

Am 25. September 1565, mit 32 Jahren, heiratet Montaigne die Tochter eines Ratskollegen Namens Francoise de la Chassagne, mit der er fünf Töchter haben wird, wobei nur die Tochter Leonore das Kindesalter überlebt. 1568 stirbt der Vater Pierre Eyquem und Montaigne erbt als ältester von acht Geschwistern das Eigentum des Schlosses.

Ein Jahr später veröffentlicht Montaigne in Paris auf eigene Kosten seine französische Übersetzung des ursprünglich lateinischen Buches „Theologia naturalis“ des katalanischen Theologen Raimundus Sebundus (gest. 1436). Ihm widmet Montaigne in seinem Hauptwerk „Essais“ ein langes Kapitel mit dem Titel „Apologie des Raimund Sebundus“. 1571, an seinem 38. Geburtstag zieht sich Montaigne von den öffentlichen Geschäften zurück. Am 9. September 1571 wird seine Tochter Leonore geboren und im selben Jahr wird er zum Ritter des Ordens vom Heiligen Michael, den Ludwig XI 1469 gründete, ernannt.

Am 24. August 1572 kommt es in Paris zum Höhepunkt des religiösen Bürgerkriegs, der Bartholomäus-Nacht. Über 4000 Hugenotten werden in dieser Nacht auf Befehl der Königsmutter ermordet. In Frankreich herrschte seit Mitte des Jahrhunderts ein religiös motivierter Bürgerkrieg zwischen protestantischen Hugenotten und königstreuen Katholiken. Die Region um Bordeaux lag zwischen den Fronten, war unmittelbares Bürgerkriegsgebiet. Montaigne ist entrüstet über so viel Grausamkeit und wird in der Folge von Heinrich III zum Kammerherrn ernannt. Bis 1580 ist das zweite Buch der Essais fertig gestellt. Am 1. März 1580 erscheinen die ersten beiden Bände der Essais bei Simon Milanges in Bordeuaux. Bald darauf erkrankt Montaigne an Nierensteinen. Schon der Vater hatte diese Krankheit, die ihm schließlich das Leben kostete.

1580 bricht Montaigne auch zu einer Europareise auf, weil er sich u. a. in verschiedene Thermal- und Kurbäder aufhalten will. Er reist nach Basel, in einigen Städten Deutschlands und über Innsbruck und den Brenner gelangt er nach Italien. In Ferrara besucht er den geisteskranken Torquato Tasso, welcher „La Gerusalemme Liberata“ geschrieben hatte. Ende November erreicht er Rom und wird von Papst Gregor XIII empfangen. Die Reise dauert insgesamt 17 Monate. Als er sich noch in Italien befindet erreicht ihn die Nachricht, dass er zum Bürgermeister von Bordeaux ernannt worden ist. Über die Reise hat Montaigne ein Tagebuch geschrieben. Erst 1774 ist es mit dem Titel „Tagebuch einer Reise durch Italien, die Schweiz und Deutschland in den Jahren 1580 und 1581“ erschienen. Am Ende seiner zweiten Amtsperiode als Bürgermeister flüchtet er mit seiner Familie ins Gebirge, denn in Bordeaux wütet die Pest.

Als Bürgermeister unternimmt er nicht nur Reisen nach Paris und anderen Orten, sondern kommt auch in Kontakt mit politischen Persönlichkeiten wie Heinrich von Navarra. 1586 schreibt Montaigne das dritte Band der Essais. 1588 reist er nach Paris zur Veröffentlichung der vierten Ausgabe seiner Essais, ergänzt um das dritte Buch. In Paris besucht er die 23-jährige Marie le Jars, Fräulein von Gournay, die ihm einst einen Bewunderungsbrief geschickt hatte und mit der Montaigne eine Art platonische Freundschaft eingeht. 1590 heiratet seine Tochter Leonore und 1591 wird seine Enkelin Francoise geboren. Am 13. September 1592 stirbt Montaigne mit 59 Jahren auf seinem Schloss an einer schweren Angina.

Aus meinem Buch „Gedankensplitter. Die ewige Gegenwart des Lebendigen“ über Michel de Montaigne.

Gedanken zur Philosophie Michel de Montaignes

Aus meinem Buch „Gedankensplitter. Die ewige Gegenwart des Lebendigen“ über Michel de Montaigne.

Ich habe die Essays von Montaigne sehr gerne und relativ schnell gelesen, denn die Sprache ist einfach und die Gedanken sind gut nachvollziehbar. Obwohl Montaigne vor so langer Zeit gelebt hat, kann ich mich mit vielen seiner Gedanken identifizieren. Die Probleme, die wir Menschen haben, bleiben anscheinend die gleichen. Das war für mich eine interessante Erkenntnis, die ich jedoch schon beim Lesen von Dante Alighieri hatte. Die Zeit spielt anscheinend beim Menschen nicht jene Rolle, die wir ihr öfter einräumen.

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Nr. 69 –
Apologie für Raymond Sebond

Montaignes „Essays“ bestehen aus lauter Lebensweisheiten, die für jedermann leicht verständlich sind.

Wenn ein Problem über Jahrhunderte besteht, wie auf körperlicher Ebene zum Beispiel das Problem der Nierensteine, dann heißt es für mich, dass der Mensch bereits seit Jahrhunderten die gleichen geistig-körperlichen Voraussetzungen mitbringt. Auch Probleme die, wie wir heute sagen würden, psychischer Natur sind.

Wie könnte ich Montaigne verstehen, wenn er nicht ähnliche Sorgen und Gedanken gehabt hätte wie ich heute?

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Hier stellt sich für mich die Frage, ob es so etwas wie Evolution überhaupt gibt, denn wenn es Evolution gibt, dann gibt es so große zeitliche Abstände zwischen einem Evolutionsschritt und dem nächsten, dass ich mich frage, wie sich diese Erkenntnis direkt auf mein Leben auswirken könnte. Der Evolutionsgedanke ist für mich etwas zu abgehoben, zu theoretisch, als dass ich damit etwas anfangen könnte. Ich habe oft das Bedürfnis, etwas in meinem Leben bewirken zu wollen, mich nicht nur in abgehobenen Gedanken zu verlieren, sondern Gedanken dazu zu nutzen, etwas im Leben zu bewegen, ins Rollen zu bringen, eine Änderung zu bewirken, damit nicht alles immer gleich bleibt, damit das Leben spürbar wird und Leben heißt Veränderung. Veränderung ist auch jetzt für mich die Erkenntnis, dass manche Gedanken, Probleme, Menschenbeschwerden über Jahrhunderte unveränderlich sind, dass Generationen von Menschen mit gleichen Problemen zu kämpfen haben.

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Können diese gleichbleibenden Sorgen geändert werden?

Heute mit dem medizinischen Fortschritt kann das Leben verlängert werden, Schmerzen können gelindert werden, Impfungen gegen bestimmte Krankheiten sind verfügbar. Das Blöde ist nur, dass dafür andere Krankheiten entstehen. Aids kannte man vor etlichen Jahren gar nicht. Das heißt, die Probleme bleiben immer gleich, sie verlagern sich nur. Mit der Lebensverlängerung wachsen die psychischen Belastungen. Alte Menschen werden oft auch psychisch unzurechnungsfähig, bekommen Verfolgungswahn, sind traurig. Nicht alle, aber viele. Da stellt sich die Frage, ob der Mensch nicht doch noch zu viele Fehler macht in der medizinischen Forschung. Es gibt in der Medizin so viele verschiedene Ansätze, von der Schulmedizin bis zu schamanistischen Praktiken, die bei einem kranken Körper angewendet werden können, um dann so wie hier feststellen zu müssen, dass manche Krankheiten und Beschwerden immer wieder auftreten.

Montaigne, ein Weltbürger, ein politischer, von der Gesellschaft anerkannter und bekannter Mann, war hin und hergerissen zwischen Öffentlichkeit und Privatleben. Er zog sich einige Zeit in sein Schloss zurück um seine „Essays“ zu schreiben. Ich glaube, dass alles Wertvolle nur in der Einsamkeit entstehen kann. Man denke nur an Michelangelo. Er hat die Sixtinische Kapelle auch alleine gemalt und war stundenlang alleine beschäftigt. Montaigne gefällt mir deshalb gut, weil er beides gelebt hat: sowohl die Einsamkeit, als auch das öffentliche Leben. Er hat sich nicht zurückgezogen als ihm die Stelle als Bürgermeister angeboten wurde. Damit jemand über die Gesellschaft, über Land und Leute vernünftig sprechen kann, muss er damit auch in Kontakt treten. Eine Ausnahme wäre Carl Barks, der Zeichner einiger Donald Duck Geschichten, welcher nie im Ausland war und doch in seinen Geschichten einige Landschaften wahrheitsgetreu zeichnete. Man kann sich ja auch mit Büchern und Zeitschriften behelfen. Barks hatte die Zeitschrift „National Geographic“ abonniert und von dort kopierte er praktisch die Länder und Landschaften.

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