“Schöne neue Welt” oder “1984”? Oder beides?

George Orwell und Aldous Huxley haben mit ihren Werken zwei Dystopien entworfen, die der Realität näher sind als jemals zuvor.

In seinem Werk “1984” erschuf George Orwell den Big Brother, den großen Bruder. Die Belanglosigkeit des Zeitgeistes machte daraus eine den menschlichen Voyeurismus befriedigende Reihe an TV-Shows. Die neuesten technischen Entwicklungen lassen aber die ursprüngliche Bedrohung der totalen Überwachung immer realer werden. In Staaten wie China wurde der Roman inzwischen schlicht schon von der Realität eingeholt. Doch während China Orwells wahr gewordene, eigentlich auf den Stalinismus abzielende Warnung ist, begibt sich der westliche Mensch mehr und mehr in eine freiwillige Sklaverei der ständigen Überwachung.

Gewissermaßen schafft er so das Bindeglied zu jener zweiten großen Dystopie der Literaturgeschichte, der “Schönen neuen Welt” von Aldous Huxley. Eine Welt die nur auf den eigenen Genuss ausgerichtet ist, und in der sich die Menschen nicht nur selbst durch Gentechnik erschaffen, sondern auch in einer selbst erzeugten Scheinwelt leben (wollen).

Lautete die Bedrohung von einst nur, welche dieser beiden Welten sich durchsetzen würden, stellt sich heute die Frage wie sehr wir bereits in einer Kombination aus beidem leben.

Wobei sie schon immer mehr gemein hatten, als man bei den beiden unterschiedlichen Plots glauben mag. Schon Huxley sorgte sich um die Propaganda, als Mittel der menschlichen Unterdrückung:

Aldous Huxley in einem späten Vorwort zu “Die schöne neue Welt”

Die ARTE-Dokumentation George Orwell & Aldous Huxley: 1984 oder Schöne neue Welt? beschäftigt sich mit beiden Autoren und ihren Geschichten. Dabei werden auch die Gemeinsamkeiten der beiden so unterschiedlichen Charakteren erzählt, die sich kannten, schätzten, aber wohl auch aufgrund ihrer Herkunft bald wieder voneinander entfernten. Ort dieses Zusammentreffen war die britische Kaderschmiede Eton, auf der sich der George Orwell, damals noch als Eric Blair, als Sohn aus einfachen Verhältnissen dank eines Stipendium eher quälte, als dort wohlfühlte. Sein Literaturlehrer, der englische Aristokrat Aldous Huxley – der Eton wohl auch nicht besonders mochte, musste er sich dort doch seinen Lebensunterhalt verdienen, weil die Familie ihn den Geldhahn abdrehte.

https://www.youtube.com/watch?v=owsIfmH2DXs