Während Briten und Franzosen aus ihren afrikanischen Kolonien tausende schwarze Soldaten in Europa einsetzten, waren sie in der Armer des Kaisers eine Seltenheit.

Selbst Historikern fallen beim Thema schwarze Soldaten innerhalb der preußischen und später deutschen Armee bis 1918 oft nur die Askari ein, die als grundlegender Bestandteil der Schutztruppe der Kolonie Deutsch-Ostafrika bis zum Kriegsende gegen die dortigen britischen Kolonialtruppen kämpfte. Doch mit der Geschichte um die Truppe von Generalmajor von Lettow-Vorbeck ist dieser Aspekt deutscher Militärgeschichte noch nicht auserzählt.

Zwar rekrutierte auch das Deutsche Reich in seinen afrikanischen Kolonien einheimische Männer für die Armee, anders als bei Briten oder Franzosen kamen diese aber nie außerhalb ihrer Heimat zum Einsatz. Dazu fehlte den Deutschen nicht nur die Logistik, sondern auch das Kriegsglück. Selbst in großen Kolonien wie Deutsch-Südwest oder Kamerun mussten sich die dortigen Truppen Schnell den Achsenmächten geschlagen geben, die einzige Ausnahme bildete die bereits erwähnte Truppe um Lettow-Vorbeck, dem es gelang die Briten in ein vier Jahre andauerndes Scharmützel zu verwickeln und so bis zur Kapitulation des Deutschen Reichs ungeschlagen zu bleiben.

Schwarze innerhalb der deutschen Armee in Europa blieben eine krasse Ausnahme. Ihre Zahl wird von Militärhistorikern heute auf zwischen 12 und 20 Männer geschätzt, die zum großen Teil nicht an der Front dienten, sondern als Musiker eingesetzt waren. Damit folgten sie durchaus einer gewissen preußischen Tradition, deren Wurzeln bis ins 17. und 18. Jahrhundert zurückgehen. Bereits 1685 wurde ein Afrikaner namens Ludwig Besemann zum Trommler 1. Klasse in der Armee des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen befördert. Während der Regentschaft des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. dienten 15 Afrikaner im Leibregiment des Königs, ebenfalls als Musiker. Unter seinem Sohn Friedrich dem Großen wurde deren Anzahl verdoppelt.

Jene Männer haben wenig Spuren hinterlassen, aber da sie in einem Zeitalter lebten, in dem sich die Fotografie schon durchgesetzt hatte, gibt es sie eben doch:

Josef Mambo (geboren 1885 in Tanga, Ostafrika) wurde als Kind nach Deutschland gebracht und diente später als Trommler beim Grenadierregiment zu Pferden ‚Freiherr von Derfflinger‘ Nr. 3. Während des Ersten Weltkriegs brachte er es bis zum Feldwebel, und wurde während seines Einsatzes vor Verdun verwundet.

Gustav Sabac el Cher (1868-1934) war der Sohn eines sudanesischen Kammerdieners des Prinzen Albrecht von Preußen und seiner deutschen Frau. Er besuchte das Musikgymnasium in Charlottenburg und diente später als Musikmeister im Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpreußisches) Nr.1. Er zog sich 1909 aus der Armee zurück und arbeitete als ziviler Musikdirigent, der in den 1920er Jahren mehrmals im Rundfunk auftrat. Er und seine Frau eröffneten ein Café in Berlin, mussten es aber auf Druck der Nazibehörden schließen. Er starb kurz danach. Als der abgesetzte Kaiser Wilhelm II  die Nachricht hörte, schickte er der Witwe von Gustav ein persönliches Beileidstelegramm.

Ben Aissa wurde etwa 1887 in Marokko geboren. Er war als Diener angestellt, um das Pferd Kaiser Wilhelms II. bei einem Besuch im Jahr 1905 durch Tanger zu führen. Auf Einladung des Kaisers kam er 1907 nach Berlin und schloss sich schließlich dem 1. Garde-Regiment zu Fuß an. Mit ihnen diente er auch während des Ersten Weltkriegs. In den Jahren 1917-18 diente er mit dem Asienkorps in Palästina. Nach der Demobilisierung 1919 kehrte er in seine Heimat nach Marokko zurück.

Elo Wilhelm Sambo (1885-1933) wurde in Jaounde, im damals deutschen Kamerun, geboren. Er trat 1905 in die preußische Armee ein, wurde 1907 ins Leib-Garde-Husaren-Regiment versetzt und zu deren Kesselpauker ausgebildet. Er diente in diesem Regiment während des Ersten Weltkriegs und nach dem Krieg im Reiterregiment Nr. 4 der Reichswehr noch bis 1923. Später lebte er in Köln, wo er sich Karnevalsvereinen als Kesselpauker bei den Karnevalsmontagszügen anschloss. Er starb 1933 und wurde auf dem Kölner Südfriedhof beigesetzt. Kaiser Wilhelm, der ihn als Patensohn angenommen hatte, schickte einen Kranz zu seiner Beerdigung.

Schreibe einen Kommentar

<br><br><br><br>Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu.<br><br> Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen