Der ehemalige Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos Calderón, wurde 2016 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Es ist ihm aber nicht nur gelungen, nach mehr als 60 Jahren bewaffneten Konflikts mit Millionen von Vertriebenen und Hunderttausenden von Todesopfern ein Friedensabkommen mit der ältesten Guerilla-Gruppe des Kontinents zu schließen, sondern er hat auch die Gründungsurkunde für einen der spektakulärsten Nationalparks der Welt unterzeichnet.

Nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens, das 2016 zwischen der Guerilla der FARC und der Regierung abgeschlossen wurde, beendete Präsident Santos seine beiden Amtsperioden mit einem Meisterwerk, der Erweiterung des Nationalparks Serranía de Chiribiquete. Einem großen Gebiet des kolumbianischen Amazonas mit einer Fläche von 10.546.692 Hektar, fast 16.600 Quadratmetern, umfasst. Dass das größte Schutzgebiet innerhalb aller kolumbianischen Nationalparks darstellt.

1989 umfasst die ursprüngliche Fläche des Nationalparks ungefähr die Größe von Haiti, mit der Erweiterung 2013 wuchs das Gebiet in etwa auf die Größe von Belgien an. Jetzt ist der Park das größte tropische Regenwaldreservat der Welt, und garantiert den Schutz der oberen Becken der vier Hauptzuflüsse zum Amazonas in Kolumbien: Apaporis, Guaviare, Vaupés und Yarí.

Paläo-Amerikanische Hinterlassenschaften

Man nimmt auch an, dass in diesem Nationalpark die größte Auswahl an Höhlenkunst der Welt erhalten ist: 50 Tafeln von einer durchschnittlichen Höhe von rund 7 Metern, mit etwa 70.000 Bildern aus der Zeit der Paläo-Amerikaner bis zum heutigen Jahrhundert. Auf den Zeichnungen sind Tiere wie Cachicamos (Gürteltiere), Chigüiros, Micos, Faultiere, Hirsche und Schlangen, sowie Kaimane, Schildkröten, Vögel, Fische und Insekten zu sehen. Bei den dort dargestellten Pflanzen sind vor allem „Nutzpflanzen“ vertreten, insbesondere solche, die psychoaktive Substanzen wie Barbasco, Yopo, Ayahuasca und Coca enthalten.

Fotos: Carlos Castaño Uribe – Email of author, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30746627

In Chiribiquete sind die ältesten Siedler Amerikas bis heute dokumentiert, sie hinterließen Piktogrammen, die etwa 20.000 Jahre alt sind. Dabei sollte man sich in Erinnerung rufen, dass die Entdeckung Amerikas erst vor 526 Jahren stattfand und die Überreste der ersten Siedler des Kontinents, die durch über die Beringstraße aus Asien kamen, zeigen, dass diese zwischen 15.000 und 14.000 v. Chr. erstmals den amerikanischen Kontinent betraten.

„So sah der Planet im Präkambrium aus, in seinen Anfängen. Es gab kein Leben. In Chiribiquete findet man Überreste dieser Zeit“, erklärt der Wissenschaftler Carlos Jaramillo, der am Smithsonian Tropical Research Institute in Panama arbeitet. Er ist Geologe, mit einem Master in Geologie und einem Doktortitel in Geologie und Botanik, Mitglied der Kolumbianischen Akademie der Physik- und Naturwissenschaften Kolumbiens. Bekannt wurde er als Wissenschaftler mit der Entdeckung, dass die Landenge von Panama nicht vor 5 Millionen Jahren, sondern bereits vor 20 Millionen Jahren entstand, was neue Paradigmen in der Geologie und Paläontologie des amerikanischen Kontinents einführte.

Der Nationalpark Serranía de Chiribiquete ist das größte Biodiversitätsreservat Kolumbiens und wurde kürzlich von der UNESCO, wegen seines naturkundlichen und kulturellen Wertes, zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Da die Serranía als Weltkulturerbe anerkannt ist, ist sie weltweit als wunderschöner Ort auf dem Planeten bekannt, und Kolumbien verpflichtet sich, seine Integrität zu garantieren. Im Gegenzug erhält er eine Beratung durch die UNESCO.

Die Serranía ist die Heimat von 30 Prozent der Ökosysteme und Flora des kolumbianischen Amazonas. Dazu kommen 60 Fledermausarten (von insgesamt rund 200 registrierten Arten in Kolumbien, dem nach Indonesien zweitgrößten Land der Welt in Bezug auf die Fledermausartenvielfalt) und 5 Prozent der im Land bekannten Schmetterlingsarten (60 von insgesamt rund 200 Arten).

Zu diesen Ergebnissen kam der Wissenschaftler Patricio von Hildebrand, der insgesamt zehn Jahre dort forschte. Von 1992 bis zum erzwungenen Ende seiner Tätigkeit 2002, konnte er im Nationalpark eine Natur beobachten, in die es kaum menschliche Eingriffe gab. 2002 wurde Hildebrand dann aber vom Kommandanten der Guerilla von Araracuara aufgefordert das Gebiet zu verlassen. Was er und seine Kollegen auch taten.

Wie in allen Schutzgebieten, gibt es aber auch in diesem Fall Gefahren und Bedrohungen. Die Serrania ist da keine Ausnahme. Die erste Bedrohung ist der globale Klimawandel, der die klimatischen Bedingungen so verändert, dass die Vielfalt dort verloren gehen kann. Das andere ist die öffentliche Ordnung, die Verwaltung, insbesondere das Gebiet der Nationalparks. Illegale Besetzung. Bewaffnete Gruppen. Holzeinschlag, illegale Ernten, Antipersonenminen, Bau von Infrastrukturen wie Brücken und Straßen, die von der Guerilla für ihren Kampf gegen die Regierung gebaut wurden. Außerdem Bergbau und Viehzucht in Nationalparks, und noch viele andere verbotene Aktivitäten.

Der Nationalpark Serranía de Chiribiquete schließt sich den fast 37 Millionen Hektar Nationalparks von ganz Kolumbiens an. Sightseeing ist vorerst nicht erlaubt.

Ein Gastbeitrag von Enrique Rodríguez Andrade.