Man kann sich nicht verabschieden, ohne vorher „Hallo“ gesagt zu haben. „Hallo“ und „Goodbye“. Diese beiden Worte sind zwei wertvolle Versprechen – sie versprechen mit jemandem zusammen zu sein, sich um ihn zu kümmern, mit ihm befreundet zu sein und nicht allein in dieser verwirrenden Welt zu lassen. Die meisten unserer Lieder, Filme und Theaterstücke handeln davon, eins zu sein, ein Paar zu sein. Das alles beginnt mit einem „Hallo“.

„Hallo“ wird durch einen Aufwärtston gesprochen. Dieses Wort ist voll von Versprechungen, dem Versprechen mit jemanden zusammen zu sein, sei es als ein guter Freund oder in einer gemeinsamen Beziehung. „Hallo“ ist eines der positiven Worte in unserer Gesellschaft.

Der Beatles-Song von Lennon/McCartney „Hello Goodbye“ kann verwirrend sein. Er handelt von zwei Menschen, die zusammenbleiben möchten, aber dennoch das Bedürfnis haben voneinander getrennt zu leben.

You say Stop and I say Go, go, go”.
Oh no. You say “Goodbye” and I say hello
Hello, hello I say Hello”.
I don’t know why you say “goodbye: and I say “hello”

„Hallo“ ist in der Tat ein starkes Wort. Es ist das Erste, was wir einander sagen, unser erstes Wort, wenn wir einem Fremden begegnen – es beinhaltet ein Versprechen – eine Zukunft. Welches Versprechen? Nicht allein zu sein. Abschiede zu vermeiden, die nach dem „Hallo“ unweigerlich auftreten können.

Der Abschied hat ein nach unten gerichtetes Ende. Ursprünglich bedeutete er einmal „Gott sei mit dir“. Heute scheint der Abschied vor allem dann gefürchtet zu sein, wenn eine Beziehung zu Ende geht, oder ein Job, den man mochte. Er bedeutet, wieder allein zu sein. Die Hoffnung ist verloren. Ich bin wieder allein, ohne das Versprechen der Hoffnung, mit einem anderen zu teilen. Kein anderes gebräuchliches Wort ist so bedrohlich und voller Bedauern „Goodbye“.

Ich habe erlebt, dass es nur ein „Hallo“ und „Goodbye“ gibt, das nicht in Filmen oder auch im wirklichen leben erwähnt wird. Ich fand heraus, dass es nur eine wahre buchstäbliche Einheit mit einer anderen Person gibt. Ich fand es heraus, als ich mit meinem Sohn schwanger war.

Damals war ich ahnungslos. Ich sagte: „Hallo süßes Baby in mir“ – zwischen Übelkeit und Erbrechen, weil ich mir wünschte, dass diese gemeinsame Schwangerschaft vorbei wäre. Die Schwangerschaft ist ein langer Weg. Beide Protagonisten sind gezwungen, das Wunder des Lebens zu erkennen, das nur darauf beruhte, dass sich eine Eizelle und ein Sperma trafen und miteinander vereinten. Im Inneren der Gebärmutter begann eine winzige Zelle zu wachsen. Selbst wenn der Fötus die gefährlichen ersten drei Monate seine Entwicklung gemeistert hat, so hat der Kampf zwischen der Angst sich verabschieden zu müssen und der Freude neues Leben begrüßen zu können, doch erst begonnen. Ich erinnere mich. Die Tritte des kleinen Kindes in mir, kamen mir vor, wie das Schlagen der Flügel eines Schmetterlings. Ich habe mit meinem kleinen Baby gesprochen, was mir ein besseres Gefühl gab, auch wenn ich mich in die Toilette übergeben musste.

Es löst starke Gefühle aus, diesen Fötus in sich kennenzulernen. Man ist sprichwörtlich eins, aber es noch mehr. Es ist das erste Mal, dass man nie alleine ist. Meine Mutter fand erst heraus, dass sie schwanger war, als sie mit einem Ausschlag zum Arzt ging. Der Arzt teilte ihr mit, dass sie bereits im 5. Monat schwanger war – mit mir, einem Eindringling, der ihr noch mehr Arbeit machen würde, mehr als nur mit den anderen Kindern. Einem Junge im Alter von sechs Monaten und eine Tochter im Alter von drei Jahren. Mein Vater hasste Kinder, was ihn aber nicht davon abhielt ungeschützten Sex mit meiner Mutter zu haben. Und für meine Mutter war ich ein weiterer Grund, von meinem Vater gedemütigt zu werden. Kurz nach meiner Geburt ging sie. Wie alle Kinder, die unerwünscht, aber gezwungen sind, in einem hasserfüllten Wohnheim zu leben, das mit Angst, Wut und Hoffnungslosigkeit gefüllt ist, war ich allein auf mich gestellt.

Aber mein süßer kleiner Fötus war mit Blumen der Anbetung gefüllt. Es war ein wunderbares, tief geistliches Gefühl der Einheit, das ich empfand, es war ein Abschied vom Alleinsein. Das erste Mal, dass man so tief liebt, und es als ein langer neun-monatiger Herzschlag wahrnimmt. Es ist ein Abschied von mir – und ein Hallo zu einem uns.

Es war eine Zeit mit vielen „Hallos“ zu meinem kleinen wunderschönen Baby. Ich sang, er bewegt sich im Takt der Musik. Wir teilten uns meinen Herzschlag. „Goodbye“ zur Morgenübelkeit, „Hallo“ zu meinem wachsenden Bauch, der allen zeigt, was ich nun erleben darf. Ich war seine Beschützerin. Irgendwann war mein Bauchumfang so groß, dass der Sicherheitsgurt an meinem Auto nicht mehr anzulegen war.

Aber irgendwann kam die Zeit, in der wir uns von dieser gemeinsamen Schatzsuche verabschieden mussten, um uns gegenseitig finden zu können. Wir mussten uns trennen. Ich spürte, wie die Zeit dieser Trennung immer näherkam, meine Gebärmutter rebellierte, meine Arme waren bereit, dich zu umarmen. Es sollte ein neues Abenteuer beginnen. Wir hielten durch, bis wir dem Lied von Mutter Natur nicht mehr widerstehen können, um dich zum ersten Mal überhaupt zu befreien.

Meine Gebärmutter weckt mich, mein Teil an unserem Abschied begann. Ich wollte schön aussehen für meinen Sohn, bereitete mich vor. Andre sollte er heißen, wie einst der König von Lettland. Während ich mich vorbereitete, wartete mein Mann nervös auf mich. Es dauerte zwei Minuten von Wehe zu Wehe. Ich mache mir keine Sorgen, ich weiß, dass mein Sohn in Sicherheit war, und unser Abschied begonnen hatte.

Der Geburtshelfer stand auf Abruf, Ich bete still, dass er pünktlich kommt. Allerdings kommt ein sehr lautes „Hallo“ aus meinem Mund – man sagt mir, dass man mir einen Einlauf machen muss. Später hat mein Sohn immer ein betroffenes Gesicht gemacht, wenn ich ihm erzählte, dass ich deshalb zwei Wochen lang Durchfall hatte. Mein Andre ist still – seine Karateschritte sind weg und mein Herz weiß, dass es vorerst Abschied nehmen muss. Die Wehen sind so stark, dass sie mich durchrütteln. Ich will mich übergeben, ich versuche den Notfallschalter zu drücken. Mein Arzt erscheint und versichert mir, dass alles in Ordnung ist. Ich bekomme eine Injektion gegen Schmerzen.

Niemand weiß von den Jahren des Missbrauchs. Ich lernte, wie man mit Folter umgeht und starrte auf die Wand. Der Arzt und die Krankenschwestern staunten, dass es keine Tränen wegen der schmerzenden Gebärmutterkontraktionen gab. Kein Schreien, Schreien, Schreien, es alle wissen lassen, die Schreie unseres langen Abschieds. Die Abschiedstrauer begann bereits. Die Trauer ist schon hier. Es ist der Verlust unserer Einheit. Es ist Zeit für uns beide, uns kennenzulernen, einander als Sohn und Mutter.

Mein Mann hält nun meine Hand. Plötzlich weinte mein kleines Baby, dann sah ich ihn und sagte zu meinem Baby: „Da bist du, meine Andre.“ Das größte Hallo meines Lebens und die Ruhe meines Abschieds von unserer vergangenen Einheit. Es ist der Beginn des Kampfes, das Glück mit der Traurigkeit in Einklang zu bringen. Wir waren eins, und jetzt sin wir zwei.

Ein großes Hallo an meinen Sohn. Er weiß nichts von der Kälte und mir bricht das Herz. Mein Baby, mein süßer, süßer Sohn. Ich sage „Hallo“, mein süßes Baby und über mir ragt die Dunkelheit, die wartet, wartet, wartet, um „Hallo“ zu sagen und mich in die tiefe Trauer des Abschieds zu ziehen.

An alle Frauen, die den Postpartum Blues haben, glaubt nicht, was die Männer sagen!

Es sind nicht unsere Hormone, die diesen rutschigen Abhang der Depressionen verursachen. Männer betrachten es gerne als Hormonprobleme – sind wir Frauen nicht immer von Hormonen geplagt? Sie kennen nicht die lange Geschichte von jenen Monaten der Schwangerschaft. Sie wissen nicht, wie es sich anfühlt mit einem Wesen wirklich eins zu sein. Wir spüren in diesem Moment die Tiefe des Abschieds.

Wir sind in eine merkwürdige Zeit der Begrüßung und Verabschiedung eingetreten, von abhängig bis unabhängig, ein komplizierter Tanz. Für Mütter und Babys gibt es einen Geheimcode. Es ist von bedingungsloser Liebe vom Schoß bis zur Hölle – ein lebenslanges Kontinuum von „Hallo“ und „Goodbye“, von dem wir jetzt wissen, dass unsere Liebe bedingungslose Liebe war und immer sein wird.

Elizabeth J. Zemdegs

Elizabeth J. Zemdegs Entrepreneur/Visionärin/Schriftstellerin – gründet Unternehmen, an die nie zuvor gedacht wurde, bringt neue Anschübe von Wohlstand und wirtschaftlicher Hoffnung, wohin sie auch geht. Liebt Fallschirmspringen, Tauchen, Skifahren - Psychotherapeutin, Model.
Elizabeth J. Zemdegs

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