Ich werde wissen, wenn du gehst.
Tief einatmen wird die Zeit,
aufreißen wird die Wolkenecke,
hinter der das Licht sich verbarg,
und einen Sonnenstrahl befreien
als deinen letzten Gruß.

Ich werde wissen, wenn du gehst.
Du wirst durch die Wipfel der Bäume rauschen
Und mir unbekannte Worte flüstern,
die nur die Jahre mich lehren können,
und dann wirst du die Zugvögel
auf ihre Reise schicken.

Ich werde wissen, wenn du gehst.
Das letzte bunte Blatt wird fallen
Vom letzten der herbstlichen Stämme
Und mit ihm wird die Welt sich schlafen legen,
um auszuruhen, einen ganzen Winter lang.

Und wenn sie wiedererwacht,
Monate entfernt vom heutigen Tag,
wenn die Hitze wiederkehrt,
um meinen Nacken zu liebkosen,
wenn die Krokusse und Schneeglöckchen
erneut erblühen und die Vögel
zurückfinden in unser Land,

dann wirst du unter ihnen sein,
unsichtbar, und doch berührbar,
still und doch präsent,
anders, und doch lächelnd.
Und ich werde wissen,
dass du niemals gegangen bist.

Theresa Rath

Ich wurde im Jahr 1991 in Neuss am Rhein geboren. Seit ich einen Stift halten kann, schreibe ich. Im Jahr 2009 erschien mein erster Gedichtband namens „Kleines Mädchen mit Hut“ beim Berliner Verlag Periplaneta. Im Jahr 2012 erschien mein Kurzgeschichtenband „Die Ketten, die uns halten“. Ich bin seit 2017 festes Mitglied im Dichtungsring, einer Berliner Lesebühne, die alle zwei Monate in einer Neuköllner Bar stattfindet. Im Sommer 2018 stellte ich meinen ersten Roman fertig. Ich schreibe auf Deutsch und Spanisch. Wenn ich nicht schreibe, arbeite ich als Rechtsanwältin in Berlin.
Theresa Rath

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