Sie hatte Glück, ja, sie hatte wirklich Glück gehabt. Na ja, vielleicht nicht im allgemeinen Sinn und im Vergleich zu Lottogewinnern, oder Leuten, die wissen wer mit Edmund Hillary auf den Mount Everest gestiegen war. Ihr Glück bestand nicht aus der frisch eingezahlten Fernsehmillion auf dem Konto. Es war jenes Glück, bei dem man es schlicht hätte, schlechter treffen können. Dieses Glück, dem man sich erst bewusst wird, wenn man sieht wie schlecht es andere getroffen hatten.

Oksana lehnte über die Reling der Fähre und lies sich vom Wind das kaum schulterlange Haar zerzausen. Neben ihr rauchte ihre Kollegin Maria gerade die letzten Züge ihrer Zigarette, um den übriggebliebenen Stummel dann achtlos ins Hafenwasser zu schnippen. Ein paar Meter von ihnen entfernt öffnete sich gerade der riesige Bug wie das Maul eines Seeungeheuers und die ersten Lkws würden bald im Bauch des Ungetüms verschwinden. Hinter den beiden jungen Frauen war es stockdunkel, der Englische Kanal war in einem sternenlosen Schwarz verborgen. Doch vor ihnen strahlten nicht nur die Lichter von Ostende, sondern vor allem der fast taghell erleuchtete Kai, auf dem sich die Lkws zur Überfahrt vorbereiteten. Die Scheinwerfer des Hafens ließen die Szenerie so hell erscheinen, dass die Lichter der Lkws überflüssig wurden.

„Komm, die Alte wird sonst wieder sauer.“, murmelte ihre Kollegin ihr zu, doch Oksana nickte nur kaum merklich und sagte: „Gleich, noch ein paar Minuten.“

„Gut, aber vergiss nicht, sie hat dich ohnehin schon auf dem Kiker.“

„Soll sie doch.“

Oksana konnte sich noch gut an den Tag ihrer Abfahrt aus Kiev erinnern. Damals war ihr Haar noch etwas länger gewesen und nicht ganz so blond, und darunter steckte ein Kopf voller Träume. Voll von diesen dummen Illusionen es im reichen Westen zu etwas zu bringen. In Deutschland, Frankreich oder am besten in England. Diese Illusion hielt sich hartnäckig, obwohl man nur von den wenigsten jungen Frauen hörte, für die sich diese Illusion erfüllt hatte. Sicher, einige schickten recht bald ab und zu etwas Geld nach Hause. Aber auch wenn keiner darüber sprach, wusste jeder womit dieses Geld verdient wurde. Und weil niemand darüber sprach, hielt sich die Illusion eben so hartnäckig. Oksana wusste sehr wohl, worüber man da nicht sprach. Sie war 22, kein kleines Kind mehr. Aber auch sie verdrängte es so weit nach hinten, dass es sie zumindest nicht mehr davon abhalten konnte die Reise anzutreten. Sicher wäre sie ein Mann, einige Dinge wären anders und wohl auch besser. Für Männer hatte man vielseitigere Verwendungen, für Frauen blieb aber allzu oft nur die in der Heimat unausgesprochene Sache.

Oksana spürte oben an der Reling eine kleine Erschütterung, als die Brücke vollkommen heruntergelassen war und die Männer unten damit begannen die Lkws hereinzuwinken. Jetzt wurde es wirklich Zeit. Oksana kannte ihren Weg runter in die Kantine bereits im Schlaf, und als sie die Küche durch den Hintereingang betrat, waren die großen Töpfe mit dem Essen bereits bereitgestellt. Gleich daneben stand die Alte mit verschränkten Armen und einem rechten Fuß, der ständig auf der Stelle trappelte. Sie warf Oksana einen grimmigen Blick zu, lies es aber dabeibleiben und hob den ersten Sieb mit Pommes aus der Friteuse. Oksanas Kollegin von vorhin öffnete ihr die Tür und warf ihr ein leises Lächeln zu, bevor sie den Behälter mit den Nudeln nahm und ebenfalls ihrer Arbeit nachging. Das ganze Spiel dauerte keine zehn Minuten, dann war alles von der Küche hinter die Theke geschafft und die Alte machte ihren wohlverdienten Feierabend. Die beiden Frauen atmeten sichtlich auf, als sie durch die Hintertür verschwand und sich in ihre Kajüte zurückzog.

„Ich sag dir, irgendwann werf ich sie über Bord.“, zischte Maria vor sich hin, während sie hinter der Theke auf die ersten Lkw-Fahrer wartete.

„Bringt nichts, ich wette die kann schwimmen wie der Teufel. Schließlich muss sie mit ihm verwandt sein.“

„Wahrscheinlich. Kommst du heute mit mir in die Bar, wenn du fertig bist?“

„Hmm, gern.“


„How good is your English Miss Timoschenko?“ Der dicke Mann lehnte sich in seinen Chefsessel zurück und kaute auf seinem Kaugummi herum als gebe es kein Morgen.

„Good!?“

„Good, really? Tell me something about you.“

„Okay, I’m Oksana Timoschenko, born in Kiev, Ukraine.“

„Ach, lassen sie’s bleiben. Sprechen sie auch etwas Deutsch?“ – Oksana zuckte mit den Schultern. – „Holländisch oder Französisch?“, er begann weiter in Russisch zu sprechen, „Na ja, das was sie wissen müssen wird man ihnen dort ohnehin noch in allen Sprachen beibringen.“ Er stand auf und baute sich in seiner ganzen Leibesfülle vor ihr auf. „Damit wir uns klar verstehen, das ist keine Touristenfähre, auch wenn sie genauso aussieht. Die meisten Räume sind abgesperrt, offen ist nur eine kleine Kantine und die Bar. Die Passagiere sind Lkw-Fahrer, so gut wie ausschließlich. Die kriegen pro Überfahrt ein Bett und ein Essen dazu und in der Bar müssen sie dann zahlen. Genaueres wird man ihnen noch auf der Fähre erzählen.“

„Dann habe ich den Job?“

Der dicke Mann verschränkte die Arme vor der Brust und schien sie aufmerksam zu mustern. Auf die aufdringliche Art und Weise, als würde er sie mit den Augen ausziehen. Oksana spürte das, aber sie brauchte den Job und sie brauchte ihn so dringend, dass sie sich für ihn auch in der Realität ausziehen würde. Dahinter lag doch eine gewissen Ironie, schließlich brauchte sie diesen Job, weil sie sonst wirklich nur noch diese Sache machen konnte, über die man in ihrer Heimat nicht sprach. „Ja, ja, sie haben ihn. Aber erst mal auf Probe.“


Ihr Vorstellungsgespräch war jetzt fast schon fünf Jahre her, seitdem fuhr sie auf der Fähre ständig zwischen Ostende und Ramsgate hin und her. Es war nicht der beste Job ihres Lebens, schließlich war eine Fähre kein Kreuzfahrtschiff. Schon gar nicht, wenn sie hauptsächlich zum Lkw-Transport eingesetzt wurde. Sie fuhr gut eine Woche lang und hatte dann ein paar Tage frei. Das Geld, das sie dabei verdiente war kein Vermögen, nicht einmal ein kleines. Aber es genügte um zu (über-)leben und es reichte sogar, um sich monatlich etwas zurückzulegen. Ihre Ersparnisse waren kaum der Rede wert, aber in ihrer Heimat würde sich mit der Summe schon etwas anfangen lassen.

Der erste Fahrer knallte sein Tablett auf die Schiene vor der Theke und begann sich mit Salaten und Vorspeisen zu versorgen.

Schließlich konnte er soviel essen wie er wollte, und da hieß es doch nach einer langen LkW-Fahrt zuzuschlagen. „Good morning.“, murmelte er in einem scheußlichen Akzent, schließlich war es schon fast zwei Uhr morgens. „The pommes and chicken.“ Er deutete noch auf das was er wollte und Maria lächelte nur. Die wenigsten deutschen Fahrer schienen zu begreifen, dass „Pommes“ auf Englisch „Chips“ hießen. Aber die beiden wussten inzwischen ja was die Fahrer unter „Pommes“ verstanden.

„What want you to drink?“, schob sich Oksana neben ihre Kollegin.

„Beer.“

Sie ging ein paar Schritte nach hinten, griff nach einer der grünen Bierflaschen und reichte sie dem Fahrer geöffnet über die Theke hinweg. So lief das Spiel eine ganze Weile. Obwohl das vielleicht etwas übertrieben war, in dieser Nacht hatten gerade mal zehn Lkws den Weg auf die Fähre gefunden, an Fahrern tauchten also bestenfalls ein Dutzend Männer auf. Die meisten würden ohnehin nur etwas essen und dann für die restlichen zwei bis drei Stunden lieber in der Kabine schlafen. Die Ein-Uhr-Fähre war immer am ruhigsten, das war auch nötig, schließlich hatten sie dann schon einen langen Tag hinter sich. Auf der anderen Seite wurde die Zeit dann lange, bis sie die Theke dicht machen konnten. Eine halbe Stunde bis nach der Abfahrt mussten sie warten, auch wenn die letzten Fahrer schon nach spätestens zehn Minuten kamen.

Maria räumte nach gut zwanzig Minuten die ersten Tische ab und ging dann quer durch die Tische an die Bar auf der gegenüberliegenden Seite. Sie lies die Rollladen nach oben fahren und knallte die Videofilme auf die Theke. Die ersten Fahrer kamen schon und einer von ihnen machte sich gleich an die Auswahl eines Films. Auf der anderen Seite lehnte Oksana an der Tür zur Küche und blätterte in einer alten Ausgabe der englischen Cosmo. Nach ein paar Minuten legte sie die Zeitschrift zur Seite und kam hinter der Theke hervor, um ein paar leere Tische abzuräumen. Einer der Fahrer fragte sie nach einer Tüte, weil er etwas von dem Brot mitnehmen wollte. Sie nickte und lächelte ein „Sofort“ heraus, räumte aber erst den Tisch nebenan ab, bevor sie ihm eine Tüte holte. Er war der letzte vor der Kantine, ging aber in seine Kabine, nachdem er sich ein paar Scheiben Brot eingepackt hatte. Er war nicht der einzige Fahrer, der sich immer etwas von dem Brot mitnahm. Offensichtlich schmeckte den Fahrern das Brot, auch wenn sie sich nicht vorstellen konnte warum. Auf der anderen Seite lief schon der Videofilm, noch immerhin fünf Fahrer hatten sich vor dem unter der Decke hängenden Fernseher versammelt und tranken ihr Bierchen. Oksana lies die Rollladen der Kantine herunter, räumte die restlichen Tische ab und schlängelte sich dann zwischen ihnen hindurch in den kleinen Barraum. Maria holte gerade eine Flasche Becks aus dem Kühlschrank und rechnete dem Fahrer den Umrechungskurs von Euro auf Pfund vor, bevor sie sein Geld nahm.

„Was sehen sie sich heute an?“, flüsterte Oksana ihr auf Russisch zu.

„Diesen Vampirfilm.“, seufzte Maria, „Der ist in letzter Zeit beliebt, was weiß ich warum.“ Sie setzte sich zu ihr auf den zweiten kleinen Hocker, so dass nur noch ihre Haare über die Theke hervor sahen. Sie unterhielten sich leise, auch wenn der Lärm der Fähre, das Gerede der Fahrer und der Fernseher auch lautere Stimmen übertönt hätten.

„Hoffst du immer noch, dass sich irgendwann einer diesen romantischen Film aussucht, den du ständig in den Stapel schmuggelst?“, Oksana schüttelte lächelnd den Kopf, „Schau dir die Leute doch an, Trucker sehen sich doch nicht solche Filme an. Zumindest nicht, wenn sie ihre Frauen nicht dazu zwingen.“ Sie schwieg, als einer der Fahrer sich über die Theke beugte und sprach erst weiter, nachdem Maria ihm ein Bier gegeben hatte. „Glaub mir, deinen Film werden sie nie aussuchen.“

Maria nickte nur und setzte sich wieder zu ihr nach unten. „Willst du manchmal auf eine Passagierfähre, ich meine mit deinem Englisch würden sie dich nehmen.“

„Keine Chance, die nehmen da nur Engländerinnen. Auf so’ner Fähre müssen sie ja eh‘ mehr zahlen. Ich bin hier ganz zufrieden, auf’ner Passagierfähre wär’s mir wahrscheinlich zu stressig.“ Sie deutete mit einem Kopfnicken zur Theke hoch, wo einer der Fahrer gerade einen Baileys verlangte.

„Ich weiß was du meinst.“, sie setzte sich wieder zu ihr, „Wir sind nur gut genug für Trucker.“

„Klingt ziemlich abwertend.“

„Soll auch so klingen. Was meinst du über was die sich unterhalten, wenn wir mal nicht zuhören.“

„Darüber wer von uns den knackigsten Hintern hat, und ich glaube du liegst vorn.“

Ihr erster Tag damals war nicht gerade perfekt verlaufen. Spätestens als sie der Alten einen Plastikbecher mit kaltem Kaffee über das weiße Hemd geschüttet hatte, war sie eigentlich davon überzeugt gewesen gleich wieder gefeuert zu werden. Der Seegang war nicht gerade ruhig gewesen, an ihrem ersten Tag zeigte sich der Englische Kanal von seiner unfreundlichsten Seite. Oksana hatte Mühe ihre Seekrankheit zu überspielen, denn sie hatte gehört das jeder der auch nur einen Anflug davon zeigte auf der Stelle gleich wieder gehen konnte. Als sie an diesem Abend, oder besser am nächsten Morgen, gegen fünf Uhr in ihre Kabine kam, war sie davon überzeugt bei nächster Gelegenheit wieder von Bord gehen zu müssen. Sie ging in das kleine Bad, das sie wie die Kabine mit drei weiteren Frauen teilen musste und löste die aufgeschlagene Tür von dem Magneten, der diese auch bei starkem Seegang ruhig hielt. Sie knallte die Tür hinter sich zu und lehnte sich mit den Armen auf das Waschbecken, während sie ihr müdes Gesicht im Spiegel betrachtete. Sie hatte sich selbst nie wirklich hübsch gefunden. Ihr Gesicht war zu lang, das Haar zu schlaff, sie war zwar schlank, aber ihr Becken und ihre Oberschenkel fand sie schon immer viel zu dick. Ihre Mutter hatte es einmal in der ihr eignen direkten und unhöflichen Art so bezeichnet: Du bist keine Schönheitskönigin, aber du wirst schon einen Mann finden. Den hatte sie zwar bis heute nicht gefunden, aber das lag wohl auch daran, dass sie schon lange aufgehört hatte zu suchen. Zumindest war die Uniform vorteilhaft geschnitten, die schwarze Hose war weit genug, um jede noch so schlechte Figur darunter zu verbergen. Das gleiche galt für das weiße Hemd, mit den dunkelblauen Abzeichen auf den Schultern. Oksana hatte keine Ahnung was die Zeichen darauf bedeuteten, wahrscheinlich waren es reine Fantasiegrafiken, denn alle trugen die gleichen Abzeichen. Selbst die Alte, obwohl sie sich aufspielte als wäre sie hier der Kapitän.

„Oh man, heute hast du einen Mist nach dem anderen gebaut.“ Sie schreckte auf, als es gegen die Tür klopfte.

„Oksana?“

Am nächsten Morgen standen die beiden in der Küche, um das Frühstück vorzubereiten. „Weißt du, auf einer Passagierfähre könnte man vielleicht einen Mann finden.“, flüsterte ihr Maria ins Ohr, während sie den Kaffeetisch mit frischer Milch und einer Schüssel Zuckerstückchen bestückten. Die meisten der Fahrer waren inzwischen geweckt worden und wollten noch schnell einen kostenlosen Kaffee trinken, bevor sie runter in ihre Lkws mussten.

„Was glaubst du denn, dass dir dort ein Leonardo DiCaprio begegnet?“

„Muss ja nicht unbedingt das Original sein, ’ne gute Kopie reicht auch. Sag bloß du träumst nicht davon, dass dir hier eines Tages dein Märchenprinz über den Weg läuft?“

„Du meinst hoch zu Ross und in strahlender Rüstung? Ist dir je aufgefallen das wir keine Prinzessinnen sind. Und die Mägde werden von den Prinzen wirklich nur in Märchen geheiratet.“

„Du bist zynisch.“, meinte Maria nur und verschwand durch die offenstehende Tür hinter die heruntergelassenen Rollläden der Theke, um dort auf Oksana zu warten.

„Nicht zynisch, sondern realistisch.“, entgegnete sie, noch bevor sie die Tür erreicht hatte. „Schau noch mal aus der Tür und schau dir die Männer da an. Sicher sind ab und zu ein paar nette Kerle dabei.“ Sie warf selbst einen Blick durch die Tür, wo sie gerade zwei Männer dabei beobachten konnten, wie sie sich Kaffee in die bereitstehenden Plastikbecher gossen. „Aber einen Traumprinz ist bestimmt noch nicht darunter gewesen. Und wo willst du auf dem Kahn sonst suchen? Die Einweiser unten, oder die Mechaniker? Die Offiziere rund um den Kapitän sind eh alle verheiratet, die nehmen dich höchstens als Geliebte. Und was das heißt hat die kleine Rumänin, die neulich gefeuert wurde ja gemerkt. Sie treiben es hier an Bord mit dir in jeder Abstellkammer, aber sobald die Fähre angelegt hat, würdigen sie dich keines Blickes mehr. Schließlich wartet im Hafen schon die brave Ehefrau mit den lieben Kleinen an der Hand.“ – Die beiden Frauen blicken sich nachdenklich an und schwiegen eine ganze Weile. – „Gib die Hoffnung nicht auf, vielleicht begegnet dir ja jemand ganz nettes, es muss ja nicht gleich Leo sein.“

„Und was ist mit dir?“

„Ich? Ich werde als alte Jungfer im Altersheim landen. Aber wer weiß, vielleicht läuft mir ja da dann ein Märchenprinz über dem Weg. Vielleicht stoßen unsere Rollstühle aneinander, und Peng, schon bin ich verliebt.“

„Ha, ha, ha. Sehr witzig, nimm mir nur meinen Traum.“ Sie versuchte locker zu klingen, aber in ihrer Stimme lag auch bittere Wahrheit.

„Was? Ach Unsinn, las dir von so einer frustrierten blöden Kuh wie mir doch nicht deine Träume nehmen.“ Sie wurde leicht durchgerüttelt und musste sich am Türrahmen festhalten, um nicht zur Seite zu kippen. „Wir haben angelegt.“

Einer der Fahrer warf ihnen im Vorbeigehen einen Abschiedsgruß in seiner Heimatsprache zu, die beiden Frauen erwiderten ihn fast gleichzeitig in der gleichen Sprache. Fast automatisch, ohne sich dabei Gedanken darüber zu machen in welcher Sprache er war. Zwei andere riefen ihnen ein einfaches „Bye, bye“ zu, und sie taten wieder das gleiche. Keine zwei Minuten später waren sie allein und begannen noch einmal schnell durch die Tischreihen zu gehen. Die Alte schlief zwar und konnte sie nicht mehr kontrollieren, aber wenn sie morgen zum Beispiel einen dieser Einwegaschenbecher aus Plastik auf einem der Tische finden
würde, wäre sicher den ganzen Tag über die Hölle los.

„Ich leg mich gleich schlafen.“, gähnte Maria, „Nur noch ein Tag und dann endlich wieder ein paar freie Tage.“

„Geh nur, ich schnappe noch ein bisschen frische Luft.“

Sie hatte Glück, ja, sie hatte wirklich Glück gehabt. Na ja, vielleicht nicht im allgemeinen Sinn und im Vergleich zu Lottogewinnern, oder Leuten, die wissen wer mit Edmund Hillary auf den Mount Everest gestiegen war. Ihr Glück bestand nicht aus der frisch eingezahlten Million auf dem Konto. Es war jenes Glück, bei dem man es schlicht hätte, schlechter treffen können. Dieses Glück, dem man sich erst bewusst wird, wenn man sieht wie schlecht es andere getroffen hatten. Oksana lehnte über die Reling der Fähre und lies sich vom Wind das kaum schulterlange Haar zerzausen.