Warum ein Kernreaktor unbedingt zum Weihnachtsfest gehört

Warum ein Kernreaktor unbedingt zum Weihnachtsfest gehört

Gefühlt gibt es jedes Jahr 100 neue Weihnachtsfilme, zumindest dann, wenn man auch die TV-Streifen mitzählt. Echte Klassiker gibt es jedoch selten.

Wenn es nach US-Fernsehautoren geht, besteht die klassische Weihnachtsgeschichte aus einer Amerikanerin, die sich einen europäischen Prinzen oder König angelt. Zumindest gibt es inzwischen gut ein Dutzend Filme mit genau dieser Story. Beliebt ist auch die Schneekugel, die entweder im Mittelpunkt steht, oder in die die Akteurin hineingezogen wird. Der amerikanische Scrooge ist bevorzugt weiblich.

Die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens steht im Mittelpunkt vieler Weihnachtsfilme, egal ob Realverfilmung, als Zeichentrick oder Animation, und auch die Muppets hatten bereits ihre eigene Version. Die Geschichte des geizigen reichen Ebenezer Scrooge, der Weihnachten für Humbug hält, und in der Weihnachtsnacht Besuch von den drei Geistern der Weihnacht bekommt, ist heute Allgemeingut geworden. Sie steht auch im Mittelpunkt von Die Geister, die ich rief in dem Bill Murray in einer modernen Variante von 1988. Im Original passenderweise mit dem Titel Scrooged versehen.

Bill Murray schlüpft in die Rolle des Fernsehproduzenten Francis Cross, der Weihnachten zwar für Humbug hält, aber ausgerechnet an Heilig Abend eine weltweite Livesendung auf die Beine stellt, die Dickens Weihnachtsgeschichte in seiner klassischen Form erzählt.

Im Film erlebt Cross allerdings schnell am eigenen Leib, wie sich Ebenezer Scrooge wohl gefühlt haben muss. Er bekommt schnell selbst Besuch von den drei Geistern, die ihm zeigen wie Weihnachten das Herz anderer Menschen erwärmen kann, ihn aber auch zurückführen in seine eigene Kindheit und dem gefühlskalten Weihnachten aufgrund seines Vaters – der ihm aus der eigenen Metzgerei zu Weihnachten ein Kilo Fleisch schenkt. Dabei besonders skurril Carole Kane als Geist der gegenwärtigen Weihnachten, die wirkt wie eine Elfe auf Speed.

Ganz ohne Geister kommt der ein Jahr später entstandene Film Schöne Bescherung aus, der manchmal auch als Hilfe, es weihnachtet sehr betitelt ist. Es ist die Weihnachtsversion der von US-Komikerlegende Chevy Chase kreierten Griswold-Filmserie. Während in den Vorgängerfilmen Die schrillen Vier auf Achse und Hilfe, die Amis kommen jeweils die chaotischen Reisen der Familie Griswold im Mittelpunkt stehen, kommt in diesem Fall die ganze Verwandtschaft zu den Griswolds nach Haus. Familienvater Clark Griswold hat sich vorgenommen das perfekte Familienweihnachten zu veranstalten, was in einem – man hat es erwartet – totalen Fehlschlag endet. Das am Ende der Weihnachtsbaum in Flamen aufgeht gehört dabei noch zu den geringsten Missgeschicken.

Der Film spielt damit, wie schwer es auch bei normalen Familien sein kann ein perfektes Weihnachten zu gestalten. Wenn bei Clark Griswold auch alles eine Nummer größer sein muss, zum Beispiel bei der Weihnachtsbeleuchtung – ohne die anonyme Hand, die den zusätzlichen Kernreaktor ans Netz nehmen muss, damit die Weihnachtsbeleuchtung des Griswold Hauses erstrahlen kann, ist für mich kein Weihnachten.

Und dann ist da noch Ist das Leben nicht schön. Eine Zeit lang gab es in den USA den Trend das jede Serie eine Episode enthielt, in der der Hauptperson gezeigt wurde, wie das Leben der Menschen um sie herum verlaufen wäre, hätte es sie nie gegeben. Die Urgeschichte davon wurde bereits 1946 von Frank Crapa mit James Stewart in der Hauptrolle erzählt – und war kein besonders großer Erfolg.

Der Film verschwand für Jahrzehnte im Archiv, ehe ihn ein Fernsehsender erstmals zu Weihnachten ausstrahlte. Warum? Nun, ja die Copyrightrechte waren abgelaufen und die Ausstrahlung damit kostenlos. Von da an gab es kein Weihnachten mehr, ohne das Ist das Leben nicht schön läuft.

Erzählt wird die Geschichte von George Bailey, der in die weite Welt hinaus will, aber aus seiner Kleinstadt nie herauskommt. Schließlich gründet er dort sogar eine Bank, die Geld an hilfsbedürftige Menschen verleiht ohne allzu viel Wert auf Sicherheiten zu legen. Doch kein Film ohne Schurke, und der nutzt seine Gelegenheit ausgerechnet zu Weihnachten den unliebsamen Konkurrenten Bailey loszuwerden.

In die Enge getrieben sieht Bailey am Ende keinen anderen Ausweg als den Selbstmord. Bis ihm der schusslige Engel Clarence erscheint, um ihm die Welt zu zeigen, wie sie aussehen würde, hätte es George Bailey nie gegeben.

Und ich gebe offen zu, genauso wie mir beim Einschalten des Kernreaktors vor Lachen die Tränen kommen, kommt das ein oder andere Tränchen auch dann, wenn in der Abschlussszene von Ist das Leben nicht schön am Weihnachtsbaum das Glöckchen läutet und George Bailey weiß, dass der Engel Clarence als Belohnung für seine Dienste endlich seine Flügel bekommt.

Thomas Matterne

Thomas Matterne

Thomas Matterne schreibt Geschichten seit er schreiben kann. Sein erster beruflicher Weg führte ihn jedoch in die Online-Redaktion eines Fernsehsenders. Während er jetzt eher im Bereich PR und Marketing unterwegs ist, ist er aber ebenso ein leidenschaftlicher Blogger.

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