Wer war Yoshiko Kawashima?

Als chinesische Prinzessin geboren, wurde Aisin Gioro Xianyu 1948 als japanische Agentin zum Tode verurteilt und erschossen.

1904 geboren, und 1948 hingerichtet, war Yoshiko Kawashima eine der geheimnisvollsten Figuren ihrer Zeit. Ihre Bekanntheit reichte von China bis nach Europa, wo man sie als „Jeanne d’Arc des Ostens“ bezeichnete.

Und dennoch ist Yoshiko Kawashima heute fast vergessen.

1904 wurde sie als Aisin Gioro Xianyu als Tochter eines Prinzen der Mandschu-Dynastie geboren. Damals herrschte noch der Kindkaiser Puyi im Verbotenen Palast in Peking. Doch seine Tage, und die Jahrtausende andauende Zeit der chinesischen Kaiser waren gezählt, als in China 1911 die Revolution ausbrach. Parallel dazu war das benachbarte Japan zu einer Macht aufgestiegen, die gemeinsam mit den Europäern mehr als nur ein Wort in der chinesischen Geschichte mitsprach. Ein Akteur war auch der japanische Agent und Geschäftsmann Nainwa Kawashima, der in den Wirren der Revolution das Mädchen adoptierte und ihr den Namen Yoshika Kawaschima gab.

Über ihre Jahre in Japan ist wenig bekannt, außer dass sie als junge Frau einen Selbstmordversuch unternahm. Und damit begann gerne Männerkleidung, vor allem Uniformen, zu tragen.

Ihre Adoptiveltern jedoch hatten anderes mit ihr vor, sie wollten ihre Herkunft nutzen, um für Japan in China Politik zu machen. So wurde sie mit dem Sohn eines mongolisch-manschurischen Generals verheiratet. Die Ehe wurde aber bereits nach zwei Jahren wieder geschieden. Die Region Mandschuko liegt im Norden Chinas, in den 1930er Jahren begannen die Japaner dort einen Marionettenstaat zu errichten, an dessen Spitze sie den abgesetzten Kaiser Puyi setzten. Daran soll Yoshiko Kawashima durchaus ihren Anteil gehabt haben, zumindest darin den noch immer recht jungen Puyi zu überzeugen das japanische Angebot anzunehmen. Sie soll sogar in jenen fingierten Mordversuch verwickelt gewesen sein, der Puyi endgültig überzeugt haben soll nach Mandschukko zu gehen. Nebenbei nutzte sie ihre Kontakte zum mandschukischen Adel, um ein eigenes Spionagenetz aufzubauen.

Kurz darauf, 1932, war sie aktiv in die Schlacht um Shanghai verwickelt, einem kurzen japanisch-chinesischen Krieg, der mit dem Sieg der Japaner endete. Damals erhielt sie im Westen auch das Prädikat „Jeanne d’Arc des Ostens“.

Für ihre Spionagetätigkeiten war sie damit freilich zu bekannt geworden, und das nicht nur, weil sie auch eine Schallplatte aufnahm. In den folgenden Jahren wurde sie eine Art japanische Lobbyistin in China und natürlich im Marionettenstaat Mandschuko. Als dieser von der einmarschierenden Roten Armee 1945 aufgelöst wurde, floh sie nach Shanghai. Dort wurde sie von republikanischen Kräften gefangengenommen und in einem Prozess, der von 1946 bis 1948 dauerte, schließlich zum Tode verurteilt.