Meine Familie, obwohl nicht perfekt, war das Beste, was ich je in meinem Leben erfahren habe. Es heißt, dass sowohl das Selbstwertgefühl als auch die Identität des Menschen bereits in sehr jungen Jahren geformt werden, und findet dies nicht statt, in der Pubertät Probleme mit dem Selbstwertgefühl auftreten.

Ich erlebte eine glückliche Kindheit, aber voller Unsicherheiten. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich mein Leben erst wirklich zu leben begann, als ich erwachsen wurde. Wie mir das geholfen hat, meine Rolle als Frau, Mutter und heute als engagierte Großmutter auszufüllen, möchte ich Ihnen an dieser Stelle berichten.

Drei Dinge prägten mich ein Leben lang: 1) die eiserne Disziplin im Hause meiner Mutter, 2) das Mitgefühl meines Vaters angesichts meiner Rebellion und Disziplinlosigkeit in der Schule und 3) die tiefe und bedingungslose Zuneigung, die ich von meiner Großmutter väterlicherseits erhielt. Ich glaube, dass ich nicht ich selbst geworden wäre, wenn eines dieser drei Dinge gefehlt hätte, denn mein Privat- und Berufsleben war aufgrund dieser Kindheitserfahrungen das, was es wurde.

Mit der Gelassenheit, die mir der Lauf der Zeit gibt, kann ich akzeptieren, dass diese Disziplin so positiv war, dass ich die Verantwortung selbstständig übernehmen konnte, sobald ich das Haus verlassen hatte. Als ältestes von sechs Geschwistern in einer Arbeiterfamilie musste ich die Verantwortung für die Erziehung meiner Geschwister mit-übernehmen, bis ich mich im Alter von fünfzehn Jahren entschied, das Haus zu verlassen.

Trotz ehrlicher Versuche, weniger strenge Methoden in der Erziehung meiner drei Kinder anzuwenden, musste ich meine eigenen Erfahrungen oft gewissermaßen weitergeben, wenn ich es für notwendig hielt. Hätte ich nicht sofort und entschlossen gehandelt, hätte ich nicht verhindert, dass eines meiner drei liebenswerten Kinder ums Leben kommt.

Andererseits halfen mir die Reaktionen meines Vaters auf meine Taten der Disziplinlosigkeit und Rebellion in der Schule, den eigenen Widerstand meiner Kinder (und sogar meiner Schüler) mit einem gewissen Maße an Komplizenschaft zu betrachten, und zu wissen, wie man damit umgehen kann. Ich glaube nicht, dass ich als Pädagogin so erfolgreich gewesen wäre, wenn ich nicht gewusst hätte, wie es sich anfühlt, auf der anderen Seite zu stehen.

Zuneigung ist für jede der Rollen, die ich in meiner Jugend und im Erwachsenenalter übernommen habe, von wesentlicher Bedeutung. Jedes Mal, wenn es notwendig war, Lebensentscheidungen zu treffen, ist die Zuneigung gewachsen und ich wollte immer das Beste für meinen Mann und meine Familie. Es ist gut, dass Zuneigung der Träger dieser Botschaft ist. Zuneigung, die ich schon immer vermitteln wollte, denn nur auf diese Weise glaube ich, dass sie das Herz derjenigen erreicht, die uns alle in unserem Leben begleiten und dort eine nachhaltige Wirkung erreichen kann.

Wir müssen verstehen, dass, obwohl das Zusammenleben schwierig ist, wir mit der innigen und liebevollen Hilfe der Familie in der Lage sind, eine eigene Identität aufzubauen – die wir als fast exklusiv empfinden. Ich konnte dies vor allem in schwierigen Momenten erleben, und es hat mir geholfen zu verstehen, wann immer es notwendig war, die Menschen, die ich liebe, zu erkennen, damit sie das Licht selbst finden können.

Als Ehemann und Vater wird man leider nicht explizit, sondern implizit vorbereitet. Es gibt Dinge, die wir beobachten und nach unseren Erfahrungen bewerten. Ich hatte das Glück, in meinem Mann eine außergewöhnliche Person zu finden, die mich bedingungslos liebt, mit der ich eine Familie aufbauen konnte, die auf Respekt und Zuneigung basiert. Ich glaube, er zeigt zwei Eigenschaften, die ich an meiner Großmutter geliebt habe, und das macht mich sehr glücklich. Seine Spiritualität und seine Fähigkeit, direkt und offen Zuneigung zu zeigen. Obwohl wir aus zwei sehr unterschiedlichen Kulturen kommen (Guajira und Santander [Hinweis des Übersetzers: zwei Regionen in Kolumbien]). Er ist ein Mensch gewesen, der keine Angst hatte, seine Gefühle zu zeigen, etwas, mit dem ich gelernt habe zu leben und durch das ich entdeckt habe, wer ich wirklich bin. In dieser Familie wachsen wir weiter, wir haben drei Kinder zusammen, auf die wir stolz sind, ich habe große Momente erlebt und wir haben in guten und schlechten Zeiten zusammengehalten.

In vielen Büchern und Zitaten finden wir die Botschaft, dass die Familie eine zentrale Achse ist, dass sie wichtig ist und dass wir uns um sie kümmern und sie fördern müssen. Das ist in meiner Familie geschehen. Die Familie, die ich zusammen mit meinem Mann gegründet habe, ist der Ort, an dem meine Identität entstanden ist. Sie ist die Grundlage für das Selbstwertgefühl, das uns hilft, unseren Lebenssinn zu verstehen. Diese Erfahrungen geben uns gute Gründe, nicht zu unterschätzen, dass in unserem täglichen Leben plötzlich die Dinge in einem Augenblick verändern können.

Disziplin, Empathie und Zuneigung sind grundlegend, um das Familienleben glücklich zu gestalten. Trotz aller Schwierigkeiten ist dies das Rezept, das mir geholfen hat, und ich wollte seine enorme Hilfe mit dir teilen.

Nohora Barbosa de Acosta

Nohora Barbosa de Acosta ist Pädagogin aus Kolumbien mit mehr als dreißig Jahren Berufserfahrung in der IKT-Ausbildung. Sie hat auf der Sekundar- und Universitätsebene unterrichtet und im öffentlichen und privaten Sektor bei der Konzeption und Implementierung von Informationssystemen und Prozessautomatisierung gearbeitet. Nohora ist Mutter von drei Kindern die derzeit in Kolumbien, Deutschland, Spanien und Chile leben.
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