In einer Zeit, in der Autos noch mehr waren als reinen Fortbewegungsmitteln von A nach B, galten Autorennen einst als moderne Ritterspiele.

Das größte Ritterturnier von allen waren vielleicht die 24 Stunden von Le Mans, eine Rennveranstaltung, die heute wie so viele andere ihrer eigenen Legende hinterherfährt. Steve McQueen setzte dem Rennen in den 70ern ein Denkmal aus Hollywood, schien damit aber auch den Schlussstein ins Denkmal zu setzen. Die Autorennen wurden von Jahrzehnt zu Jahrzehnt glatt geschliffener, der Kampf von Mann in Maschine gegen Mann in Maschine wich immer mehr dem glattgebügelten Image eines modernen Formel-1-Rennens, in dem am Ende durch Reglementverstöße eigenen Skandale erfunden werden müssen.

Der Motorsport verschwand zeitgleich aus der Aufmerksamkeit des Kinos. Eine Entwicklung, die spätestens dann als endgültig erschien, als Autos nicht mehr zu einem Stilmittel des Lebensgefühls wurden, sondern zu Umweltverschmutzern und zu überwindender Technik. Das James Mangold Le Mans 66 – Gegen jede Chance in die Kinos bracht, war also schon unter diesem Gesichtspunkt überraschend. Doch Mangold widersetzte sich mit diesem klassischen Stoff auch der zunehmenden Auswirkungen zeigenden LGBT-Kultur, die genderte Themen bevorzugt, aber zumindest ins Drehbuch hineingeschriebene Charaktere. Ein Film in dessen Mittelpunkt zwei Männer, Autorennen und der Ford GT 40 steht, wäre der wohl denkbar ungeeignetste Ort dafür gewesen.

Le Mans 66 erzählt eine reale Episode der Automobilgeschichte, die – vor allem aus amerikanischer Sicht – alles hat, was eine gute Legende haben muss. Inklusive eines Helden, der niemals aufgibt, egal was sich ihm in den Weg stellt.

Die Handlung: Henry Ford II, Enkel von Henry Ford, beschließt eines Tages der als bieder und langweilig verschrienen Marke Ford durch Autorennen neuen Schwung zu verleihen. Einziges Problem, im internationalen Geschäft können die Amerikaner kaum mithalten, ihnen fehlt es an Erfahrung und Knowhow. Aber immerhin nicht an Geld, und so versucht sich Ford das Non-Plus-Ultra des Rennsports einzuverleiben: Ferrari. Enzo Ferrari ist zunächst nicht abgeneigt, die Bedingungen der Amerikaner scheinen fair zu sein, doch als man jenseits des Atlantiks seine Überheblichkeit nicht mehr kontrollieren kann, siegt der italienische Stolz und das Geschäft platzt. Was folgt, musste folgen. Henry Ford II, nun seinerseits in seiner Ehre gekränkt, pumpt Millionen in einen neuen Rennstall, der innerhalb einer Rekordzeit ein neues Rennauto baut  – und in Le Mans grandios scheitert.

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Le Mans 66 erzählt die Geschichte der Rennsportlegenden Carroll Shelby (Matt Damon) und Ken Miles (Christian Bale). Shelby konnte Le Mans zwar als letzter Amerikaner gewinnen, doch seine Zeit hinterm Lenkrad ist aus gesundheitlichen Gründen vorbei. Er setzt auf Ken Miles, von dem er weiß, dass er wie kein zweiter mit Rennwagen umgehen kann. Doch der von Christian Bale verkörperte Miles ist zuweilen ein schwieriger Charakter. Und während es Shelby noch versteht sich im aalglatten und speichelleckerischen Kreis um Henry Ford II zu bewegen, macht sich Miles mit so gut wie allem was er tut, so gut wie jeden zum Feind. Dabei ist schnell klar, dass Ford eigentlich nur mit seinem Können eine Chance hat Ferrari hinter sich zu lassen. Doch nicht einmal der erste Versuch Le Mans zu gewinnen, der mit einem Ausscheiden aller Autos von Ford endet, kann Henry Ford II eines Besseren belehren. Erst als Shelby ihm eine Wette anbietet, nach der Ken Miles in Le Mans starten kann, wenn er die 24 Stunden von Daytona gewinnt, kommt Ford auf die Siegerstraße. Diesmal sind es die Ferraris, die es nicht ins Ziel schaffen. Stattdessen fahren alle Ford GT 40 gemeinsam über die Ziellinie und produzieren damit vielleicht eines der legendärsten Bilder der Rennfahrtgeschichte.

Zum Nachteil von Ken Miles, denn auch wenn er letztlich mit der Nase voran ins Ziel fährt, erklärt das Reglement einen anderen Fordfahrer zum Sieger. Der amerikanische Held, der eigentlich Brite ist, was der Film nicht gerade groß erzählt, wird am Ende doch noch von einem seiner Feinde im Management besiegt. Eine griechische Legende im Motorsport, sozusagen

Le Mans 66 erzählt eine jener wahren Geschichten, die man eigentlich gar nicht erfinden könnte. Eine Heldengeschichte, die selbst heute schon ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkt. Der Kampf um die Vorherrschaft im Rennsport zwischen Ford und Ferrari, kann von Fans des Autosports nicht erzählt werden, ohne zumindest einmal die Umschreibung „episch“ zu verwenden.

Im Vergleich zu den realen Geschehen straft Mangold relativ wenig, sondern packt alles in gut 160 Minuten klassischer Hollywoodunterhaltung. Getragen vor allem von einem Christian Bale, der seinen Charakter mit dem stoischen Willen zum Sieg verkörpert, ohne jedoch nicht selbst noch in kleinsten Mimikspielen klar zu stellen, dass er dies auch kann, ohne jeden Preis dafür zu bezahlen. Es gelingt ihm spielend auf der einen Seite den liebevollen Vater und Ehemann zu verkörpern, und auf der anderen den aufbrausenden Charakter, der bei Meinungsverschiedenheiten schon einem die Windschutzscheibe des anderen einschlägt. Dahinter steht Matt Damon als Carroll Shelby schon einige Schritte zurück, eher wie ein Sekundant, ein Stichwortgeber, in einem von Bale völlig dominierten Film. Aber immer noch präsent genug, um Le Mans 66 nicht zu einer One-Man-Show werden zu lassen.

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Le Man 66 (USA 2019) – seit 2. April auf BlueRay, DVD und bei diversen Streamingdiensten zu sehen

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